26. Januar 2004, 18:05 Uhr, megDer KopfmenschEr ist ein Kopfmensch. Das heisst nicht, dass er keine Gefühle hätte, er versucht nur immer sie in logische Formen zu pressen, bis sie daran zerbrechen. Wenn er dann die Scherben in die Formen abfüllt, die Formen ins Hochregal stellt, sie mit einer Bezeichnung versieht und diese in der Kartei ablegt, kann er sich für einen Moment dem selbstherrlichen Wahn hingeben, er hätte alles unter Kontrolle.
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26. Januar 2004, 16:38 Uhr, megNächstenliebeDem Menschen ist es einerlei,
Ob auch der andre glücklich sei.
Als wär es ein Naturgesetz,
Hält strickt er sich (wenn's auch verletzt)
An die Idee, die da besagt,
Dass teilen heute zu gewagt.
Grad heute, da man das vermisst,
Was edel, gut und selig ist
Und jeder nur sich selber traut,
Nur neidisch zu den andern schaut,
Grad in diesen dunklen Tagen,
Wo Hinz und Kunz sich stets beklagen,
Da wär' es doch sehr wünschenswert,
Dass Hinz sich um den Kunz auch schert.
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25. Januar 2004, 13:46 Uhr, HannesKotzkeule»Was«, denke ich, »würde ein Anderer denken, jemand, der weniger weiß als ich und gleichzeitig mehr?« Dann kotze ich erst einmal.
Alles weiß. Die Fugen sind grau. Meine Kotze ist schon weggespült, dahin, wo die Fische wohnen.
Ich versuche, aufzustehen. Ich rutsche aus, bekomme den Schließmechanismus der Toilettentür zu fassen, der klemmt.
Ich habe sowieso keine Lust, nach draußen zu gehen.
Mit Felix fing es an. Felix dachte, mit mir sei es einfach. Das dachte er, ohne mich zu kennen. Er wollte mich treffen. Ich sollte einen Vorschlag machen, wo. »Egal«, sagte ich, »solange man die Protzkeule nicht im Blickfeld hat.«
Felix war schlau. Wir trafen uns oben, im Protzkeulen-Café. Seine Augen erinnerten mich an etwas, schwer zu sagen... Er wirkte abwesend. Es war doch unser erstes Treffen.
Er erklärte mir genau, was zu tun war. Wie ich meinen Teil zur Rettung der Welt beitragen konnte. Das sagte er durch seine durch Kaffee und Nikotin verfärbten Zähne.
Die Tulpen blähen sich noch einmal, schreien lautlos aus ihren ausgefransten Mäulern, um endlich erschöpft die Köpfe zu senken. Ich denke nach. Niemand hat die Absicht, eine Mauer zu errichten.
»Kennst du einen guten Club hier in der Nähe?« fragte mich einer. Sein Goldkettchen funkelte im Gaslaternenlicht. »Hier?« fragte ich zurück, rhetorisch. »Ja«, sagte er überflüssigerweise. »Nein.«
»Willst du was zu rauchen? Oder ein E?« – »Nein.«
Trotzdem blieb ich stehen. Mit jeder U-Bahn kam ein Orkan aus dem Schacht. Jedesmal strich er sich die Haare wieder von der Stirn.
Als ich mich zum dritten Mal mit Felix traf, zitterte ich. Ich hatte nichts gegessen, abgesehen von drei Kopfschmerztabletten. Der Kaffee, den ich im ICE der fliegenden Kaffeeverkäuferin abgekauft hatte, war zu stark gewesen.
Felix lächelte mich an. Die riesige Ankunft-/Abfahrt-Tafel über seinem Kopf ließ ihn mickrig erscheinen. Ein Bild, dass die ganze Zeit latent in meinem Hirn vorhanden war, materialisierte sich in diesem Augenblick: Ich hatte mir Felix eingefangen wie eine Grippe.
Dieser Laden ist kein Laden, das ist mein Zuhause. Die Tulpen stehen auf meinem Tisch. In einer Ecke sitzt Felix und starrt in das Dunkel.
»Das kann nicht sein«, murmelt er. »Das kann nicht sein, dass das geklappt hat.«
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24. Januar 2004, 14:40 Uhr, flyawayAbschiedVielleicht war es wirklich ein Funken Hoffnung in seinen Augen.
