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WORTBEITRAG

27. Februar 2004, 12:41 Uhr, lucent72

Warum?

Warum sagst du nichts?
Warum fühlst du nichts?
Warum siehst du nichts?
Warum willst du nichts?

Mit diesen Fragen eingeschlafen und ohne Antworten aufgewacht.
Ich steh am Fenster und hoffe der Himmel hört bald auf zu weinen.
Der Regen bringt die Fragen.
Die Sonne hat die Antworten.

Ich vergesse die Fragen, ich warte auf den Frühling, ich warte auf die Antworten.
Vielleicht raus? Unter Menschen? Ja. Alles fängt damit an indem man vor die Türe tritt, also los.
Das Tageslicht überrumpelte mich, es war hell und grell. Das Treiben um mich herum laut und aggressiv.
Mein Kopf ist noch nicht bereit für diese Reizüberflutung. Die Nervenstränge suchen den Notausgang in meinen Gehirnwindungen. Das Herz scheint bereit für die Flucht aus meinem Brustkorb, so laut macht es sich bemerkbar.

Minuten später fand ich mich auf den Landungsbrücken wieder, in der Hoffnung auf viel Wind, viele Touristen, viel Ablenkung. Es vergingen einige Stunden, ich stand nur da und verpackte meine Gedanken in kleine Pakete, damit ich sie mit den Schiffen nach Asien oder wohin auch immer schicken konnte. Als das letzte Paket unausgesprochener Gefühle aus dem Hafen lief machte ich mich wieder auf den Weg, der Kopf war erst mal wieder frei, wieder bereit für neue Gedanken.

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Aus der Wortstation: http://lucent72.wortbeitrag.net

25. Februar 2004, 17:04 Uhr, Hannes

Fragmente eines Irrtums VII

Im Straßencafé. Aus den Falten deiner kurzen Hose schaut ein Knie. Vor mir ein Zuckerstreuer. Nichts läge näher. Ich beuge mich über den Tisch und lasse Zucker auf dein Knie rieseln.
»Schieb deine Haare hinters Ohr«, sagst du und lächelst nicht.
Wie sieht das aus, ein Lächeln von dir? Ich fasse wieder um den Zuckerstreuer, beobachte mein darin verzerrtes Spiegelbild. Lächeln ist gar nicht so einfach.
»Also...?« Wieder du.
Ich sollte etwas tun. Den Zucker ablecken, die Kristalle knisternd zwischen den Zähnen zermalmen, die Vertiefungen deines Knies mit der Zunge weiter aushöhlen.
Nichts davon. Aber meine Haare stecke ich hinter die Ohren.
»Hab ich mir doch gedacht«, murmelst du und wischst den Zucker vom Knie.

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Aus der Wortstation: http://hannes.wortbeitrag.net

21. Februar 2004, 18:58 Uhr, flyaway

Facetten des Lebens

Wie schnell es manchmal geht.
Ein Wort
Ein Blick
Eine Bewegung
Oder gar nichts.
Bruchteile der Zeit
Und auf einmal ist alles anders.
Glück
Oder Unglück
Alles Facetten
die das Leben erst lebenswert machen

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Aus der Wortstation: http://flyaway.wortbeitrag.net

19. Februar 2004, 16:11 Uhr, meg

Eine Liebeserklärung

Wenn du die Augen schliesst und dich ganz dem Gefühl hingibst, meinen Blick auf deiner Haut zu spüren, wenn ich dann mit Fingerspitzen sanft die Züge deines Gesichts nachziehe und wenn schliesslich meine Lippen schüchtern und zögerlich die deinen finden, dann weisst du, dass ich dich liebe, dass ich wenigstens in diesem Augenblick ganz bei dir bin.

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Aus der Wortstation: http://meg.wortbeitrag.net

