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27. Mai 2007, 14:06 Uhr, Epiphanius

Die religiösen Heilungswunder ... II

Zitation: Die religiösen Heilungswunder sind also nicht nur der modernen Naturwissenschaft ein Dorn im Auge, sie widerlegen vor allem eine Theologie, die sich an die faktische Seelenzerrissenheit des neuzeitlichen Menschen soweit angepasst hat, daß sie die Krankheit selber, den Status der Angst, der Naturfremdheit und den Dualismus einer gefühlskalten, vollkommen unkörperlichen und dennoch absolut materialistischen Rationalität, statt sie vom Glauben her zu heilen, sogar in eine eigentliche Form christlichen Glaubens umzudeuten wagt. Die Heilungswunder der Schamanen ebenso wie die der Bibel legen ein deutliches Zeugnis ab von einer Frömmigkeit, in der Gott und Welt, Natur und Mensch, Geist und Körper eine Einheit bilden und in welcher der Glaube gerade darin besteht, in diese Einheit einzutreten. Zitation Ende. Aus: Tiefenpsychologie und Exegese, Seite 129, Band II, Walter Verlag

Es ist schon eine höchst merkwürdige Konstellation, aus der heraus er von hier liest, zitiert und schreibt. Er verdankt es der Reiseunfähigkeitsbescheinigung eines, von seiner Menschlichkeit ganz wunderbaren Bewunderers und Mediziners, dass er das obige 800 Seiten Werk aus der Landschaftsbücherei entleihen, und nun in Ruhe studieren kann. Die Klarstellunge E. Drewermanns zu diesem Thema rollten ihm einen schweren Stein vom Herzen. Eigentlich findet sich ihm in diesem Werk so viele Wesentlichkeiten, dass das Wenige, das er hier zitiert eine ungehörige Verkürzung darstellt, jedoch, es geschieht in der Absicht, den Sympatisanten so zur eigenen Lektüre zu animieren.

Zitation Fortsetzung, Seite 138: Während der Schamane ganz der Mittler und das Sprachrohr seines Traumes ist, scheinen die Heilungen, die Jesus wirkt, eines eigenen Rituals nicht mehr zu bedürfen; und wenn er auch immer wieder von seiner Person ablenkend, das Wunder der Heilung mit den Worten erklärt, es sei der Glaube des Kranken selbst, der ihn gerettet habe, so ist dieser Glaube doch, wie in Mk 9,14-29, ganz entscheidend an die Begegnung mit seiner Person, an seinen eigenen Glauben, gebunden.

Zitation, Seite 156: Es ist stets die Überwindung des eigenen Traumas, die zum Heilen befähigt, ...

Zitation, Seite 163: Es handelt sich um dieselbe Mißachtung und Warnung vor einer bloßen Medikamentengläubigkeit, die wir bereits bei den Sioux-Schamanen angetroffen haben. Auch die Thrakischen Ärzte des Gottes Zamolxis scheinen es geradezu für eine verheerende Gefahr, für eine durch Berufseid zu unterdrückende Versuchung gehalten zu haben, daß man die Anstrengung der seelischen Auseinandersetzung scheut und das ärztliche Heilverfahren durch Verabreichung von Tabletten vereinfacht, d.h., in Wahrheit zu einer Karrikatur entwertet. Eine wirkliche Heilung an Seele und Körper war für die thrakischen Ärzte offenbar nur als Einheit von Wort und Mittel vorstellbar - als Sakrament, ganz so, wie wir es beider Darstellung der schamanistischen Heilverfahren gesehen haben.

Zitation, Seite 164: Insbesondere der Glaube, von dem die Wundererzählungen sprechen, ist so allgemeinverständlich wie sein Gegenteil: die menschliche Angst, und jede Religion, wenn sie sich nicht selbst als ein Gebäude institutionalisierten Zwanges und psychischer Entfremdung etablieren will, besteht wesentlich darin, auf diese Angst heilende Antworten zu geben. 'Die Religion', sagte daher zurecht der indische Religionsphilosoph S. Radharkrishnan, 'gründet sich auf Glauben im Sinne von Vertrauen. Das mechanische Glauben, das sich der Autorität unterwirft und dem der Wunsch zugrunde liegt, die Tröstungen der Religion ohne die Mühen eines religiösen Lebens zu erfahren, unterscheidet sich vollkommen von dem religiösen Glauben, deren Wurzeln in der Erfahrung ankern ... (Glauben) ist die Schau der Seele, die Kraft, durch die Geistiges wahrgenommen wird, so wie Materielles von den Sinnen wahrgenommen wird. Der blinde Glaube an das Dogma ist nicht der Glaube, der rettet. Es ist eine unglückliche Entwicklung, die die christliche Theologie in Europa genommen hat, daß der Glaube zur Unterwerfung unter eine Autorität wurde. Wenn wir den Glauben in der richtigen Weise als Vertrauen oder geistige Überzeugung verstehen, ist Religion Glaube oder Intuition.' (S. Radharkrishnan: Weltanschauung der Hindu). Ende Zitation aus: Tiefenpsychologie und Exegese, Band II, Eugen Drewermann, Walter Verlag


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