Vielleicht war es schon fast eine Drohung.
Vielleicht war es auch einfach ein Witz, reine Ironie.
Ein einfaches „Bis bald“.
Wo sie doch beide wissen, dass es kein „bald“ geben wird.
Aber was sagt man denn zum Abschied?
Was sagt man, wenn es im Grunde gar nichts mehr zu sagen gibt?
Es waren nicht seine Worte, die sie zusammenzucken liessen.
Er hätte ihr ebenso ein schönes Wochenende wünschen können.
Oder ein schönes Leben.
Irgendwas.
Aber dieser Blick.
Es war dieser Blick.
Mit einem Mal merkt sie, dass es doch schon immer so gewesen ist.
Dass er sie nie hat wissen lassen, wie er die Dinge meint, die er sagt.
Oder war sie einfach zu blind?
Zu taub?
Es ist das beste so.
„Machs gut“, sagt sie.
Wendet sich ab und geht.
Eine einsame Träne rollt über ihre Wange,
währenddem ihr zum ersten Mal klar wird, wieviel sie in all der Zeit voneinander verpasst haben.
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24. Januar 2004, 12:53 Uhr, rheinfrauIronieGesänge,in Stein gebrochen
im Wind zerstoben,
Runen im Sand,
das Feuer erloschen,
Asche fliegt weit
wie eine Wolke weggetragen.
Und Sand türmt sich auf,
alles unter sich begrabend,
und alles in der Nähe
der rettenden Oase.
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22. Januar 2004, 23:43 Uhr, Gingerhome again.on the bridge again. lights all arround me. the beating pulse of living in transitis flushing my desperate mindand reminds me of the only truth that will be left after all: there is no death, just an ironic nothing which we're all afraid of.
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22. Januar 2004, 01:28 Uhr, megDrückebergereiAls ich heute Nachmittag zum dritten Mal in Folge die Treppe hinunterkam und eine Runde im Wohnzimmer drehte, um danach in der Küche den Kühlschrank zu öffnen, hinein zu sehen und ihn gleich wieder zu schliessen, begann ich mich ernstlich zu fragen, was nicht stimmte. Wie der Tiger im Käfig schlich ich durch die ganze Wohnung und suchte ohne jeden Elan nach einem Ziel für meine Suche. Irgend etwas musst da sein, irgend etwas nur. Ich hatte es verloren oder vergessen. Irgend etwas wichtiges. Es waren nicht die hundert kleinen Dinge des Alltags, die anstanden, nicht der Probenplan, der noch geschrieben werden musste und auch nicht der Hausputz, der sich aufdrängte. Irgend etwas anders musste da noch sein. Wieder im Wohnzimmer öffnete ich alle Schränke, schaute aus dem Fenster, danach ging es wieder in die Küche. Wenn es noch so klein wäre, alles wäre mir recht, wenn ich es nur finden könnte. Eine Aufgabe eine Beschäftigung, alles, nur nicht das, was wirklich anstand.
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21. Januar 2004, 02:00 Uhr, megBer(n)muda-DreieckHeute ist es mir wieder einmal passiert. Ich fuhr durch die Stadt Bern, unseren allseits beliebten Bundeshauptsitz, und da habe ich sie plötzlich verloren, die Orientierung. Selbst- und zielsicher bog ich um eine Ecke und fand mich ganz wo anders, als ich mich meiner Meinung nach hätte befinden sollen. Je weiter ich fuhr, desto unheimlicher wurde der unfreiwillige Roadtrip und als ich eine Viertelstunde später die Umgebung wieder erkannte, die draussen an mir vorbeizog, war ich verwirrter denn je. Ich fuhr von der völlig falschen Seite her durch die Stadt. Irgendwie hatte sich meine Fahrtrichtung, ohne dass ich es gemerkt hätte, um hundertachtzig Grad geändert.
Wie das? Wurmlöcher im Bundeshauptsitz? Wurmlöcher die sich zu später Stunde wie von Geisterhand öffnen und ahnungslose Touristen narren? Wohl eher nicht. Schlaglöcher vielleicht, aber sicher keine Wurmlöcher. Die einzigen berner 'Wurmlöcher' dürften die der Holzwürmer in den Altstadtlauben sein. Dann vielleicht eine Art spontane Plattentektonik? Wir wissen ja, dass sich die Kontinentalplatten dauernd bewegen. Vielleicht gibt es genau in Bern Mikrofrakturen in der europäischen Platte, die nach Belieben einfach gewisse Stadtteile 'umstellen'. Was auch immer sich hinter dem Rätsel verbirgt, das Phänomen bleibt bestehen. Es hat sich schliesslich nicht zum ersten Mal ereignet.
