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30. April 2004, 22:40 Uhr, arjuna

nahe dran

wenn ich die welt erobere,
dich im dunkeln erkenne...
wenn der geschmack deiner tränen
wie eis auf meiner seele schmilzt...
wenn dein atem
meine haut berührt
und dein lachen
die nacht erhellt...
wenn deine hand
auf meiner schulter ruht
und mein körper
sich an deinen schmiegt...

dann lass' ich dich gehen,
weiche der zeit,
dieser kurzen ewigkeit...

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Aus der Wortstation: http://arjuna.wortbeitrag.net

28. April 2004, 22:37 Uhr, leeloo

Gedankenblitz

Des Weges Kreuzes ist nie alleine. Wege kommen zusammen und trennen sich. Doch Jeder trifft irgendwann wieder auf einen Nächsten. Das würde auch die Zeit zum Zeitlosen raten, denn der perfekte Kreis existiert nicht.

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Aus der Wortstation: http://leeloo.wortbeitrag.net

27. April 2004, 20:52 Uhr, rolph

aufgegangen

heute abend fühle ich mich zuhause. die dicke wolke hinter dem hügel mit meinem baum. die warmen füsse. ich fühl mich gut, es riecht gut. und stehen könnte ich hier lange, ohne zu denken dass ich stehe und dass ich warme füsse habe und dass ich mich zuhause fühle.

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Aus der Wortstation: http://rolph.wortbeitrag.net

27. April 2004, 18:48 Uhr, Hannes

O-Ton?

O-Ton:

Lippen spitzen
Mund runden
Bänder langsam schwingen lassen
Alsbald erschallt:

Oooooooooooooooooo.

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Aus der Wortstation: http://hannes.wortbeitrag.net

25. April 2004, 14:36 Uhr, groegg

... und die sonne scheint

es gibt keine hintertür, kein doppelleben. wunsch - traum, vergiss es. das system ist gebrochen, zersplittert. was übrig bleibt ist kalte realität. brocken von gefühlen die zuerst wieder aneinandergereiht werden müssen. nostalgie schimmert am horizont, verschwommen erkennbar wie sie dem abgrund naht. das gewissen ist stumm...es wird nur noch bewegt...einsam bewegt...es gibt sie...die abbilder, äussere erinnerungen...körper...geschichten...jeder liebt jeden...es ist ganz einfach...ganz einfach verrückt! und die sonne scheint.

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Aus der Wortstation: http://groegg.wortbeitrag.net

20. April 2004, 11:48 Uhr, Hannes

Der schwule Landschaftsfotograf

Der schwule Landschaftsfotograf sitzt in seiner Stammkneipe. Er erzählt von seiner letzten Reise in die Vogesen. Die Vogesen sind mein Lieblingsgebirge, sagt der schwule Landschaftsfotograf und nippt am Absinth. Der, mit dem er redet, redet mit einem anderen.

Der schwule Landschaftsfotograf hat die Kamera immer dabei. Das hat etwas mit Berufsethos zu tun, erklärt er Paul, dem Barkeeper. Ansonsten sieht er eher aus wie ein Pfadfinder. Paul trocknet Gläser ab.

Der schwule Landschaftsfotograf ist erschöpft vom langen Tag. Und bald ist schon der nächste Tag, blaue Stunde, raunt er verschwörerisch dem Zapfhahn zu. Noch nie hat er etwas anderes fotografiert als Landschaften.

Einmal war der schwule Landschaftsfotograf in Amerika. Das kam, weil er bei einem Kreuzworträtsel gewonnen hatte. Die Kreuzworträtsel löst seine Mutter für ihn. Gehirnjogging, rechtfertigt sie sich, und dem Jungen kommt's auch zu Gute. Hat ja nüscht.

Der schwule Landschaftsfotograf war nicht begeistert von Amerika. Er könne sich kein heterosexuelleres Gebirge vorstellen als die Rocky Mountains. Die sehen doch aus wie, na du weißt schon, stößt er seinem Nebenmann in die Rippen. Der ist aber gar nicht mehr da, muss mit Paul einen Störenfried rausschmeißen.

Der schwule Landschaftsfotograf zündet sich eine Zigarette an und schweigt. Sein Dasein kommt ihm sinnlos vor. Früher war das anders. Nur, wer hat im kapitalistischen Westen schon Verwendung für schwule Landschaftsfotografen?

