23. März 2004, 13:16 Uhr, rolphdurch das landendlich sitze ich ab, lasse mich fallen. alle gedanken an arbeit verschwinden. ich lasse mich ziehen durch das land. muss nichts tun, darf einfach aus dem fenster schauen. der zug fährt, macht geräusche. das abteil riecht nach reisen, ein bisschen nach welt. hände waschen zuhause, denke ich. und dann denke ich nichts mehr. es ist da bloss noch das land, in überlichtgeschwindigkeit rauscht es vorbei. nichts berührt mich, was da draussen passiert. zuwenig fläche, zuwenig zeit um sich daran festzuklammern, um es sich einzuverleiben. ich bleibe getrennt von diesem mühsal da draussen. diese vororte, die sonntagnachmittagsbahnhöfe, die verbundsteinvorplätze, die hochhausumrahmten spielplätze. der zug zieht mich eilend weiter, ich kann wieder atmen.
in glücklichen momenten schlafe ich dann ein, wohlig warm eingeschlossen von geschwindigkeit und geräusch. aus diesen momenten strömt so viel zeit, so viel möglichkeit. endlos und nie zu ende. ein sein ohne gedanken an das dasein.
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23. März 2004, 11:59 Uhr, HannesBahnsteigengel (Jungenkritik #10)Einmal war ich allein auf einem Bahnsteig. Dachte ich. Bei genauerem Hinsehen (damit vertrieb ich mir die Zeit, denn ich wartete) saß da noch jemand. Auf dem Bahnsteig, auf dem Boden, zusammengekauert.
Ich schaute genauer hin. Ein buntes Bündel Winterklamotten. Im Frühling. Schal und Mütze. In einiger Entfernung setzte ich mich ihm gegenüber auf eine Bank.
Er blickte kurz, wie zufällig, nach oben. Da sah ich seine Augen. Ich sah sein Haar, das aus der Mütze schaute, störrisch, golden. Erst dachte ich, na klar, das ist doch der und der, den kenne ich. Dann stockte ich. Es umflorte ihn ein eigenartiges Leuchten.
Man hat Untersuchungen durchgeführt, die ergaben, dass Medien, die aus sich heraus leuchten, wie beispielsweise Fernseher, Menschen direkter berühren, als Medien, die mit Projektion arbeiten.
Wie er so leuchtete und so dasaß und so bunt war, wurde mir schlecht. Ich übergab mich auf die Gleise. Als ich mich umdrehte, war er weg.
Außerdem fuhr auch schon mein Zug ein.
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20. März 2004, 18:36 Uhr, megFrühlingserwachenWenn es Frühling wird, schmilzt der Schnee und all die hässlichen Dinge kommen zum Vorschein, die man schon fast vergessen hatte und an die man nur ungern erinnert wird. Wie viel schöner war der Winter, als noch alles unter glitzernd weissem Tod begraben war, als sich nichts regte und einzig Stille sanft die erstarrten Fratzen des Lebenden liebkoste.
Schon pulst wieder Leben in allen Dingen und Unruhe kommt auf, ein gewaltiger Tumult, ziellos, sinnlos und übermächtig laut. Im hellen Sonnenschein gibt es kein Verstecken mehr. Alles liegt bar.
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18. März 2004, 01:54 Uhr, rolphaton in mirdas nebeneinanderliegen ist mir ein liebstes. man liegt und ist. da ist nichts, was dazwischen passt. was dazwischen passen müsste.
das handausstrecken. sich in der anderen finden. sich in seine hand denken, der hände augen sachte schliessen und nur mehr das licht im dunkeln spüren. dieser funke der da ist, im schwärzesten dunkel. und gefunden bin ich überflutet, geissendes licht, geissende scheibe. ich mag jeweils die augen schliessen und mich licht und leicht denken. meine beiden hände öffnen und sich in den anderen finden.
ein nebeneinander. ein sein jenseits von gedanke und von tag. aber eben ebensoweit von nacht und tat. ein flimmern im äther, wenn der geist tanzt.
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17. März 2004, 16:06 Uhr, socFrühlingMein Kopf ist leer. Leer von Kritik, Gedankengut und Funktionalität. Egal was ich schreiben will, es hat keine Substanz, macht keinen Sinn, verliert beim einfachsten Versuch Grösse zu erreichen jegliche Berechtigung niedergeschrieben zu werden. Die Melodie ist verloren, der rote Faden gekappt und ein Punkt, das Fazit wird schrecklich vermisst.
Die besten Liebesgeschichten, sie finden nicht in Texten, Briefen, Büchern und Filmen statt. Sie sind Teil von jedem einzelnen von uns. Durchdringen unseren Körper, durchfluten unsere Gedanken und erfüllen unser Herz. Alles andere ist nur ein kläglicher Versuch, all dem gerecht zu werden. Wer liebt, sehnt sich nicht. Wer liebt, lässt jegliche Fiktion in ihrer Kälte erstarren. Wer liebt, weiss für immer und ewig, was wahr ist.