Daher stelle ich den Antrag an die Unesco, das 'Weltkulturerbe Bern' mit einem Zusatz zu versehen, einem Prädikat 'besonders tückisch' vielleicht. Nachdem die Stadt schon unter Schutz vor den Passanten gestellt wurde, sollte man auch die Passanten vor der Stadt schützen. Das wäre nur fair.
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19. Januar 2004, 00:54 Uhr, socEinfachMan liest dieses Liebesgefasel und denkt sich, ob neben all den Blümchen, Flüsschen, Wellchen und Sternchen noch Fassungsvermögen vorhanden ist. Dann trifft man eines Abends dieses Individuum, mit dem man einfach nur redet und tatsächlich erscheint einem die Beleuchtung plötzlich etwas heller, die anderen Menschen um einen herum verlieren an Kontur, das Vergessenbier schmeckt plötzlich schal und jede Berührung lässt einen innerlich wohlig angenehm zusammenzucken. Dann geht man alleine heim. Man wartet auf ein Zeichen, auf ein Wiedersehen und es kommt eher als man denkt. Schlussendlich ist auch der zweite, der dritte und vierte Abend schön und man hofft, dass es für immer so bleiben wird. Die Zeit nimmt ihren Lauf, die Kontrolle geht verloren, es geschieht und was geschieht, passt. Während man auf den nächsten gemeinsamen Abend wartet, liest man dieses Liebesgefasel und denkt sich, ob neben all den Blümchen, Flüsschen, Wellchen und Sternchen noch Fassungsvermögen vorhanden ist. Dann geht man in aller Stille schlafen und liebt.
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15. Januar 2004, 16:17 Uhr, rolphdomes ist mir ein neues gefühl geboren worden, ich merke es erst jetzt. es liegt still und klein zwischen den alten grauen Riesen. die Riesen, aus denen alles besteht.
als ob ein neues Element in Welt eintritt, tief im Berg. das Leuchten, das Schimmern ist noch schwach - unbeirrbar. einer Goldader gleich. und es gibt Hoffnung, dieses Gefühl. es verändert alles, es bringt mich näher zu mir.
und obwohl nur so winzig, reicht es bis in den Himmel. ein Geschenk, ein Fenster. ein Beweis meiner Wandelbarkeit. die Gewissheit meiner Entwicklung.
und jetzt erinnere ich mich. dieser Stern konnte nur in mir zur Welt kommen, da ich ihm den Weg frei gemacht habe. die Gedanken sind Mauern aus grauen Riesen; kommen oft feingeschmückt daher, sind aber nichts anderes als graue alte Riesen.
ich habe sie zum Verschwinden gebracht, für eine kleine Sekunde. jetzt sind sie wieder da, aber tief im Berg lebt jetzt die Möglichkeit, ihn zum Schweigen zu bringen.
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13. Januar 2004, 10:16 Uhr, JohannesDienstagWie alles abfällt von mir plötzlich, blättert und fällt; wie von Wind und Sonne spröde geworden. Und wie frei es sich anfühlt, wie seidig sanft das neue Aussen. Wie herrlich duftend und rein, mein Sein, das Du, wir zwei und Dienstag.
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12. Januar 2004, 18:33 Uhr, rheinfrauNimm und gibNimm Dir die Zeit
der zärtlichen Gedanken,
halte sie für wichtig,
behüte sie
sie sind kostbar,
diese Momente.
Gib sie gleich weiter,
verschenke sie,
jemand ist glücklich und froh.
Sind Zärtlichkeiten
auch nur gedanklich,
schick sie in Fernen
sie kommen immer an.
Es ist ein Austausch,
der da stattfindet,
immer Glück spendend
wie ein guter Wunsch.
Alle Zärtlichkeiten
der Welt sende ich Dir.
Du spürst sie.
