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27. November 2006, 08:38 Uhr, Epiphanius

Der freie Wettbewerb der Machtstrukturen

Eines unserer größten Problem bei der Betrachtung des Themas Gesellschaft, bei der Reflektion des Gesellschaftsmodells und seiner Prozesse ist, dass wir von Anfang an in den Strukturen der Gesellschaft drinnen stecken und so von Anbeginn indoktriniert sind; indoktriniert durch den Staat, die Religion, die Medien, die Wirtschaft.

Wenn wir von der Menschheit als einem Volkskörper ausgehen, dann sind die Konkurrenzen und Intoleranzen innerhalb der Menschheit geistige Systemkonkurrenzen. Was sind diese geistigen Systeme? Machtstrukturen; Machtstrukturen der Religion, des Staates, der Wirtschaft, des Intellekt.

Diese Machtstrukturen konkurrieren nicht nur zwischen Staaten sondern auch untereinander. Ich würde sagen, ihre gegenwärtige Reihenfolge auf dem virtuellen Siegespodest lautet: Wirtschaft, Staat, Religion; wobei es nun so aussieht, als ob sich die Wirtschaft den Staat so zu sagen überall einkauft.

Globalisierung ist aus dieser Perspektive die reale Übernahme der Weltherrschaft durch die Wirtschaft. Der Staaten Handeln ist also primär an den Interessen der Wirtschaft ausgerichtet. Die vor ein paar Jahren noch so viel benutzte Vokabel Wirtschaftskrieg ist nahezu bedeutungslos geworden. Das Hauptinstrument der Wirtschaft, das Kapital, hat den Sieg davongetragen. Globale Konkurrenzen bestehen nun also primär unter den Kapitalkonglomeraten. Immer um Wachstum und Mehrung ihres Reichtums bemüht sind sie nun die globalen Monopoly-Spieler, die Staaten heimlich usurpieren, ihnen ihren Willen aufzwingen um so Hand an die ihnen essentiellen Märkte und Rohstoffvorkommen legen zu können, um die Kosten für die Produktion zu minimieren.

Das prominente Beispiel, dass ein inzwischen der Korruption angeklagter Mann aus der Wirtschaft den Deutschen die Hartz Gesetzgebung auf den Weg bringen durfte, sei dazu erwähnt.

Der Gesetzgeber hätte hier eigentlich in der Pflicht gestanden, die schwache Position der Arbeitnehmer zu stützen. Der Arbeitsnehmer als Faktor im Marktgeschehen betrachtet, stellt eine Position im Überangebot dar.

Jedoch, anstatt auf breiter Front für den Bürger dennoch ein Menschenwürdiges Dasein sicher zu stellen, zum Beispiel dadurch, dass er das Überangebot an Arbeitnehmern durch die Einführung eines Grundeinkommens verknappte und den Arbeitnehmern so auch wieder eine Wahlfreiheit bezüglich der Annahme einer Arbeit ließe, die in ihrer Folge das Arbeitgeberverhalten dahingehend regulierte, nun wieder attraktiv gestaltete Arbeitsplätze anbieten zu müssen, hat der Gesetzgeber die Positionen des Bürgers massiv geschwächt und zwingt ihn nun sogar dazu, wider alle Gesetze des Marktes, jeden sich nur bietenden, wie immer schlecht auch bezahlten Job anzunehmen. Ja, der Staat zwingt den arbeitslosen Bürger sogar dazu, nun als geradezu rechtlose Verfügungsmasse im Rahmen der so genannten 1 Euro Jobs zu dienen.

Die Position der Wirtschaft ist bei uns im Verhältnis zum Arbeitsmarkt konkurrenzlos gestärkt. Ältere und auf Grund ihrer Betriebszugehörigkeit höher verdienende Arbeitnehmer werden entlassen oder aus dem Job gemobbt; Arbeitnehmern wird gar nicht mehr die Chance eingeräumt, in ihrem Betrieb alt zu werden; Arbeitnehmer werden in befristete Mini- und Teilzeitjobs gedrängt, die weniger Kosten verursachen.

Das ist mir ganz klar ein Verrat des Staates an seinen Bürgern. Dass im gleichen Zuge die Leistungen des Staates an seine Bürgern massiv zurückgefahren und privatisiert werden, darf hier natürlich nicht unerwähnt bleiben.

In allen nicht produktiven Gesellschaftsbereichen wird bis über die Grenzen des Ertragbaren gewirtschaftet, gewirtschaftet auf Teufel komm raus. Die Positionen der Familie, des Arbeitslosen, des Kranken, des Alten, der Kinder und Schüler, der Studenten, und der Gefängnisinsassen sind mittlerweile dramatisch gefährdet.

