09. November 2006, 11:50 Uhr, alexaWir alle sind Inseln“Niemand ist eine Insel“ lautet der Titel eines Romans von Johannes Mario Simmel. Dieser Satz strömt durch mein mattes Hirn, das von Migräne und Medikamenten rücksichtslos gebeutelt wird. Was ist, wenn dieser Titel nur Täuschung ist? Ein falsches Versprechen?
Wir sind alle Inseln, getrennt von einander, nehmen nur uns selbst wahr, denken für uns selbst und handeln erst recht nach diesem Motto.
Wir sind Inseln und versuchen in Schwerstarbeit Brücken zu bauen. Manche bröckeln schon nach wenigen Metern und so stürzt manch einer in die kalten Fluten. Getauft durch die Härte des Lebens, die Erbarmungslosigkeit. Er kriecht zurück auf seine eigene Insel und schaut wehmütig hinüber – ach, diese weibliche Insel dort drüben blinzelte so verlockend! Täuschung.
Manche werden in den kalten Fluten von Haien gebissen, die es direkt auf das Herz abgesehen haben. Sie beissen es raus, lassen den Rest am Leben. Es zappelt, gefühllos. Ein solcher Inselbewohner lässt in Zukunft bauen. Denn zu sehr mag er seine eigene Insel, will sie nie wieder verlassen, schon gar nicht für jemand anderes.
Andere Inselbewohner werfen Speere mit langen Schnüren als Schweif. Sie hoffen, der Speer möge sich in einer begehrenswerten Insel festkrallen und er könne sich am Schweif über die kalten Fluten hangeln. Manchmal trifft ein solcher Speer das Herzzentrum seines Ziels und anstatt die begehrte Insel zu erobern, ertrinkt diese in den Fluten wie ein Gummiboot mit Loch. Nicht so schlimm, es gibt ja unzählige Inseln.
Will eine Insel nicht erobert werden, schneidet sie den Schweif entzwei. Der Eroberer fällt den kalten Fluten zum Opfer.
Selten, ja, wirklich seltener als dass ein Märchen wahr werden würde, klatschen zwei Inseln aneinander, schauen auf und mit diesem einen Blick ist alles gesagt. Sie halten einander fest, lassen nicht mehr los, schaukeln gemeinsam durch die Fluten, werfen nicht mit Speeren nach Links und Rechts, schneiden dafür zum Schutze ihrer Zweisamkeit sämtliche auswärtigen Versuche entzwei.
Meint Simmel mit seinem Titel, dass wir uns gegenseitig beeinflussen. Ja! Dem ist so. Wir können nicht anders. Jede Entscheidung beeinflusst die Fluten des Lebens und die näheren Inseln.
Wir alle sind Inseln. Treffen zwei Inseln aufeinander, die sich ineinander fügen, für einander geschaffen sind wie benachbarte Puzzleteile, so vergrössern sie sich. Sie wachsen durch die Gemeinsamkeit, scheinen ein Ganzes zu werden – bis dass der Tod sie scheidet. Sie sind und bleiben Inseln.
Kai | 10. November 2006, 19:53 Uhr | http://www.kailalama.blog.de
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