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WORTBEITRAG

12. September 2003, 23:52 Uhr, lebenstraumsammler

Auszug aus uns

Ich sei unsicher beim rauchen, sagt sie und zündet sich eine Zigarette an. Ich schaue zur Decke, suche die Wahrheit. Weiss sei mir immer schon gut gestanden und ob es meiner Mutter wieder besser gehe, fragt mich ihr Mund, ihr Gesicht spiegelt sich in meinem. Es ist still. Das Restaurant ist leer für seine Fülle. Menschen bauen oft zu gross. Warum ich mich nicht mehr daran erinnere und warum ich heute so schweigsam sei, muss ich noch ertragen. Es sei schön gewesen sie zu sehen, finde ich. Wir zahlen, bleiben sitzen, weitere Momente lang, manchmal ist es schwer Schluss zu machen. Nur damals war es das nicht. Meine Gedanken schweifen: An diesem Platz wir uns geküsst, an diesem Bahnhof wir uns getrennt, in diesem Leben wir uns verloren haben.
Merker kommt rein, motzt, im Raum füllt sich die Fülle mit Gestank. Merker arbeitet. Mit dem TGV sei er gefahren, direkt ins grosse Paris, dort flanierte er da und dort und danach heim, wieder mit dem TGV. Vom Zürcher Hauptbahnhof dann zurück nach St. Gallen und mit dem Postauto weiter nach Gossau, sei er und dem Buschauffeur habe er auch von Paris erzählt, genau wie ihnen dreien, damals 1978. Und jetzt würde er ihnen einen zahlen, was er auch täte, hätte er Geld.
Nuras Gesicht lächelt, wir hören den drei Saufkumpanen zu, besser als beim Reden zu Schweigen. Meinen Grossen wolle ich der kleinen Welt zeigen, entschuldige ich mich Richtung Toilette und beim pinkeln denke ich noch, es so zu sagen sei ein wenig offensiv und beim Blick nach unten glatt gelogen. Wir hätten zwar schon bezahlt, aber ob ich trotzdem noch etwas wolle, fragt sie mich nach dem Abtröpfeln und Hände waschen.
Ich wolle nichts was sie mir geben könne und damit ist alles aus.


Gefällt mir, vor allem die Perspektive, wenn er dann pinkeln geht, dass die Aktion, die man als Frau nicht kennt, miterlebt und diese eigentlich die Trennung überschattet in ihrem Gewicht. Bitter. Aber mit einem ernsthaften Versuch zur Wahrhaftigkeit, gepaart mit Realitätsverlust, zwischezeitlich.

ingrid | 01. Januar 2004, 10:32 Uhr |


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