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16. März 2004, 15:01 Uhr, JohannesÜberbleibselMunter fröhlich sticht mich die Sonne aus einem wirren Schlaf. Ich kehr mich zur Seite und klatsche in den Strassengraben, ins dunkle, feucht modernde Nass. Weit oben rauscht ein Lebendiges an mir vorbei. Leck mich, denk ich, dreh mich auf den Bauch, so ist mir wohler, steck das Gesicht tief in den Morast und warte bis es wieder dunkel wird.
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14. März 2004, 20:58 Uhr, billaals ob nichts dabei wärIch mag Hot Dogs. Sie haben etwas Unberechenbares. Nie ist man sicher, ob sich bei einem bestimmten Biss etwa in der Hälfte des Hot Dogs der Senf gelb und quillend an den beiden Mundwinkeln vorbeidrängt und dann - entweder am Brot entlang den Boden sucht - oder sich -als ob nichts dabei wär- über die das Brot haltende Hand schmiert. Aufregend wird es, wenn der Senf an den Wangen kleben bleibt.
Es kommt also sehr darauf an, dass das Brot des Hot Dogs immer soweit möglich massvoll mit Senf gefüllt wird. Beim Ketchup ist es nicht anders.
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10. März 2004, 22:30 Uhr, HannesDas Schaf (Jungenkritik #8)Und alles nur wegen seiner speck-fleckigen Lederjacke. Ob ihn jemand kennte, wollte ich wissen. Ja, na klar, man kennt sich hier. Auch die Mailadresse war schnell herausgefunden.
»Hallo Schaf«, schrieb ich. »Ich beobachte dich. Ich weiß genau, wann du dein Mittagessen einnimmst und was es ist.« Zugegeben, das war nicht nur dreist, sondern auch ganz schön einschüchternd. Wenn es jemanden gibt, den du nicht kennst, der aber bis ins Detail weiß (oder so tut), was du den Tag über machst. Vielleicht beobachtet er dich ja auch nachts.
Normalerweise taugt ein solcher Grund recht wenig zum Vertrauensaufbau. Nicht so bei Schafen. Vielleicht sind Schafe ein bisschen so wie Goldfische. Denken, ihre Welt ist riesengroß, weil sie, wenn sie auf dem Rückweg von einer Wand zur anderen sind, sich nicht mehr an den Hinweg erinnern.
Eines Tages sagte ich: »Hallo, du bist schwul, und ich bin der große Unbekannte.«
Er grinste dämlich. Hatte er wohl nicht erwartet, so viel Zutreffendes auf einmal.
»Aber ich will doch eine Frau und Kinder.« sagte er schließlich.
Ich nahm ihn mit auf einen Spielplatz. Da wippten wir ein bisschen. Ich musste ziemlich weit in die Mitte rücken. Dann sprang ich jäh ab. Das war ein Zeichen. Ein Zeichen ist nämlich ein störendes Element im flüssigen Vollzug.
Man muss den Dingen Tiefe geben, das gilt nicht nur für das kreative Schaffen.
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10. März 2004, 17:09 Uhr, socshort noticeManchmal kann ich fliegen. Über die Köpfe der Menschen, die wie verdorbene Früchte an ihren Ästen hängen.
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04. März 2004, 15:28 Uhr, rolphes ist nun nichtsIch wach auf, mitten in der Nacht. über mir die Sterne. Weit, so weit ich mag es nicht glauben so weit. Ich steh auf. Ich setz mich wieder. Niemand da, mit dem ich mich unterhalten könnte. Ich steh auf. Die Sonne ist noch weit.
Ich wach auf. Ich weiss nicht, wo ich bin. Ich weiss nicht, ist es Tag oder Nacht. Ich hab geträumt, das weiss ich. Was war der Traum. Ich weiss nicht. Ich setz mich aufrecht. Halte die Zeit, die mir da vorübergeht. Dieses Jetzt will ich sein. Dieser unendliche Punkt, wachsein.
So wache ich auf. Jetzt und immer wieder. Immer wieder wach werden, obwohl hellwach.
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04. März 2004, 10:36 Uhr, JohannesLichtwärtsDunkler Vollmond steht über dem schwarzgrauen Morgenhimmel. Es ist kalt, mich friert nicht. Ein Hauch dieses Dufts ist wieder, von dem ich diese Nacht geträumt. Eiszapfen fallen von Vorsprüngen auf die Erde und zerschellen, rund um mich fällt's und splittert's. Ich gehe ein paar Schritte rückwärts, strauchle über die Bordsteinkante. Die Strasse voller Eiskristall knirscht unter meinem Barfuss, mich schmerzt nicht, schlimmer noch, mir ist, als wär ich anderswo.
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