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WORTBEITRAG

30. September 2003, 11:50 Uhr, demian

Wann wir lügen

Ich spiele eine Rolle, ob ich mich wohl fühle darin, fragt er, ich schweige. Dass dies jeder tue, sei eine billige Rechtfertigung, es störe ihn und ich solle mich wieder auf mich selbst besinnen.
Ich bin es mir gewohnt. Es war schon immer eine Gabe von ihm, mir in Kürze meinen Seelenfrieden zu rauben und nicht selten hatte ich dabei das Gefühl, es bereite ihm Spass; so auch jetzt. Aber heute bin ich stärker.
Ob ich mich noch erinnere an meine Idee, dass die Lüge der Grund sei für das kümmerliche Wahrnehmen von uns Menschen. Ob denn dieses Rollenspiel nicht auch eine Lüge sei, bohrt er weiter, ich schweige immer noch. Diese Rhetorik, schrecklich, aber ich stimme ihm mit einem Lächeln zu.
Wer mag es schon, wenn die eigenen Theorien gegen einen verwendet werden? Wollen wir uns doch damit freier und nicht befangen machen. Ich mag es jedenfalls nicht, und ich neige in solchen Momenten jeweils dazu, mich als missverstanden zu erklären.
Doch er kommt mir zuvor: Wenn ein Mensch lächle, obwohl ihm zum Weinen zumute sei, lüge er.
Jetzt nervt er.
Nein, sage ich, es könne auch als Unvermögen verstanden werden. Derjenige möchte zwar weinen, kann aber nicht und lächelt deshalb. Wohl spielen wir eine Rolle, doch haben wir sie nicht entworfen, entwerfen sie erst recht nicht in jedem Augenblick neu. Nicht die Rolle ist unsere Lüge, sondern der Glaube an das Spielen als buntes Ausgestalten.


Jahre später, Demian, eine Reaktion ... Du hast ein gemeines, alltägliches Gefühl super schön ausgedrückt.

ula_bre | 03. Juni 2008, 23:01 Uhr | http://ula_bre.wortbeitrag.net


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