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WORTBEITRAG

18. September 2006, 17:00 Uhr, aulay

Über alles! (2004)

Sie kamen in Scharen. Wie ein irrsinniger Mob verfolgten sie einige Mitglieder eines anderen Stammbaums. Zwischendurch blieben sie erstarrt stehen, ächzten trocken vor sich hin, rappelten sich nochmals auf und warteten gierig auf die nächste Hetze. Teilweise wälzten sie sich mühselig über den von Überresten übersähtem Asphalt. Fiebriges Gelb überzogen einzelne Streifen, die nervös tuschelten und wie elektrisiert herumzappelten.
Eine kleinere Gruppe riss sich los und jagte sich selbst. 3 mal im Kreis dann spiralenförmige Formationen ohne sich wirklich zu folgen. Ein Fenster knallte schreiend zu. Massenhysterie brach aus. Alles war in unkontrollierter Bewegung. Einzelteile wirbelten durch die Luft und sanken dann langsam zu Boden.Die grosse Horde lief Amok. Wie ein Meer von Krebsen auf dem Rückweg ins Wasser. Verirrte Einzelschicksale die sich nicht eingliedern konnten, suchten sich entweder den besten Fluchtweg ins Verderben oder blieben erwartungsvoll liegen, wo sie sich höheren Mächten anschlossen. Wie von Geisterhand versammelte sich plötzlich die ganze Masse, aufgepeitscht und zu allem bereit, hinter der rosa Mauer.
Verdächtige Stille frass sich in das knabbernde Geräusch. Ein ungeöltes Scharnier flehte wimmernd um sofortige Erlösung. Totenstille. Nur die stillgelegte Fabrik produzierte noch Geräusche. Es begann zu regnen. Trotzdem waren alle da und schwiegen: die Verkrüppelten, die Enthaupteten, die Entehrten, die Vergessenen, die Unbrauchbaren, die Vertriebenen, die Verfolgten, die Verbrauchten. Die Zeit war gekommen. Ein heftiger Windstoss fegte sie drohend über die Strasse und warnte sie mit knallenden Rollläden. Entfesselt wie sie waren flohen sie in alle Richtungen, um nie wieder zurückzukehren.

Am nächsten Morgen klebten noch einzelne auf dem nassen Boden. Nur wenige konnten sich vor dem endgültigen Tod retten und lagen verstreut unter einer Sitzbank. Bald würden auch sie beseitigt werden. Für immer verschwunden und von niemandem vermisst. Es war das letzte Mal, dass sie sich über alles hinwegsetzt haben. Nur ihr Führer schien zu schweigen. Die treibende Kraft war fortgezogen, in andere Länder zu anderen Bäumen, für ein neues Chaos. Es ist Herbst: Laub über alles!

O:Y (Herbst 2004)

::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
No se, pero creo que estoy enamorado.
Enamorado en el pensamiento de estar con tigo! Yo te protejo!


Keine falsche Bescheidenheit, ich kenne nicht viele alte Abgeklärte, die mir eine solche Geschichte erzählen könnten. Ein Autor wärst Du aber sowieso, selbst dann, wenn die Geschichte schlecht wäre, das ist sie aber weiss Gott nicht, im Gegenteil mir gefällt sie sehr gut.

willi | 14. Februar 2006, 14:28 Uhr | http://willi.wortbeitrag.net


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