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12. Januar 2004, 13:42 Uhr, socGeburtMan möge mir verzeihen, doch juckt es mich erneut in den Fingern. Will ich doch meinem Leben nach einer langen Durststrecke wieder etwas qualitative Substanz verleihen. Draussen weint der Himmel und drinnen ödet mich die Existenz an. So ist das manchmal. Konzeptlos noch, haue ich in die Tasten, schlürfe dazu einen Kaffee, beobachte wie die Geschichtsschreibung vor mir und ohne mich stattfindet. Ein belangloser, erster Beitrag aus einer belanglosen, ersten Laune heraus. Belanglosigkeit wird auch nach der dritten Niederschrift nicht gemütlich. Sie bleibt haften wie ein alter vertrockneter Kaugummi den irgend ein belangloser Mensch an einem belanglosen Tag an einen daseinsberechtigten Stuhl geklebt hat. Der Stuhl ist vielleicht bequem. Menschen sind es niemals nicht. Belanglos.
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09. Januar 2004, 21:47 Uhr, Hannes...aufgewacht vor angst,
ein reißnagelfeuerwerk in der brust, versuche
ich, die kette vor die tür zu legen. zu kurz.
die tulpen schreien mich mit ausgefransten mäulern
lautlos an, denn du
bist nicht da.
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09. Januar 2004, 12:45 Uhr, arjunazerbrochene weltall die wünsche,
die wir uns schenkten...
all die träume,
die wir zusammen geträumt...
all die zeit
und all die wunder,
die uns verbanden...
diese einzigartigkeit
unserer welt...
all die blumen,
und ihr sommergeruch...
das feuchte gras
unter unseren füssen
im morgengrauen,
am ende
einer langen nacht
der liebe,
der freiheit
und poesie...
all die blicke
aus deinen augen,
diesen leuchtenden sternen...
der ton deiner stimme,
diese warmen, sanften melodien...
dein körper,
welch glanzvoller palast
deiner sinne,
deiner sensiblen seele!
gemietet auf zeit...
und ihr nun jäh entrissen,
auf ewigkeit...
unsere welt!
ohne warnung,
ohne halbwertszeit
und ohne alle vorahnung,
ohne grund und sinn
ist sie zerbrochen, zerfallen,
zur fiktion
und zur erinnerung mutiert...
erloschen, wie ein ferner strern...
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07. Januar 2004, 18:31 Uhr, SlavicaDer PlanetAus dem Raum hinaus, in den Raum hinein, aus dem hinaus und dann, in den Raum hinein, anschliessend links, später rechterhand der nächste Raum und da hinein und hinaus, zurück zum anderen, vielleicht dem ersten Raum, hinein und sitzen, sitzenbleiben, ausruhen. Draussen gibts Vögel, die fliegen und Wolken stehen am Himmel. Autos in zwei Richtungen, nach links und nach rechts, dazwischen der weisse Streifen. Das Fenster geht wieder zu, der Wind ist weg und das Zimmer, das Raum ist, bleibt da. Auf dem Boden ist es ruhig. Kein Nebel trübt den Blick zur Tür, die zu dir hinausführt und zu mir hinein.
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07. Januar 2004, 09:34 Uhr, moutonFreiheitAuf der Suche nach der Freiheit wähnte er sich schon fast am Ziel, als sich unbemerkt eine absolute Leere in sein Leben schlich.
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05. Januar 2004, 23:05 Uhr, HannesHalte sie gut festHalte sie gut fest, presse sie an dein Herz, damit ich umso zielsicherer zustechen kann. Tust du es aber nicht, schreie ich so laut wie du. Dann kommen die Nachbarn und du wirst erröten, sabbern wie damals. Sie werden schweigend im Halbkreis stehen, dessen Öffnung zum Fenster zeigt, Wind wird von der offenen Haustür durch den Fensterspalt pfeifen.
Liebst du sie? Dann küsse ihre fahle Stirn. Nimm ihre Hand und führe sie an dein Ohrläppchen. Wenn du aber deine Hand behalten willst, berühre ihren Bauch nicht. Wer erliegt dem Schicksal mehr, als das Schicksal selbst?
Kein Hund wird den stinkenden Haufen Elend fressen wollen. Er wird Haltung bewahren. In einer Zelle ihres linken Fußknöchels versteckt findest du Sehnsucht. Schneide sie ab und entgehe damit ihrer Bestimmung. Hemmungslosigkeit führt doch in kleinen Schritten zur Erlösung.
