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18. August 2006, 02:40 Uhr, Epiphanius

Legitimation V 1.1

Eine Handlung oder das Unterlassen einer Handlung, die oder das gegen Gesetzte verstößt, die die Grundlage der Gemeinschaft sind, ist ein Gesetzesbruch.

Das wohl normale Empfinden eines Menschen ist, dass das Töten eines Mitmenschen zu den schwersten Verbrechen gehört; so wird es auch von der Gesetzgebung gesehen; wobei aber diese noch differenziert; so nach Heimtücke, Vorsatz, Raub, Schuldfähigkeit usw..

Auch für mich erscheinen der geplante Mord aus Habgier und der sexuelle Missbrauch von Kindern als die schlimmsten Verbrechen.

Aber die Gesetze des Staates reichen ja nicht aus. Der Mensch kann auch ohne offensichtliche Gewaltanwendung auf subtile Weisen töten, z.B. einen erkrankten Elternteil oder Kinder nicht so pflegen, wie es die Menschlichkeit gebietet.

Zu Recht und Gesetz gehören im weiteren Sinne die Ethik, die Moral, die religiösen Gesetze und das Gewissen des Menschen. Letztere sind wohl als die eigentlichen Ursprünge der Staatsgesetzgebungen zu betrachten.

Ich vertrete die These, dass eine Gesetzgebung, die den Menschen in allen Dingen vorschreibt, was er tun darf und was nicht, dazu führen kann, dass der Mensch immer weniger auf sein eigenes innewohnendes ursprüngliches Rechtsempfinden, also sein Gewissen, hört; und das mit möglicherweise schlimmen Folgen.

Wenn ich mich recht erinnere war es eine Stelle im Buch der Wandlungen, die die Gesetzgebung als einen Niedergang, als einen Abfall von einer ursprünglich höheren ethischen Lebensführung definierte. So leben wir ja gegenwärtig in einem Zeitalter, in dem viele Menschen nach dem Motto handeln, was nicht per Gesetz verboten ist, ist erlaubt. Die Folgen sind, dass immer mehr Lebensbereiche von der Gesetzgebung durchdrungen werden müssen. Das Neue Testament schildert ja einen dieser daraus erwachsenden Konflikte an Beispielen der gesetzerpichten Pharisäer mit Jesu, der der Gottes- und Nächstenliebe Vorrang gibt und der Einhaltung des Buchstabens des Gesetzes die Einhaltung seines Sinns entgegengestellt.

Es scheint, viele Menschen kommen auch ganz ohne das Gewissen und ohne offensichtlichen Verstoß gegen Recht und Gesetz durch das Leben. Machtmenschen, die ihre Mitmenschen unterdrücken und für nicht mehr als eine Sache achten; habgierige Menschen, denen die Mehrung ihres Reichtums über die Achtung ihrer Mitmenschen geht; triebhafte Menschen, die in ihren Mitmenschen nur das sexuelle Objekt sehen; egoistische Menschen, die sich am Mitmenschen nur selbst verherrlichen wollen und Menschen die schweren Süchten verfallen.

Machtgier, Habgier, Triebhaftigkeit, Egoismus, Unbeherrschtheit ... das sind mir die klassischen Beispiele der Götter und Dämonen, denen der Mensch anheimfallen kann; sie sind der Ursprung aller Übel. Daher rührt wohl auch die prominente Stellung des Gebots, ›... du sollst keine anderen Götter neben mir haben‹.

Es ist so etwas wie die Legitimierung des menschlichen Seins und Handelns, wenn er nicht sich selbst als Ursprung und Ende aller Dinge, alles Wirkens nimmt, sondern diese von einer höheren, universellen Instanz bedingt und geschuldet, geboten und gerechtfertigt erkennt.

Wie die Staaten der Weltgemeinschaft sich erst dadurch legitimieren, dass sie sich eine höhere Instanz schaffen und ihr das Macht- und Rechtmonopol zu einem essentiellen Teil übertragen, so dass kein Land mehr willkürlich nach seinem Gusto über die anderen Unglück bringen kann.