18. Februar 2004, 18:26 Uhr, meg

Augenblicke

Stellen Sie sich einen Bahnhof vor, eine Strasse, einen Park, einen Markt oder irgendeinen Ort, an dem Menschen verkehren, in Massen, ungestüm, geradezu überwältigend chaotisch. Jeder muss irgendwo hin, dringend, lieber schon gestern als heute da sein. Ob ins Büro, in den Supermarkt, auf den Zug oder auf die Toilette, jeder hat es auf seine Weise eilig, jeder ist mit seinen ganz eigenen Angelegenheiten beschäftigt.
Autos stehen, rollen, stehen wieder. Ein Fahrradkurier dazwischen, schlängelt sich durch die bunte Blechlawine, beinahe elegant, aber auch er gehetzt, ungestüm. Kinder schreien, Tauben flattern, ein kalter Wind bläst bald stärker, bald schwächer um die aufgeschlagenen Mantelkrägen. Einige Tropfen fallen vom trüben Himmel, wie Tränen, gehen verloren im Gewimmel. Dem Mann mit der Zeitung wird die Brieftasche geklaut, fünfundvierzig Franken neunzig und eine Postcard darin. Ein Flugzeug donnert von Süden her über das feuchtgraue Betonparadies.
Da steht er plötzlich an der Ampel, Kurzhaarfrisur, die Augen etwas zusammengekniffen, kämpft mit dem Wind und den Tränen. Sie wartet auf der anderen Seite der gelben Bodenmarkierung, jung, schön, naiv, aber zufrieden mit dem Leben. Sie hält ihren kleinen Schirm mit aller Kraft fest. Sie sieht ihn, er auch sie und für einen Moment finden sie sich, für einen Augenblick sind sie ganz eins und beide wissen, dass ihre beiden Wahrheiten eine gemeinsame Wahrheit sind.
Sie könnten es ein, doch gerade da setzt der Puls der Zeit wieder ein, rot wird grün, Massen verschieben sich, beide gehen weiter, aneinander vorbei mit abgewendetem Blick, sich des Verlustes halb bewusst, gehen ihren ganz eigenen Angelegenheiten nach, eilig, ungestüm. Er zerdrückt eine Träne, stolpert fast, sie verliert ihren Schirm aus der Hand, er fliegt davon, landet im Wasser, beide verlieren sich in der grauen Masse.

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Aus der Wortstation: http://meg.wortbeitrag.net

17. Februar 2004, 13:28 Uhr, Johannes

Schleudergang

Wieder lacht er, schallend, doch diesmal steht die nackte Angst in seinen Augen, aufrecht. Sein Blick zucket durch den Raum, suchend nach Halt, an der Tür zum Aussen erst, an einem Bild dann, dann an mir, doch er fällt, zu Boden und weiter nach unten, während die Angst weiter steigt, das Lachen immer lauter und schärfer wird. Er krümmt und wälzt sich und nicht nur das Japsen nach Luft zwischen den rhythmischen, schreienden Stössen seines gebeutelten Körpers ähnelt dem eines Fisches, den man samt Aquarium zu Boden geworfen hatte.
Nun schlägt er sich das Bein, so heftig, dass mich das Zuschauen schmerzt. Dazu lässt er immer und immer wieder seinen Kopf auf den Boden, in die Scherben und die weissen Ziersteine fallen. Sein Blut mengt sich mit dem Wasser und dem Algengewächs der letzten Jahre und fliesst weg und er schlägt immer weiter, lachend, immer lauter, schallender. Sein Gesicht ist von blau gefärbtem Dunkelrot, aus Hals und Stirn quellen dicke Adern.

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Aus der Wortstation: http://johannes.wortbeitrag.net

15. Februar 2004, 15:10 Uhr, soc

Achtzehn

Mit Idealen zugepackt, vollgefressen mit Wissen, analytischem Denken und diesem verfluchten „vom hören sagen“ machen sich die halbwüchsigen Kinder auf, in die grosse, weite Welt. Jeden Tag, jede Stunde und jede Minute erleben sie neue Überraschungen, versuchen ihnen Herr zu werden doch stehen sie meist ohnmächtig vor einer grossen, weissen Wand sobald sie der Zufall wieder trifft. Dann, nur dann füllt sich wieder ein Register ihrer Synapsen und sie gehen einen Schritt weiter auf dieser langen, unebenen Strasse die man Leben nennt. Und wir, geblendet von ihrer Jugendlichkeit, versuchen das Unvereinbare zu vereinbaren, versuchen die Symbiose von Physis und Psyche bis wir auf die Schnauze fallen weil wir zu alt sind um vor diesen grossen weissen Wänden einfach stehen zu bleiben und zu jung, um genügend Gelassenheit an den Tag zu legen. Darum müssen wir sie belassen, in ihrem Mikrokosmos aus Geschichten, Vorurteilen und Übertreibungen. Manchmal betreten wir ihre Welt, hören ihnen zu, nehmen das für uns mit, was uns wichtig erscheint, gehen dann aber wieder raus und warten auf sie, bis sie bei uns sind.

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Aus der Wortstation: http://soc.wortbeitrag.net

14. Februar 2004, 19:34 Uhr, arjuna

sometimes II

fein gesponnen,
der faden
zwischen dir
und
mir...
ich neige zur flucht,
nach hinten
fallen, zurück,
in mich...
doch zwischen
den zeilen,
ausserhalb
der ordnung...
ein einziger
blick
und ich bleibe
und
suche
n ä h e
als bindeglied
zur
distanz.
dein haar
schwarz und wild
my bloody valentine...
deine lippen...

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Aus der Wortstation: http://arjuna.wortbeitrag.net

13. Februar 2004, 23:13 Uhr, arjuna

sometimes

ich schliesse meine augen,
fühle mich fremd
nicht wirklich
hier und da...
war dort ein anderer
der mein leben
mass?
so zieht mich
die spirale
in den bann
und der wolkendunst
deiner brüchigen stimme
bei
my bloody valentine...
ich sage dir noch einmal,
lächeld, beim
vorüberziehen:
alles was ich von
dir weiss,
gefällt mir...


