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19. Juli 2010, 19:44 Uhr, golem

Profane Dinge

Sie fragen sich sicher, was es mit diesem Apfel in meiner Hand auf sich hat. Nun, ich kann mich noch gut erinnern, ich war gerade 10 oder 11 Jahre alt. Eine malerische Sommerlandschaft: Hummeln summten in den Kornblumen, Grillen zirpten. Ein Windhauch trieb Schabernack mit den Blättern der Apfelbäume, unter denen ich schlief. Doch dann durchbrach eine schrille Stimme diese Idylle.
„Wo steckt der faule Bastard?“
Krachend flog die Gartentüre auf und noch ehe ich mich versah, spürte ich starken Druck auf meinem rechten Ohre. „Schlafen, nur dazu bist du zu gebrauchen.“
Ich versuchte mich zu befreien, aber der Drache drückte nur stärker zu. „Aua Mutter, bitte nicht!“
„Dein Vater, Gott habe ihn selig, würde sich im Grabe umdrehen bei soviel Faulheit. Los, hol die Leiter und fang an zu pflücken!“
„Was soll ich denn pflücken?“
„Die Äpfel, Dummkopf. Muss ich denn alles selber machen? Los jetzt!“
Ich holte die Leiter vom Schuppen und stellte beruhigt fest, das meine Mutter gegangen war.
Sollte etwa ein blöder Farmer aus mir werden?
Ich lehnte die Leiter an den Baum, als mich plötzlich etwas auf dem Kopf traf. „Au! Was habe ich jetzt wieder nicht getan?“
Ich sah mich um, doch da war niemand. Nur ein Apfel lag im Gras. Plumps! Wieder stürzte einer zu Boden. Ich nahm ihn und setzte mich neben den Stamm des Baumes. Locker warf ich den Apfel in die Luft und fing ihn wieder auf.

Ich fragte mich, warum der Apfel zu Boden stürzte? Die Erde, genauer gesagt ihr Zentrum, zog den Apfel irgendwie an. Wahrscheinlich besteht eine natürliche Kraft zwischen den Körpern und zwar abhängig von der Masse und der Entfernung zwischen ihnen. Je größer und je näher diese Körper sind, umso stärker ist ihre Anziehungskraft... prompt schlief ich wieder ein.
Ein Himmel voller fliegender Äpfel, wohlich duftend. Apfelkuchen und Kompott, Zimt dazu. Doch etwas stimmte nicht. Ich griff nach den Leckereien und sie stürzten zu Boden, prasselten auf mich nieder.
„... du Taugenichts, Faulpelz und Haderlump, wirst Du wohl aufstehen!“ Wütend schlug sie auf mich ein.
„Ja Mutter! Aua, ich wollte nicht...“
„Äpfel pflücken, sofort, alle 5 Bäume!“
Mühsam stand ich auf. „Wenn ich erstmal Wissenschaftler bin, werde ich nie wieder Äpfel pflücken müssen.“
„Du wirst auch nie einer werden, Isaac Newton und jetzt an die Arbeit.“
Tatsächlich überwachte sie mich die ganze Zeit und Abendbrot gab es auch keines. Also biss ich heimlich in einen Apfel und ließ seinen Saft an mir runter tropfen. Aber Farmer würde ich niemals werden.
Die Moral? Manchmal ist ein Apfel nur ein Apfel. Manchmal der Auslöser für große Ideen. Und genau wie damals laß ich mir den Apfel schmecken.


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