So heißt auch für die Moralen und Ethiken der Völker, als von ihrem Gott und ihrer Religion gestiftete Eigenschaften, die Legitimierung, einen ähnlichen Prozess einzuschlagender.

Die Religions- und Ethikgemeinschaften müssen sich ebenfalls eine höhere Instanz schaffen, der sie Teilbereiche ihrer Macht- und Moralsysteme abtreten. Das heisst vor allem, sie müssen auf ihren Absolutheitsanspruch verzichten und von ihren Welteroberungszielen durch die aktive Missionierung absehen; auch, sich von ihrer Nicht- oder Verachtung der anderen Religionen abkehren. Sie müssen ihr Kirchenrecht in Teilen harmonisieren und humanisieren. Sie sollten in idealerweise letztendlich anerkennen, dass ihre Religionen einen gemeinsamen Ursprung haben.

Es gibt da, wie zu den internationalen Rechtsordnungen, auch schon solche interkirchliche Bemühungen; so der globale Kulturdialog, die interreligiöse Begegnung, die Weltökumene und der Weltkirchenrat.

Das Ergebnis der Weltökumene wird nicht die Religionen zu einer einzigen verschmelzen, sondern es bleibt eine bunte, sich respektierende, Weltglaubensgemeinschaft.

Es ist also höchst problematisch, wenn eine Religion ihre Botschaft, ihre Lehre, ihren Appell, sich der höchsten menschliche Instanz zu besinnen, mit dem Postulat verknüpft, sie selbst sei gleich zu setzten mit dieser höchsten Instanz.

Das ist eine illegitime Verquickung von Eigeninteressen mit dem höchsten Grund des Menschsein, der erst einmal ohne Gesetz, ohne Staatsgebilde, ohne Kirchensoziätät, also noch etwas Ungeschaffenes ist. Wenn eine kreatürliche Emanation dieses höchsten Geistes am Beispiel einer Kirchengemeinschaft sich gleich diesem Geist setzt, sich nicht relativieren kann an der Tatsache, das es ja um sie herum eine Vielzahl von anderen kreatürlichen Soziätäten diese Geistes gibt, dann setzt sie sich ins Unrecht.

Ein legitimer Kampf oder Feldzug oder gar Krieg kann also nur heißen, er ist eine Verteidigung gegen die Intoleranten, sich nicht relativierenden, gegen die sich einer Legitimierung Verweigernden.

Die so genannten 10 Gebote ... 2. Mose 20,1-17, sind mir die Anleitungen für den Menschen, wie er sich von seinen niederen Instinkten befreien kann, wie er zu einem höheren Dasein findet; in dem er zu seinem ihm innewohnenden Gewissen erwacht, zum neuen und vor allem auch, nun liebesfähigen Menschen. Kants Kategorischer Imperativ setzt ja auch schon die Vernunftfähigkeit des Menschen voraus. Der Mystiker wird darin vielleicht auch den Mensch auf dem Weg zum neu Geborenen sehen.

Viele Leute sagen, ich glaube nicht an Gott, für mich macht das keinen Sinn, die Zeiten sind vorbei, das Recht und Gesetz, in dem wir leben, das reicht mir. Und tatsächlich gibt es auch viele Nichtgläubige, die damit zurecht kommen; nicht der Gewissenlosigkeit anheimfallen und so ganz anständig durchs Leben gehen.

Sie merken jedoch nicht, dass sie dabei doch dem einen oder andern oder auch vielen falschen Göttern hinterherlaufen. Das übertrieben Sicherheitsbedürfnis in unserer Gesellschaft, der Konsumismus, das Geldanhäufen, die so häufig überhöhte Stellung der Arbeit, die Karriere, das Auto und das Häuslebauen, dem soviel geopfert wird; das sich zu sehr auf sich selbst zentrierende Leben; die Intoleranz und die Unfähigkeit zu Gemeinschaft und verbindlichen Partnerschaften.

Dass diesen Menschen dann doch etwas essentielles im Leben fehlt wird oftmals offensichtlich; jedoch, was es wohl sein könnte, was sie ewig unbefriedigt und glücklos sein lässt, das wird ihnen meist nicht mehr klar.


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