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30. November 2003, 23:29 Uhr, meg

Almosen

Schon als sie die Filiale betreten hatte, war ihr der Mann mit dem Akkordeon aufgefallen, der neben den Einkaufswagen auf seinem kleinen Schemmel sass. Zerzaust, schmutzig, alles in allem unappetilich mit seiner alten lila Windjacke und den ausgefransten Handschuhen und immer wieder unermüdlich die selben Melodien spielend. Als sie dann drei Dosen Katzenfutter und fünfzig Treuepunkte später wieder aus dem überheizten Geschäft kam, fiel ihr beim Verstauen des Kleingelds eine Münze auf, die sie soeben an der Kasse erhalten hatte. Das Geldstück war oxidiert. Es war hässlich. Es verletzte ihr Empfinden für Schönheit und Reinheit, wie es da inmitten der vielen, silbern glänzenden Münzen lag und mit seinem dunklen Schatten den Glanz der anderen schmälerte. Abstossend. Unappetitlich. Schnell nahm sie die Münze aus der Lederbörse, hielt sie angewidert zwischen zwei Fingern fest. Sie überlegte kurz und warf sie dann in den Hut, der vor dem Akkordeonspieler lag. Der Alte dankte ihr höflich und lächelte. Er hatte nur noch einen einzigen Zahn, der seltsam abstand. Sie ging schnell weiter. Ihre Katzen waren bestimmt schon hungrig.

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Aus der Wortstation: http://meg.wortbeitrag.net

21. November 2003, 15:58 Uhr, basemen

Innerste Gedanken zu Beginn

Marginales Dasein ist von Frage
tiefes Bewusstsein erwacht
notwendiges wird überflüssig

Intrigen überfluten die Welt

losgelöst von der Realität
verliert das Luftschloss seine Existenz

'young ans smooth' wird zum Lebensbild

formalitäten zerfallen im Nirvana
eventualitäten übernehmen Ueberhand
ergebnisse rücken in weite Ferne

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Aus der Wortstation: http://basemen.wortbeitrag.net

17. November 2003, 16:28 Uhr, meg

Militärsache

Vor ein paar hundert Jahren gab es einen kauzigen Schlag von Bergbauern, die mittels Mord und Totschlag, Brandstiftung und anderer terroristischer Akte ihren eigenen Kleinstaat aus dem Alpengranit stampften. Mit Dreschflegeln, Mistgabeln und ähnlichem Kriegsgerät, fochten sie gegen die Besitzansprüche des habsburgischen Landvogts und als es diesem schliesslich zu bunt wurde, überliess er dem helebardenschwingenden Mob die Auen und Matten und wandte sich profitableren Geschäften zu.
Von diesem scheinbaren Sieg von David über Goliath angestachelt, begannen die alpinen Milizionäre ganz im Sinne einer heldenhaften 'Befreiung vom kaiserlichen Joch' damit, da und dort kleine Landstriche von den adligen Herren jener Zeit zu stibitzen. Sie eigneten sich die befreiten Gebiete an und gliederten sie in ihren Bund ein. Als dieses Vorgehen aber mit der Zeit auf immer stärkeren Widerstand stiess, gab man sich mit der eroberten Kalkmolasse zufrieden und stellte die Kampfkraft der jungen Milizionäre von nun an vorderhand in fremder Herren Dienste. Was von den Erobererzeiten blieb war einzig der selbstherrliche Wahn von Macht und Wichtigkeit, an dem dieses Volk bis heute leidet.
Die Zeit verging, Könige fielen, das Dreschen mit Hieb- und Stichwaffen kam aus der Mode. Schusswaffen eroberten den Markt. Sogar die Genossenschafter des alpinen Kleinstaates, zwar alles in allem kauzig und eigen geblieben, gingen mit dem Puls der Zeit und stellten die Söldnerdienste weitestgehend ein. Allein zur Dekoration des Vatikans begaben sich noch hie und da ein paar besonders kauzige Exemplare ihrer Gattung in Söldnerverträge. Die übrigen diensttauglichen Milizionäre verweilten in der Heimat, um diese im Falle eines Falles bis zum Blut zu verteidigen.
Allerdings ist dieser Ernstfall bis heute nie eingetreten und wird vermutlich auch nie eintreten, denn in Zeiten grosser Not und Unruhe, waren die Genossenschafter stets clever genug, Moral und Ethik zu vergessen und im rechten Moment selbst mit dem Teufel zu packtieren, wenn sich daraus ein Vorteil ergab. Leider waren sie aber dennoch zu stolz, dies hinterher auch zuzugeben.
So warten sie bis heute zuhause in den warmen Stuben, das Gewehr griffbereit, auf dass irgendwoher ein Feind auftaucht, den es nicht gibt und während sie warten, erzählen sie sich Geschichten von vergangenen Heldentaten, die so nie geschehen sind.

