23. März 2004, 11:59 Uhr, HannesBahnsteigengel (Jungenkritik #10)Einmal war ich allein auf einem Bahnsteig. Dachte ich. Bei genauerem Hinsehen (damit vertrieb ich mir die Zeit, denn ich wartete) saß da noch jemand. Auf dem Bahnsteig, auf dem Boden, zusammengekauert.
Ich schaute genauer hin. Ein buntes Bündel Winterklamotten. Im Frühling. Schal und Mütze. In einiger Entfernung setzte ich mich ihm gegenüber auf eine Bank.
Er blickte kurz, wie zufällig, nach oben. Da sah ich seine Augen. Ich sah sein Haar, das aus der Mütze schaute, störrisch, golden. Erst dachte ich, na klar, das ist doch der und der, den kenne ich. Dann stockte ich. Es umflorte ihn ein eigenartiges Leuchten.
Man hat Untersuchungen durchgeführt, die ergaben, dass Medien, die aus sich heraus leuchten, wie beispielsweise Fernseher, Menschen direkter berühren, als Medien, die mit Projektion arbeiten.
Wie er so leuchtete und so dasaß und so bunt war, wurde mir schlecht. Ich übergab mich auf die Gleise. Als ich mich umdrehte, war er weg.
Außerdem fuhr auch schon mein Zug ein.
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