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31. Mai 2007, 13:30 Uhr, Epiphanius

Das Königtum des Epiphanius

Zitationen aus Tiefenpsychologie und Exeges, E. Drewermann, S. 454: ... der Archetyp König steht in jedem Fall für das Selbst, gleichgültig ob seine Gestalt auf das Königtum Gottes oder das Königtum des Messias bezogen wird. ... Alles hingegen, was der psychischen Entwicklung des Selbst dient, läßt sich wirklich nicht anders verstehen denn als Erfüllung einer Verheißung 'am Anfang': des Wesensauftrages, die eigene Freiheit und Unabhängigkeit von allen äußeren und inneren Bindungen zu gewinnen, mithin ein 'Exodus' aus der Verhaftung an die Gunst anderer Menschen sowie aus der Verhaftung an das eigene Ich zu wagen und dabei zugleich – im Bild von dem Zionsberg – das eigene Zentrum, die Mitte des Herzens zu finden. Ende der Zitation.

Hier gibt Eugen Drewermann in wenigen, klaren Worten die Essenz seiner psychischen Konstitution, seiner Erfahrungen und seines intuitiven Weges wieder - wenn auch sein Archetyp sich eher in das Wort vom Bettelmönch kleidet, so war und wird ihm das darin inherente geistige Königtum durchaus immer wieder bewußt und vom Menschen gespiegelt.

Nachfolgend eine weitere Zitation aus oben genannter Quelle, S. 464/465: Vollends in die Irre geht vor allem die Aufspaltung, mit der oft und gern der tiefenpsychologischen Hermeneutik vorgeworfen wird, sie pflege in unverantwortlicher Unbekümmertheit die Träume der Innenwelt, während in der Außenwelt sich die Kriesen immer mehr zuspitzen. Das Gegenteil ist richtig: man wird die Engstirnigkeit z.B. der nationalökonomischen Interessen oder die zweckrationale Logik kapitalistischen Unternehmertums nicht zuungunsten einer globalen Weltbrüderlichkeit und Weltverantwortung überwinden können ohne die 'irrationale' Macht und Magie menschheitlicher Bilder und Symbole, ohne die Kraft traumhafter Visionen und ohne gemeinsame religiöse Bilder. Seit mehr als 20 Jahren erlebt etwa ein Bürger der Bundesrepublik die äußerst scharfsinnige Debatte darüber, ob wir für die Entwicklungshilfe wohl 0,35 oder schon 0,37 % des Bruttosozialprodukts verantwortlicherweise investieren dürfen; er erlebt, wie der Hunger in der Dritten Welt immer mehr anwächst, während Rüstung und Waffenhandel unsummen verschlingen; er muß zuschauen, wie die Natur immer rücksichtsloser ausgebeutet wird, bis daß Pflanzen und Tiere nur noch als Teil einer industrialisierten Nahrungsmittelproduktion oder als Statisten der Freizeitindustrie oder als Opfer der Bauwirtschaft ect. zu Buche schlagen.
All dieser Wahnsinn funktioniert auf der Basis höchst vernünftiger Argumente, die doch alle nur solange gelten, als wir von Gott und allen guten Geistern verlassen sind. Erst die Macht tieferer Träume und Visionen, wie sie in den Religionen der Menschheit leben, vermöchten uns aus dem Gefängnis unserer Vernunft ins Weite zu führen. Nur die Träume können Berge versetzen und recht hat jener Indio in W. Herzogs Film Fitzcarraldo, wenn er die Alten seines Stammes sagen läßt: „Unser Leben ist eine Illusion, hinter der sich die Realität der Träume verbirgt.“ Aber wir müssen an die Wahrheit der Träume wieder glauben lernen, um die Wirklichkeit draußen nach der Wahrheit der Religion zu gestalten. Ende der Zitation.


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