WWW.WORTBEITRAG.NET  :  KOMMENTARE
WORTBEITRAG
Impressum
Hauptseite
---
Login
---
Dezember
Juli
Februar
Dezember
Februar
Januar
November
Oktober
Juni
März
Februar
Dezember
September
August
Juli
Juni
Mai
April
März
Februar
Januar
Dezember
November
Oktober
September
August
Juli
Juni
Mai
April
März
Februar
Januar
Dezember
November
Oktober
September
August
Juli
Juni
Mai
April
März
Februar
Januar
Dezember
November
Oktober
September
August
Juli
Juni
Mai
April
März
Februar
Januar
Dezember
November
Oktober
September
August
---
WORTBEITRAG

19. Mai 2004, 08:53 Uhr, Johannes

Ablesebüro

Zugegeben, ich hatte etwas ein schlechtes Gewissen, als ich seine leidende, nur noch knapp von sich überzeugte Stimme von meinem Beantworter abspielte. Mir war sofort klar: Der Mann muss leer sein wie der Name des Amts, für das er arbeitet. Ablesebüro.
»Guten Tag Herr S, hier ist U vom Ablesebüro,« sagte er, dann kurze Pause, in der er sich vergewisserte, ob er nicht doch in der Liste um einen Namen nach unten verrutscht sei. »Wir müssen das so tun«, fuhr er dann fort, und in diesem müssen lag dieses Leiden, weniger in der Wortwahl wegen, als dem Laut, der sowohl etwas duckendes wie forcierendes hatte, oder so ähnlich, jedenfalls begann er das Wort stehend und beendete es in kauernder Stellung, dazwischen lag er zwei Mal.
»Die Rechnung, die Sie bekommen haben, ist eine Einschätzung aufgrund ihres letztjährigen Verbrauchs«, erklärte er mir, »wir müssen das... «, und da war es wieder, dieses müssen, doch jetzt mit etwas mehr Schwung, überzeugter, williger, diese Aufgabe durchzustehen, »...wir müssen das so tun, wenn wir die zugestellten Ablesekarten nicht ausgefüllt zurückgeschickt bekommen.«
Ich wollte einwenden, dass er vom Ablesebüro sei und nicht vom Ablesekartenzustellbüro, doch einwenden, das nützt nichts bei aufgezeichnetem Text. Darum fährt er unbeirrt fort: »Wenn Sie Fragen haben... «, und er schien sich gänzlich erholt zu haben, für einmal im Falle von Fragen Partner des Anspruchs sein zu können, erfüllte ihn hörbar mit Stolz, »Wenn Sie Fragen haben, wählen Sie bitte die dreiundzwanzig, unter der Sie mich erreichen oder die fünfzehn, wo Herr F für Sie da sein wird. Schönen Tag!«
Wie gesagt, ich hatte ein schlechtes Gewissen. Gerne hätte ich ihm und vor allem mir diesen Anruf erspart. Mir war der Sachverhalt klar und ich hatte Verständnis. Mir missfällt einzig der Ton in den Schreiben dieser Ämter und die Ämter an und für sich, darum schrieb ich damals diesen Brief an dieses Ablesebüro und teilte darin mit, dass:
»Guten Tag, ich bin erstaunt über den Ton, den Sie in ihrem Schreiben vom Elften wählten und darüber, dass es Ihnen offenbar nicht gelungen ist, mit mir oder meinem Hauswart einen Termin zu vereinbaren. Ihr Schreiben hat den Charakter einer Betreibung; einmal per Schnellpost und einmal eingeschrieben. Und dieses Einschreiben nötigt mich nun wieder, zur Öffnungszeit an einem dieser Schalter zu stehen, was mir ein Gräuel ist, was Sie nicht verstehen, Sie sind Beamter und auch dieses Schreiben, ich weiss, Sie müssen das so tun. Trotzdem: Bitte schicken Sie mir zukünftig Ihre Rechnungen mit gewöhnlicher Post und am liebsten kommentarlos, ich zahle meinen Strom gerne und wenn es immer geht auch pünktlich. Mit freundlichen Grüssen, Herr S«.


Kommentar schreiben:




! Bitte alle Felder ausfüllen. HTML wird nicht interpretiert.

Abschicken

zurück

Dezember | Juli | Februar | Dezember | Februar | Januar | November | Oktober | Juni | März | Februar | Dezember | September | August | Juli | Juni | Mai | April | März | Februar | Januar | Dezember | November | Oktober | September | August | Juli | Juni | Mai | April | März | Februar | Januar | Dezember | November | Oktober | September | August | Juli | Juni | Mai | April | März | Februar | Januar | Dezember | November | Oktober | September | August | Juli | Juni | Mai | April | März | Februar | Januar | Dezember | November | Oktober | September | August |
1926 Wortbeiträge in 234 Wortstationen | RSS-Feed | Kredits | Hosted by NETZONE | © 2003 - 2004 by NETZLABOR