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Aus der Wortstation: http://arjuna.wortbeitrag.net

11. Februar 2004, 22:59 Uhr, Alina

Ende der Sommerhitze

Das Efeu schlief auf der Mauer und das goldene Sonnenlicht fiel auf die roten Ziegelsteine. Es war Abend. Der Sommer ging seinem Ende zu. Die letzten warmen Sonnenstrahlen hüllten Jörgs Körper in ein wohliges Gefühl. Er wusste, dass er jetzt genau zu diesem Zeitpunkt einfach hierhin gehörte. In der Ferne sah er die Hügel. Sie waren bedeckt mit Tannen, durch die das Sonnenlicht blitzte. Schillernd fielen ihm die taubedeckten Wiesen ein. Sie vermittelten eine ausgeglichene Ruhe, die ab und zu nur vom Schrei eines Vogels unterbrochen wird. Zirpende Grillen, trockenes, gelbes Gras, Heu, der Duft der Blumen und eine Wiese, über die man drüberrennt und sich einfach fallen lässt. Plumps! Es ist getan. Er streckte sich mit allen Vieren aus, als ob er einen Engel in den Schnee zeichnen wollte, und genoss.

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Aus der Wortstation: http://alina.wortbeitrag.net

11. Februar 2004, 22:33 Uhr, Alina

Jörg und die Erinnerung

Heute ging Jörg die Straße hinab. Er blickte auf den Boden und sah einen Pflasterstein neben dem anderen. Sie waren dicht aneinandergepfercht. Grau, einfach nur trostloses Grau. Die Häuser waren genauso. Zwar unterschieden sie sich minimal in ihrer Bauweise, aber alles in allem ähnelten sie sich so sehr, dass sie fast schon wieder gleich waren. Ich stand Jörg gegenüber. Wir zuckten mit den Mundwinkeln und versuchten uns gegenseitig ein Lächeln hervorzulocken. Aber es schien uns nicht zu gelingen. Die Trostlosigkeit dieser grauen Welt hatte sich in unsere Seele gefressen. Ich hatte ihn sehr gerne. Die einzigste Wärme in dieser Welt war unsere Freundschaft. Sie war ein prächtiges Farbenspiel, ein Jauchzen auf der staubbedeckten Straße. Es hallt in den Hauseingängen und Fluren wieder, wo Menschen mit säuerlichen Putzmitteln und vollen Wassereimern hantieren. Jörgs ausgewaschenes schmutziggrünes T-Shirt passte perfekt zu dieser Umgebung. Alte Jeans, T-Shirt und Turnschuhe- wir standen auf dem Platz unserer Kindheit. Die Sonne schien heiß auf unsere Köpfe herab. Ich hakte mich bei ihm ein und wir wechselten von der prallen Sonne in die eisige Kälte des Hausflurs. Er gab mir einen Kuss und wir verabschiedeten uns. An diesem Tag hatte ich Jörg zum letzten Mal gesehen. Es war ein beklemmendes Gefühl, das schmerzte. Obwohl ich es bald verdrängte, wusste ich, dass es Jahre später wieder auftauchen würde. Das konnte nicht alles gewesen sein. Die einzigste Gewissheit im letzten Hausflur dieser Stadt.

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Aus der Wortstation: http://alina.wortbeitrag.net

06. Februar 2004, 20:45 Uhr, meg

Wie der Ozean

Deine Schönheit ist atemberaubend, deine Anwesenheit erhält mich am Leben, deine Stimme schenkt mir Träume. Zeitlos lebst du neben den Menschen, hörst ihre Sorgen und Sehnsüchte, aber bist ihnen immer fern, egal wie nah sie dir kommen. Es ist deine unergründliche Tiefe, die uns alle anzieht und abstösst zugleich.

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Aus der Wortstation: http://meg.wortbeitrag.net

03. Februar 2004, 14:49 Uhr, aphex-twin

lustig. könnte/möchte/müsste aus langeweile heulen. wäre ich nicht zu gelangweilt. könnte/möchte/müsste ich nicht weinen.

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Aus der Wortstation: http://aphex-twin.wortbeitrag.net

01. Februar 2004, 12:48 Uhr, Johannes

Mal wieder

Plötzlich durchstiess die hässliche Fratze von damals das eben noch süsse, lächelnde Gesicht von innen her. Ekel überkam mich. Ich ging einen Schritt weiter rechts aber immer noch neben ihm her und liess mir nichts anmerken; offenbar hatte er mich noch nicht erkannt. Seine Augen funkelten aus mittlerweile tief und dunkel gewordenen Höhlen zu mir herüber und wie ich meinen Blick erschrocken zu Boden weichen liess, lächelte er siegessicher.

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Aus der Wortstation: http://johannes.wortbeitrag.net

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