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WORTBEITRAG

05. Oktober 2008, 04:18 Uhr, bjoernholste

Kaum ist er da, ist es falsch – der Allt

Wir sehnen uns alle nach dem Traummann. Der, der uns auf Händen trägt, uns mit einer Rose vor unserer Tür begrüßt uns den Himmel auf Erden bereitet– dann ist es so und es ist alles falsch.
Sind wir nie mit dem zufrieden, was wir haben? Will der Mensch immer mehr und mehr haben? Unser Traumpartner ist da. Ein schönes Essen, ein Wochenendurlaub im Salzburger Land, Luxus, Shopping, gigantischer Sex, was kostet die Welt – mir gehört sie! Mir ging es noch nie so gut wie je zuvor. Wir treffen Freunde, gehen ins Theater, verbringen lauschige Abendende an der Spree mit Cocktails und Salsa – es soll nie enden.
Warum holen uns immer und immer wieder die Kleinigkeiten in der Liebe ein. „Schatz, Du hast das Messer falsch in den Besteckkorb gelegt“, „die Milch war alle, da gehört eine neue Packung rein“. Ich denke mir, „ok“ – das geht vorbei. Links rein, rechts raus – doch das ist es nicht. Es sind die Hosen, die Löcher haben, der mittlerweile fehlende Wein, den es am Anfang zum Abendessen gab, nun ist es nur noch Wasser. Müssen wir uns mit „Wasser“ in einer Beziehung begnügen? Es gibt halt nicht immer Champagner, aber zu mindestens Prosecco sollte es sein.
Am Anfang sind wir sonntags immer frühstücken gegangen, nun müssen wir zu Hause essen. Was machen wir heute Abend? Kino, Konzert oder doch wieder nur die langweilige Serie, die er sich am Anfang der Beziehung verkniffen hat, weil er angeblich „nie Fern schaut“. Ist es alles mehr Schein als Sein in einer Beziehung? Warum kann eine Beziehung nicht immer wie am ersten Tag sein. Warum stören mich die Kleinigkeiten, die mich nie stören sollten – und doch tun sie es. Ich rede es mir aus – ich rede es mir schön. Eine Zeit lang, ein paar Tage und Wochen und dann, nein! Es geht nicht - ich will das nicht.
Als ich an seiner Tür klingelte – ein Mann in Unterhose – bin ich es nicht mehr wert, das man sich eine Hose anzieht oder geht es dann hinterher schneller? Warum hält er mir die Tür nicht mehr auf und ich laufe wie ein ausrangierter „Wackeldackel“ hinter ihm her – der Alltag. Schätzen wir sobald wir etwas haben nicht mehr den Wert richtig ein, lehnen wir uns zurück und denken „schön wie ist, es bleibt so“ ich muss nichts mehr tun und kann mich Bier trinkend in den Sessel fläzen und Sportschau schauen.
Wo ist das Prickeln, das Umworben werden, der Himmel auf Erden – ist der Himmel auf Erden etwa das gemeinsame Zähneputzen oder soll es soweit gehen das einer duscht und der andere verrichtet die Morgentoilette? Wo setze ich meine Grenzen und wie entrinne ich dem Alltag meiner „Wasserbeziehung“? Ist den Plötzlich alles falsch was er macht oder bin ich es, der einfach mehr will und den Champagner immer kühl hält – ist bei mir immer Erdbeersaison und bei Ihm Chips-zeit eingekehrt …
Jeder Tag ist eine neue Herausforderung, die Intimität für sich zu behalten, die Hose anzuziehen, wenn der Partner an der Tür klingelt und mit der Blume davor stehend, ein romantisches Wochenende in den Bergen verbringen möchte - den es ist richtig, wenn der Partner klingelt und die Korken knallen!
05.10.08
Björn Holste, Kaisheim


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