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WORTBEITRAG

23. Mai 2004, 19:29 Uhr, Johannes

Seit ich denken kann

»Wieso fragst du mich das, wenn ich fragen darf«, fragt er und wie ich nicht gleich darauf zu antworten weiss, wendet er sich ab von mir, schaut über die Böschung auf das Wasser hinunter und summt leise irgend ein Lied, das mit bekannt vorkommt, woher weiss ich nicht.
Ich zweifle an der Berechtigung meiner Frage, an der Berechtigung des Gefühls, das mich fragen liess. Ist es nicht so, dass wir von dem, was wir öfters tun, denken, es sei, was wir gerne tun? Und ist es dabei nicht die Gewohnheit, die aus Gemochtem Geliebtes macht, um uns das ewig gleiche Tun zu begründen? Und ist es nicht so, dass wir keinen Namen haben, für dieses Eine, Kleine, Unbequeme, das trotz mögen und lieben und Liebe und geliebt werden uns immer wieder und meist dann heimsuchst, wenn wir uns derart davor in Sicherheit wähnen, dass wir es vergessen haben?
Ist unter diesem Umstand, so frage ich mich, die Frage, ob er mich noch genau so liebe wie an diesem Tag im Frühling, als wir uns kennen lernten - ist das Bedürfnis nach einer Bestätigung - berechtigt?
Er hält inne mit summen, just an der Stelle, an der ich auch nicht weiter gewusst hätte, schaut mich an und sagt: »Nein, so wie damals liebe ich dich nicht mehr und ich bin froh darüber. Ich liebe dich heute anders, eher wie einen Teil von mir. Die Liebe zu dir ist tiefer geworden.«
Er nimmt mich in den Arm, drückt mich und flüstert dann: »Dass ich es dir immer wieder sagen muss, mein Lieber, woran liegt das bloss?«
Ich weiss es nicht, wirklich. Ich weiss nicht, warum ich stetig zweifle an mir, an ihm, an uns, am um uns. Das war schon vor ihm so - seit ich denken kann.


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