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WORTBEITRAG

12. Januar 2009, 17:49 Uhr, Klatschmohn

Albtraum

Nach einem gemütlichen Fernsehabend war Caroline früh ins Bett gegangen. Michaels Hand glitt unter ihre Bettdecke. Berührte sanft ihren Hinter. Streichelte über ihre Hüften. „Bitte nicht“, flüstere sie leise. Er zog seine Hand, wie so oft in dieser Situation, zu sich zurück und beide schliefen sofort ein.

Caroline fand sich in einem Traum wieder. Einem schrecklichen Traum.
„Komm zu mir …, komm zu mir“, flüsterte eine tiefe, raue Männerstimme. Sie stand gerade auf einer dunklen Straßen. Mitten im Regen. Hohe, alte Häuser um sie herum. Nirgends brannte ein Licht. Nur da. Nur da in diesem kleinen Hinterhof, auf den sie inzwischen zusteuerte. „Komm, komm zu mir…“ forderte diese Männerstimme unablässig, inzwischen in einem militärischen Ton. „Komm …! Lauf schneller!“ Sie beschleunigt ihren Gang. Stößt die Tür auf, hinter der ein schwaches Licht hervorschimmert. Steinerne, abgelaufene Treppenstufen führen hinab in den Keller. Sie steigt hinab. Bleibt vor einer stählernen Panzertür stehen. Diese öffnet sich automatisch. Einen kleinen Spalt. Sie tritt ein. Und erschreckt. Da sitzt sie. Laura. Auf einen Stuhl gefesselt. In einem flatterigen Nachthemd. Geknebelt. Ihre Haare zersaust. Die Schminke auf ihrem Gesicht, von vielen Tränenbächen, verlaufen. Über ihr leuchtet, an einem langen Kabel hängend, eine einzige Glühbirne. Die einzige Beleuchtung im ganzen Raum.
Die Tür fällt hinter ihr knallend ins Schloss. Sie erschreckt und schaut sich kurz um. Nimmt die Tatsache zur Kenntnis, aber das interessiert sie im Augenblick nicht. Sie will zu Laura. Sie will ihr helfen. Sie möchte gerade sagen: „Warte Laura, ich bin da. Ich helfe dir!“, da packt sie jemand hart und schmerzhaft an ihrem Arm und reißt sie zu sich herum. Es ist eine große, düstere, vollbärtige Gestalt. Sein Gesicht blau unterlaufen. Großporige Haut. Sein Atem riecht faulig. Er trägt einen blaue Arbeitshose und einen versifftes, ölverschmiertes Hemd. Sie starrt ihn panisch an, während er sie immer noch an ihrem Arm festhält. Sie kennt ihn. Ja, sie kennt ihn. Weiß aber nicht woher. Sie weiß es nicht, ist in ihrer Angst auch nicht in der Lage, darüber nachzudenken. „Schööööööön, dass du da bist“, haucht er ihr ins Gesicht und stößt sie hart bei Seite. So dass sie auf den großen Holztisch stolpert, der hinter ihr steht. Sie erstarrt in dieser Position, am Tisch gelehnt. Während er zu Laura geht, seinen Blick aber nach wie vor auf Caroline gerichtet. Laura zittert vor Angst und quietscht unter ihren Knebel um Hilfe, als er sich ihr nähert. Angstverzerrtes Gesicht, als er ihr mit seiner großen, groben Hand in den Ausschnitt fährt und fest ihre Brust quetscht. „Nein“, kreischt Caroline. „Nein, lass sie!“ Sie möchte aufspringen. Sie möchte ihn von ihr wegreißen. Ihr, ihrer geliebten Laura, helfen. Aber sie kommt aus ihrer Position nicht hoch. Wie versteinert steht sie mit dem Hintern am großen Holztisch gelehnt. Das Bild verzerrt sich, als der Vollbärtige sich vor Laura kniet. Deren Beine auseinander spreizt und sein Gesicht in ihren Schoß schiebt. Er schmatzt, als er sie mit der Zunge zwischen den Beinen berührt. Sie zittert. Sie schließt die Augen. Es laufen Tränen ihre Wangen hinunter. „Hör auf, hör auf!“ schreit Caroline hysterisch. „Lass sie, du Schwein.“ Da hält er inne und schaut zu ihr auf. Sein fieses Grinsen im Gesicht. „So, ich soll aufhören?“ fragt er, seine Stimme betont lang gezogen. „Dann fick ich dich jetzt!“ Caroline verspürt ein heftiges Ziehen in der Magengegend. „Du kannst es dir aussuchen – sie oder du?!“ Er lacht. Ein schallendes Lachen, dass in ihrem Gehör endlos nachhallt.
Er wendet sich von Laura ab, die inzwischen so hastig atmet, als habe sie einen Asthmaanfall. Er kommt langsamen Schrittes auf Caroline zu. Grob packt er sie, drückt ihren Oberkörper auf den Holztisch. Die Beine hat er mit zwei gezielten Griffen über seine Schultern gelegt. Er grapscht nach ihren Brüsten. Es tut furchtbar weh. Während sie den Schmerz spürt, sich wehren möchte, aber wie versteinert daliegt, zieht er ein Messer. Auf dessen großen, scharfen, Chromklinge das Licht der Glühbirne spiegelt. Er schneitet ihr den Schritt ihrer Hose auf. Ratsch. Ein zweiter Schnitt, damit durchtrennt er ihren Slip. Schon hat er seine Hose hinunter gezogen. Ein beißender, herber Geruch steigt in die Nase. Dann spürt sie ihn. Zwischen den Beinen. Erst seine Finger. Dann dringt in sie ein. Er stöhnt. Er röschelt. Jeder Stoß rüttelt ihren kompletten Körper. Es tut weh. Es brennt. Er sabbert aus Gier und der Speichel tropft auf ihren Oberkörper. Sie schaut an die Decke. Eine dunkle Betondecke, übersät mit Spinnenweben. Sie schließt die Augen. Und hört ihn umso deutlicher. Sein Stöhnen. Sein Schnaufen. Das Sabbern. Bis er in ihr kommt.
Dann liegt sie da. Allein. Verlassen. Unter dem schweigenden Blick der gefesselten Laura, und weint. Zusammengerollt, wie ein Embryo im Bauch seiner Mutter. Sie weint und weint und weint und weint. Bis sie irgendwann es schafft sich zu erheben. Sie löst die Fesseln ihrer Geliebten und nimmt ihr den Knebel ab. Ihre Tränen sind getrocknet. Ihr Gesicht ist versteinert. Laura erhebt sich langsam. Und sagt nur eins: „Alles deine Schuld!“ Sie läuft durch die geöffnete Panzertür, verschwindet und lässt Caroline mit diesem Vorwurf allein.

Caroline erwacht. Nass geschwitzt. Der Traum war so realistisch, so schmerzhaft realistisch, dass sie nun nicht anders kann, als zu weinen. Sie fühlt die Angst, die Panik, den Schmerz und den Scham. Und viel später noch, als sie in der Küche steht und ihren Kindern das Frühstück bereitet. Auch in dem Moment, in dem sie ihren Mann verabschiedet, der zu seiner Arbeit fährt. Auch später noch, als sie längst im Laden stand, in dem sie ein paar Stunden am Tag tätig ist.
Noch immer ist ihr ganz schlecht, ist aufgewühlt und in sich versunken zugleich.


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