Mein Erlöser ist ein Unwägbarer.
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03. Januar 2004, 16:06 Uhr, kiwimusicSinneserwachenvorbei an der geschmacklosigkeit von natriumglutamat und
künstlichem himbeeraroma
(methylcinnamat! - wer hätte das gewusst...?)
wegen nikotin und kondensat bei 90 db
entgegen redbull-vodka und cola-hefe
weg von lasershow und neonlicht...
und zum trotz vor Chanel No. 5
wage ich es...
...das blau des himmels in mich aufzusaugen...
...im kopf wird es frei...
wage ich es
...nur das gras und den wind zu hören...
...eine sinfonie aus luft und grün...
wage ich es...
...bloß wasser die schmale öffnung meines gaumens passieren zu lassen
...schmeckt klar und kühl...
wage ich es...
...eine erbse, ohne alles, auf meiner zunge schmilzen zu lassen
...sie wird eine zuckerfee...
wage ich es...
...(beinahe) rohes fleisch in meinem mund zu zermahlen
...fast weckt es tierisches vergnügen...
wage ich es...
...das brot ... im lustanfall...zu küssen
...du riechst wie erde, holz, feuer...roggen...
...im spiegel sehe ich mehl an der nase...
der lange weg der rezeptoren...
zurück zum echten...
und doch...
fast spüre ich es nicht mehr...
bleibe stehen
lasse die sinne atmen
verschwende zeit
um wieder geweckt zu werden...
vom kleinen großen wunder meiner sinne...
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02. Januar 2004, 10:23 Uhr, HannesJahreswechsel/EndeWüst die Straßen
nicht doch leer:
Das Donnerdröhnen
nur rotes Papier.
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01. Januar 2004, 23:33 Uhr, kormakurHaiku zum neuen Jahrewie im schwarzweissfilm
die landschaft am neujahrstag
doch blau blieb der fluss.
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01. Januar 2004, 18:22 Uhr, HannesAuf der Bank sitzen und Engelshaar flechtenWenn endlich das Wesentliche Überhand gewinnt, verliert das Nichts den Schrecken, sinniert Paco Knöller, der Kunstprofessor, auf der Bank, die unter den tiefhängenden Weiden des Zentralfriedhofs Herzsprung einsam steht. Er zerreibt das Nichts zwischen den Fingerkuppen.
Das Zwitschern der Vögel überdeckt den Autolärm nicht. Paco Knöller ist an den Friedhof seiner Jugend zurückgekehrt. Die Kleidung seiner Jugend wurde zur Arbeitskleidung aus Gewohnheit. Er zupft an seinen schwarzen Rüschen.
Mit seinen Stiefeln scharrt er unaufhörlich im sandigen Boden. Eine Spatz hüpft hin und her. Paco Knöller sucht nach etwas Essbarem in seinen Taschen.
Er riecht Schweiß.
Als er aufblickt, steht ein Mann vor ihm. Paco Knöller hält den Atem an. Der Mann blickt mit aschgrauen Augen leer und eher zufällig auf Paco Knöllers Schritt. Er setzt sich. Seine Plastiktüte stellt er erst in die Mitte, dann zur Seite, dann rückt er näher. Paco Knöller spürt den Atem des Mannes in seinem Nacken.
»Haben Sie vielleicht Feuer?« fragt der Mann. Paco Knöller schluckt. Dann kramt er wieder in seinen Taschen. Die viel zu große Flamme droht, die ganze Zigarette zu verbrennen. Der Mann lehnt sich zurück, schlägt die Beine übereinander, stöhnt und schmatzt leise.
Das Haar des Fremden ist dünn und golden. Paco Knöller gehen die Augen über. »Ich Schaf«, murmelt er, »Hauptsache blond.« Paco Knöllers Haare sind schwarz.
Der Fremde betrachtet Paco Knöllers Rüschen. Paco Knöller zittert leicht. Der Fremde legt seine freie Hand auf Paco Knöllers Brust.
»In Sibirien, müssen Sie wissen,« meint der Fremde »gibt es ja kein fließend Wasser. Die Leitungen frieren dauernd ein. Schafzucht wird jedoch gepflegt. Schafe sind da heilig.« Paco Knöller versucht, sich ein heiliges Schaf vorzustellen. Da wird ihm klar: der Fremde ist ein Engel.
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