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WORTBEITRAG

02. Oktober 2008, 12:58 Uhr, bjoernholste

Bleib bei mir - aber bleibe nicht

Es ist der Zwiespalt in uns selbst. Was wollen wir? Ist es lohnenswert einen Menschen kennenzulernen und sich ihm zu öffnen? Wo fängt das Öffnen an?
Beim Blick in meinen Kühlschrank, beim Benutzen eines von mir gewaschenen Handtuchs oder erst beim neben mir Schlafen in meinem eigenen Bett und benutzen meiner Zahnbürste. Oft ist der Wunsch eines Menschen neben einem, so stark und doch ist die eigene Schutzmauer viel zu hoch, als das es derjenige darüber schaffen würde. Wir lassen ihm kein Tor zum Eintritt. Lediglich ein Fenster wo er mal reinschauen kann. Kann man eine Beziehung mit einem Haus vergleichen? Leben wir selbst mit unseren Gedanken und Wünschen, unseren Vorstellungen und Sehnsüchten in einem eigene „Haus“ ohne Fenster und ohne Türen?
Ziehen wir, wenn wir fest mit jemandem zusammen sind, in ein eigenes Haus? Geben wir uns deswegen auch oft anders als „zu Hause“. Sind wir zu eitel um Ihn in unser Haus zu lassen, haben wir Angst, dass etwas kaputt geht?
Was sind Beziehungen eigentlich. Es ist ein Verbund zwischen Menschen, die das Leben oder ein Stück eines Lebens miteinander teilen wollen. Wieso reagiert man oft über, wenn einer einem zu nah kommt. „Ich wünsche mir doch, dass Du bleibst“ oder ist mir das allein Sein doch lieber – bequemer? Muss ich mich im fremden Haus verstellen – wie ein Gast?
Oft ist es doch so, dass man die Nähe des Anderen genießt, Zeit miteinander engumschlungen vorm lodernden Feuer verbringen möchte, lachen, weinen und plötzlich ist der Drang da, allein zu sein.
Seine Arbeiten zu machen, Freunde zu treffen - plötzlich ist es ein „Komm mir nicht zu nah“! Der Mensch ist doch undurchschaubar und doch ist es eigentlich immer so. Das Geheimnis liegt in der Ausgewogenheit, Zeit miteinander und Zeit für sich zu verbringen in gesundem Maß. Wo dieses Maß liegt, muss jeder für sich selber entscheiden, jede Schmerzgrenze liegt in anderer Höhe.
Es lohnt sich immer jemanden bei sich zu haben- auch der- der bleibt, doch sollte man Ihn auch gehen lassen. Den Menschen, der einem doch wieder ein Stück geschenkt hat – Erfahrung an sich und am eigenen Leben.
In diesem Sinn bleibt etwas, auch wenn es nicht der Mensch ist.
30.09.2008
Björn Holste , Kaisheim


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