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Aus der Wortstation: http://meg.wortbeitrag.net

17. November 2003, 11:02 Uhr, Johannes

Über mir ein Ich

Einmal habe ich dich um einen Gefallen gebeten und seither verfolgst du mich auf Schritt und Tritt, wirfst mir Steine nach und lachst laut, schallend, wenn ich falle und verzweifelt nach Halt suche. Wo ich gehe, gehst du mit mir, lächelst mich von der Seite an, dann auch von vorne, fordernd, überheblich; lauerst geduldig auf den Moment, in dem ich schwach werde, mich flehend an dich wende, doch der kommt nicht, nein, der kommt nicht, nie mehr.
Ich mag deine Art nicht, nicht wie du gehst, dich bewegst. Dein ganzes Wesen ist gespielt und dass du nicht merkst wie schlecht du darin bist, ist nur ein Beispiel für deine Ignoranz dir selbst gegenüber. Ich weiss, dass im Grunde du der bist, der mich braucht, mich vergöttert und von mir haben will. Dass ich nicht ohne dich könnte, ist dein verdammter Wahn.
Du hast mir damals gelernt, mich selbst zu sein und ich war mir der Sache sicher. Du hast mich über Leichen gehen lassen und mir die Idee in den Kopf gesetzt, dass Zurückblicken sinnlos sei. Du hast mir den Weg gewiesen, heraus aus dieser Scheisse, in der ich heute wieder sitze und ja, ich weiss, du würdest es wieder tun. Darum bist du hier, neben mir und wartest.

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Aus der Wortstation: http://johannes.wortbeitrag.net

12. November 2003, 22:24 Uhr, sturmtaucher

Sleepless in Lausen

Ich hab Dich nie gekannt, doch fehlst Du mir.
Gefühle wie zerborstenes Glas.
Fahl und nichtsaussagend.
Und doch können sie mich verletzen.
Wer bist Du?
Enthülle was Dich ausmacht.
Gebe Dich meinem Ego zu erkennen.
Ich weiss das Du der Winter bist,
der das hat was der Sommer nicht besitzt.
Die Herbstwärme , die mehr ist als der Menschen Frühling.
Doch aus mir machst Du ein eitler Fremder,
nur noch ein Schatten meiner selbst.
Ein Tagedieb in der Nacht.
Sleepless in Lausen

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Aus der Wortstation: http://sturmtaucher.wortbeitrag.net

12. November 2003, 18:31 Uhr, Johannes

Leeloo

Neben dir gehe ich lass die Zeit hinter mir neigt sich die Gegenwart wird Vergangenheit, schneller als sonst. In deine Augen sinke ich verweile den Rest meines Lebens darin vergessen die Zeit bleibt stehen, beständiger als sonst.

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Aus der Wortstation: http://johannes.wortbeitrag.net

06. November 2003, 19:25 Uhr, sturmtaucher

Schwimmer

Im hier und jetzt
Eingetaucht ohne Beschränkung.
Atmend, vibrierend.
Geprellt vom Gestern
Beängstigt vom Morgen.
Fliesse ich durch den Moment.
Um auf die nächste Welle zu warten,
die mich mitnimmt, wo morgen nicht ist.

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Aus der Wortstation: http://sturmtaucher.wortbeitrag.net

05. November 2003, 12:00 Uhr, mouton

Vom Gutmenschen

Der Gutmensch ist nicht gut. Das einzige, was den Gutmenschen von anderen
Menschen unterscheidet ist der kindliche Glaube an das Gute mit dem Wissen um das
Kellerloch.

