21. August 2003, 22:45 Uhr, makreleEin See für Basel!Aha. Nach Zürich und der Romandie hat nun auch das Dreieck Basel-Strassburg-Freiburg den Christopher Street Day für sich entdeckt. Schwule und Lesben fordern ihr verdientes Recht ein, gleich zu sein wie alle – abgesehen vom Rumfummeln an gleichwertigen Genitalien, natürlich. Obacht, höre ich Mutter sagen. Sex, darüber wollen wir hier nun mal nicht sprechen. Nicht bei der ersten Kolumne. Muss ja noch Steigerungspotenzial drinliegen. Deshalb lassen wir das Poppen beiseite, die homoerotische Komponente auch. Reden wir lieber mal übers Wetter. Ist Ihnen auch aufgefallen, dass Basel bei den nationalen Hitzerekorden immer ganz vorne mitmischt? In der nördlichsten Schweizer Stadt klettert das Thermometer oft über 30 Grad, Vergleiche mit mediterranen Orten wie Locarno sind angebracht.
Meine Freude darüber ist so getrübt wie der Blick nach 17 Tuben Terpentin. In Locarno lässt sich die Erhitzung des Körpers gelassen ertragen, denn der Ort der Abkühlung ist ebenso prächtig wie das Klima: Der Lago Maggiore lockt zum Schwumm. Zürich, Genf, Luzern – sie alle haben einen See vor der Haustür. Diese Aussicht bleibt uns in Basel vorenthalten.
Hier schiebt sich stattdessen der Rhein als dunkle Brühe zwischen den Stadthälften hindurch. Das ist kein sexy Bade-Brand, wie Werber sagen würden. Sie haben Recht. Einen gemütlichen Plantsch-Menschen wie mich reisst da weniger die Euphorie als die Strömung mit. Oder um es pathetisch auszudrücken: Die reissenden Wassermassen führen uns die schnelllebige Zeit vor Augen, wohingegen sich uns mit einem See neue Horizonte und Perspektiven eröffnen würden. Züri hat den Film am See. Uns bleibt gerade mal das Kino am Pool. Es ist frustrierend. Das stille Gewässer schafft Kontakte zu Mitmenschen, animiert zum Genuss der Leichtigkeit des Seins, zur Muse, sei es in der 17-Meter-Yacht oder am steinigen Strand. Selbst dem einzigen Nachteil, den ein See mit sich bringt, liesse sich etwas abgewinnen: Endlich dürften wir uns ganz legal benebeln lassen. Aus all diesen Gründen steht mein Beschluss fest:
Ich fordere einen See für Basel!
Winterthur hats vorgemacht. Vor Jahren wurde mittels einer Volksinitiative ein See gefordert. Zwar erwärmten sich nur ein Viertel der Bevölkerung für die Idee, aber was heisst das schon? Winterthur erhebt lediglich Anspruch darauf, eine Kleinkunst- und nicht eine Kulturstadt zu sein. Deshalb ist Basel verpflichtet, meine just lancierte Petition gutzuheissen. Da es mir nicht darum geht warme Luft, sondern kühles Nass zu verbreiten, hier also mein konkreter Vorschlag: Der See wird temporär eingesetzt. Zum Beispiel auf einer der Baustellen rund um den Bahnhof SBB. Man würde die Löcher, die gerade nicht beackert werden, mit Wasser füllen - et voilá, die neue Touristen-Attraktion. Netter Nebeneffekt: Der Baggersee lenkt die Blicke der Touris von der städtischen Baustellenflut ab. Vielleicht wären gar mehrere Seen die ultimative Lösung? Stellen sie sich die Plakate vor: «Basel - diese Stadt müssen Sie geSeen haben.» Okay, der Slogan ist billig. Aber billig ist für die Werber gerade gut genug. Und mit einer solchen Kampagne im Rücken liesse sich der Region Biel gar die Expo wegschnappen! Wie? Die war schon? Das kann ja jeder behaupten. Darum helfen Sie mit. Sammeln Sie Wasser und Unterschriften. Jetzt. Besten Dank.
dwslgyxv pfsenqov | 29. Dezember 2006, 14:29 Uhr | dwslgyxv pfsenqov
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