Und, der Staat rüstet sich immer massiver gegen seine Bürger auf. Unter dem Deckmantel der Terrorismusabwehr werden seine Grundrechte abgebaut und jeder Schritt und Tritt, jedes elektronische Wort und Rezipieren, wird mit immer raffinierteren Methoden dem Monitoring und der Überwachung zugänglich gemacht.

Recht und Gesetz sind innerhalb der Machtstrukturen eigentlich nur für den kleinen Bürger ausdifferenziert; bei ihm ist selbst das Wegwerfen eines Stück Abfalls mit einer Geldstrafe sanktioniert.

Zwischen der Wirtschaft mit ihren Staaten und Staatenbünden gelten Recht und Gesetz nur vordergründig. Da wird weltweit spioniert, manipuliert, erpresst, korrumpiert, gemordet und unter falschen Anschuldigungen Krieg geführt. Nachfolgend sei hierzu eine Auswahl an Medienberichten zitiert, die sich einer tiefergehenden Analyse des Mordes an dem russischen Ex-Spion und Überläufer Litwinenko widmen.

Telepolis Bond and The Return of the Evil Empire

Signs Of The Times Litvinenko - By Way Of Deception

Mein Resümee ziehend sage ich also, vertraue nicht dem Staat, vertraue nicht den Massenmedien, vertraue auf keinem Fall der Wirtschaft, vertraue nicht der Kirche, vertraue Gott und Dir selbst und handle nach Deinem besten Wissen und Gewissen. Und, wenn du schon Etwas über hast, gib es den Armen und nicht zu den Banken; mit der Zinsvermehrung des Geldes versklavst du dich und die Menschheit letztendlich immer mehr dem merkantilen Wahnsinn. Nur eigene Arbeit zählt etwas, Millionengehälter, wie immer sie auch legalisiert sein möchten, sind mir mit keiner equivalenten Leistung erklärbar. Die solchen 'Erfolgreichen' entgegengebrachte Verehrung ist natürlich ein Götzendienst, den uns auch hier die Medien vormachen.

Die modern Mythen der Medien verherrlichen den Konsumfreudigen, den Reichen und Erfolgreichen; in einem Licht, in dem dieses Ideal überaus sexy und für alle offen und erreichbar erscheint; in einem freien, demokratischen, guten und rechtsstaatlichen System der Marktwirtschaft, so sie nur fleißig sind und ordentlich mit den Ellenbogen stoßen.

Die modernen Mythen verherrlichen die Gewallt. Die Identifikationsfiguren sind egoistisch, einzelgängerisch, groß, stark, brutal, sexy, intelligent, sympatisch und erfolgreich. Ihre Problemlösungen mit den Mitteln der Gewallt werden als verstehbar und nachvollziehbar dargestellt. Die inherente Botschaft lautet, nicht mit dem Vorbild des intelligent miteinander Umgehens und Kommunizierens, also des gemeinschaftlichen Problemlösens sollst du nachhause gehen, sondern mit dem Bild des erfolgreich Gewalttätigen in der Konfrontation der starken Männer.

Es hat mich nicht wenig erstaunt, zu erfahren, dass Kriegs- und Spionagefilme auch von Militärhaushalten subventioniert werden. Im Kontext dieser Filme findet man regelmäßig den eigenen Staat, das eigene System, als das einzig Gute, überlegene und Wahre dargestellt und den Feind, nicht selten ist er in einem real Vorhanden Land wieder zu erkennen, als den absoluten Bösen. So wird hier mit den Mitteln der Kunst oft auch das eigentlich illegitime Handeln der Militärs und der Spione heroisiert. Die Interessenverfolgung und Konfliktlösung durch den Krieg wird als ein über alle Zweifel erhabenes, spannendes, heldenhaftes, legitmes, patriotisches Vorgehen in einer Geschichte vermittelt.

So werden hier und heute, mal leicht erkennbar, mal weniger offensichtlich, allerorten handfeste Interessen-Weltbilder in den Köpfen verankert. Natürlich gibt es auch andere Künstler und andere Skripte, aber ihre alternativen Mythen werden, solange sie den Interessen dieser Welt des Kapitals nicht entsprechen, nicht unterstützt und bekommen so nur selten eine Chance auf ein großes Publikum.

Ja, mein alternatives Reflektieren und Erzählen ist ein kleiner Anteil an jener wohl auch überall stattfindenden und stattgefunden habenden Konstruktionsarbeit an einer Mythe der Befreiung von den Lügenmythen. Der Leser darf auch meine Worte und Bilder nicht unreflektiert und unkritisch verinnerlichen; sie sollen ihn zum Nachdenken anregen und zum darüber hinausgehenden eigenen Verstehen.


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