25. Januar 2004, 13:46 Uhr, HannesKotzkeule»Was«, denke ich, »würde ein Anderer denken, jemand, der weniger weiß als ich und gleichzeitig mehr?« Dann kotze ich erst einmal.
Alles weiß. Die Fugen sind grau. Meine Kotze ist schon weggespült, dahin, wo die Fische wohnen.
Ich versuche, aufzustehen. Ich rutsche aus, bekomme den Schließmechanismus der Toilettentür zu fassen, der klemmt.
Ich habe sowieso keine Lust, nach draußen zu gehen.
Mit Felix fing es an. Felix dachte, mit mir sei es einfach. Das dachte er, ohne mich zu kennen. Er wollte mich treffen. Ich sollte einen Vorschlag machen, wo. »Egal«, sagte ich, »solange man die Protzkeule nicht im Blickfeld hat.«
Felix war schlau. Wir trafen uns oben, im Protzkeulen-Café. Seine Augen erinnerten mich an etwas, schwer zu sagen... Er wirkte abwesend. Es war doch unser erstes Treffen.
Er erklärte mir genau, was zu tun war. Wie ich meinen Teil zur Rettung der Welt beitragen konnte. Das sagte er durch seine durch Kaffee und Nikotin verfärbten Zähne.
Die Tulpen blähen sich noch einmal, schreien lautlos aus ihren ausgefransten Mäulern, um endlich erschöpft die Köpfe zu senken. Ich denke nach. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.
»Kennst du einen guten Club hier in der Nähe?« fragte mich einer. Sein Goldkettchen funkelte im Gaslaternenlicht. »Hier?« fragte ich zurück, rhetorisch. »Ja«, sagte er überflüssigerweise. »Nein.«
»Willst du was zu rauchen? Oder ein E?« – »Nein.«
Trotzdem blieb ich stehen. Mit jeder U-Bahn kam ein Orkan aus dem Schacht. Jedesmal strich er sich die Haare wieder von der Stirn.
Als ich mich zum dritten Mal mit Felix traf, zitterte ich. Ich hatte nichts gegessen, abgesehen von drei Kopfschmerztabletten. Der Kaffee, den ich im ICE der fliegenden Kaffeeverkäuferin abgekauft hatte, war zu stark gewesen.
Felix lächelte mich an. Die riesige Ankunft-/Abfahrt-Tafel über seinem Kopf ließ ihn mickrig erscheinen. Ein Bild, dass die ganze Zeit latent in meinem Hirn vorhanden war, materialisierte sich in diesem Augenblick: Ich hatte mir Felix eingefangen wie eine Grippe.
Dieser Laden ist kein Laden, das ist mein Zuhause. Die Tulpen stehen auf meinem Tisch. In einer Ecke sitzt Felix und starrt in das Dunkel.
»Das kann nicht sein«, murmelt er. »Das kann nicht sein, dass das geklappt hat.«
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