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Aus der Wortstation: http://mouton.wortbeitrag.net

05. November 2003, 00:14 Uhr, sturmtaucher

Herbstzeitalter

Unerkannt. Nebelwand.
Mein Gesicht der Zukunft hin abgewandt.
Möchte ich zu meinen Vätern gen.
So stell ich’s mir vor so wär es schön.
Den Herbst gestreift, matt und Eis.
Blätter in allen Farben, verfallen dem Tod.
Und ich, ich werd kälter, abgebrüht, älter.
Unaufhaltsames reduzieren aufs wesentliche.
Und zurück bleibt Asche die im Regen verwischt.

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Aus der Wortstation: http://sturmtaucher.wortbeitrag.net

03. November 2003, 22:14 Uhr, rolph

die traum-wach membran

jetzt endlich ist es ruhig. zumindest besteht eine gewisse stille, die nur von einigen wenigen flüstertönen gebrochen wird. georg reckt sich. seine glieder fühlen sich steif an, verknöchert. so kommt es ihm vor. als würde der schlaf das knochenwachstum beschleunigen; nach und nach weichteile verhärten.
dieser gedanke schien ihm denkenswert. kaum etwas, das ihm nicht denkenswert erschien.
Er reisst sich los von diesen gedanken über gedanken. er verfängt und verheddert sich regelmässig darin. und, erst mal drin, kaum fähig wieder rauszukommen. obwohl, dieser gedanke behagt. er würde nichts dafür können, hätte nichts dagegen tun können. diese situation würde resignation erfordern.
ach. -aufstehen.

sonne rein.

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Aus der Wortstation: http://rolph.wortbeitrag.net

03. November 2003, 21:13 Uhr, arjuna

manchmal

manchmal
bin ich
ein gedanke,
manchmal
ein blosses wort
manchmal
bin ich ein traum
und manchmal
der raum,
der mich umschliesst.
manchmal
ein gefühl,
manchmal
ein ganzer mensch,
gross und stark.
manchmal bin ich klein
und manchmal
ein luftzug nur.
manchmal
bin ich ein kind
dann wieder
ein greis.
manchmal
bin ich erhaben
manchmal
falle ich,
bodenlos.
aber manchmal,
manchmal
liebe ich
überschwänglich,
grenzenlos...

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Aus der Wortstation: http://arjuna.wortbeitrag.net

03. November 2003, 12:40 Uhr, mouton

Das Kleine

Manchmal wünsche ich mir meine kleine Wohnung zurück. Einfachheit im Aussen für grosse Visionen im Innern fürs Aussen.

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Aus der Wortstation: http://mouton.wortbeitrag.net

01. November 2003, 17:59 Uhr, Johannes

Liebeszeit

Ich legte meine Hand zum Abschied auf die deine und mir war kurz, als ob ich deine Wärme spüren würde, doch das Glas der Scheibe zwischen uns war zu dick. So standen wir im Irgendwo und fern ab von etwas, was wir Heimat nennen konnten. Eine Träne rann dir über deine linke Wange und wie du deine Lippen tapfer aufeinander gepresst hattest, sah ich wieder den Lausbuben vor mir, mit dem ich damals durch die Maisfelder strich und dem Bauern Speiseöl auf den Traktorsitz goss. Du warst nie um eine Ausrede verlegen, meist einen Gedanken voraus und manche Welle der kollektiven Euphorie tangierte dich nicht ansatzweise. Du hattest schon als kleiner Junge meine tiefe Bewunderung und warst mein bester Freund.
Kein Ausdruck wäre meiner Dankbarkeit gerecht gekommen, so schwieg ich, du hättest mich eh nicht hören können. Dass aus dieser Freundschaft in den Jahren Liebe wurde, ist für mich ein Wunder, heute noch.
Ich musste lächeln, du auch, und der Kuss, der folgte durch die kalte Klarsicht zwischen uns, wäre zärtlicher gewesen denn je. Schon zum zweiten Mal galt die blecherne Durchsage dir und du gingst, rückwärts, langsam, bis dich der Menschenstrom Richtung Departure Gates mitriss, fort von mir.
Es trennte uns eine Wand aus Glas nur und ich war mir für diesen Augenblick sicher, dass es kein Spiegel war.

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Aus der Wortstation: http://johannes.wortbeitrag.net

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