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WORTBEITRAG

11. Januar 2004, 14:27 Uhr, Andreas

Futur - Die Zukunft

Mit der Zukunft ist es doch eine äußerst zwiespältige Sache.

Man behauptet, in der Zukunft lesen zu können, vor allem besondern gern in der Werbung. Aber schon morgen ist die Zukunft von heute längst Vergangenheit. Jeder, der Ersatzteile für vor zwei Jahren gekaufte Geräte haben will, kann davon ein Lied singen.

Und dann heißt es doch immer wieder, die Zukunft gehöre doch den Kindern bzw. der Jugend. Irgendwie hat man dann aber bei den Entscheidungsträgern den Eindruck, dass sie - trotz fortgeschrittenen Alters - sich selbst noch zur Jugend zählen.
Man erinnert sich als geborener DDR_Bürger angesichts solcher Tatsachen dann an jene Zeiten, als das Parteikommittee der SED - Durchschnittsalter um die 70 - immer wieder das Lied anstimmte: 'Wir sind die junge Garde...'

Wenn also die Zukunft schon so sehr missbraucht wird, muss es da noch verwundern, dass sie auch sprachlich stiefmütterlichst behandelt wird?

Im Französischen etwa existiert neben dem 'Future compossé', das im Aufbau unserem deutschen Futur ähnelt, noch das 'Future simple' das ohne Hilfsverben auskommt.
Auch im Russischen existieren zwei Möglichkeiten, das Futur auszudrücken. Hier hängt es vor allem davon ab, ob man allgemein das Zukünftige einer Handlung betonen will oder speziell noch die Vollendung derselben.

Im Deutschen dagegen müssen wir auf das Hilfsverb 'werden' zurückgreifen, um Zukünftiges auszudrücken. Oft sind wir aber auch dazu zu faul und begnügen uns mit Worten, die das Kommende im Kern tragen, das Tätigkeitswort verbleibt aber in der Gegenwart.
Und genauso - nur noch viel schlampiger mit der grammatikalischen Korrektheit - machen es in der Hinsicht die Ungarn.

Stellt sich die Frage, ob man aus diesen sprachlichen Eigenheiten Rückschlüsse auf den Charakter eines Volkes in Bezug auf seine Zukunftsvisionen ziehen kann. :-)


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