Der schwule Landschaftsfotograf hat eine Idee. Er packt seine Kamera aus, schraubt das Objektiv ab und betrachtet sich im Klappspiegel. Der reflektiert seine kleinen Augen. Der schwule Landschaftsfotograf ist müde.

Der schwule Landschaftsfotograf versenkt seine Kamera im Spülwasser. Er geht. Macht’s gut, ihr Trottel.

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Aus der Wortstation: http://hannes.wortbeitrag.net

17. April 2004, 16:30 Uhr, Johannes

Interview andersrum

»Es würde mir nicht im Traum in den Sinn kommen, eine Liste der sieben schönsten, zur Zeit lebenden Männer zu machen«, sagte ich, etwas gereizt ob der dummen Frage und dem fordernden Blick dieses Beinahe-Journalisten. Dass Schwulen-Magazine ihresgleichen auf Reportage schicken, kann ich verstehen, doch dürfte dies zwischenzeitlich nicht mehr das einzige Kriterium sein.
»Leben Sie in einer Beziehung?«, war seine nächste Frage, und irgendwie bildete ich mir ein, dass er diese nicht seinen Notizen entnommen hatte.
»Ja, in mehreren«, antwortete ich.
»Sie gehen also fremd?«
»Nein.«
»Das heisst, die Beziehungen wissen voneinander?«
»Beziehungen sind Zustände, in der Regel ohne Bewusstsein.«
»Ich meine natürlich die daran Beteiligten..«, er, etwas empört.
»Zum Teil, wieso?«
»Ich stelle hier die Fragen«, entgegnete er mit ernster Miene, um alsbald in ungehalten doofes Gekicher loszubrechen, »...aus einem Film....hihi...pff... das habe ich aus einem Film«, speichelte er über den Tisch, es war eklig, wie immer wenn Sprüche aus schlechten Filmen zitiert und als lustig empfunden werden.
»Sie frönen also der Bigamie?«, wollte er wissen, wie er sich einigermassen erholt hatte.
»Nein.«
»Aber sie sagten doch eben, sie leben in mehreren Beziehungen.«
»Ja. Private, geschäftliche, freundschaftliche....«
»Aha«, atmete er auf.
»...sexuelle...«
»Mehrere?«
»Hören Sie mal«, es wurde mir zu blöd, »wir haben uns hier getroffen, um über diesen Film zu sprechen, dessen Drehbuch ich schrieb. Unter diesem Gesichtspunkt: Wie viel Gewicht gedenken meinen sexuellen Aktivitäten zu geben?«
»Wissen Sie«, erklärte er mir in ernstem Ton, nachdem er sich, so gut es ging mit seinem etwas zu kurzen Oberkörper, auf dem Stuhl gross gemacht hatte und sein Brüstchen leicht schwellen liess, »wir sind ein Schwulen-Magazin...«, er hielt inne und sein Blick war getränkt mit dieser explosiven Mischung aus Überheblichkeit, eines sich in gutem Recht handelnd fühlenden Menschen, und der Genugtuung, erbaut auf den Eingeständnissen von Fehlverhalten gegenüber Artgleichen, wie man es von Künstlern oder Juden kennt.
»Ja?«, ich verzichtete des Stils wegen auf das 'und'.
Er ignorierte beides, und stellte unbeirrt, doch aber etwas beleidigt, fest: »Ich frage, was unsere Leser wissen möchten.«
»Ihre Leser wollen wissen, ob ich mehrere sexuelle Beziehungen pflege?«, fasste ich zusammen.
»Nicht nur, natürlich, aber auch, ja. Der Lebensstil ist in schwulen Kreisen ein grosses Thema.«
»Nun gut, ich lebe etwa fünf feste sexuelle Beziehungen«, begann ich, »die unregelmässigen nicht eingerechnet. Ich mache es gerne mit jungen Männern oder älteren Frauen, oder auch beidem, was allerdings eher selten vorkommt...«
Sein Gesicht wurde lang: »Fünf feste sexuelle Beziehungen? Wie muss ich mir das vorstellen?«
»Wie sie wollen.«
»Ja, aber eine Beziehung ist doch nur dann fest, wenn sie zwischen zwei Partnern stattfindet«, rief er.
»Dann streichen Sie das 'feste' aus ihren Notizen.«
»Ich habe mir noch keine Notizen gemacht.«
»Eben.«
»Es tut mir leid, so etwas können wir unseren Lesern nicht zumuten«, erklärte er mir und legte den Stift, den er bis anhin dazu verwendet hatte, im Ohr zu kratzen und nervös drauf herum zu kauen, parallel zum langstieligen Löffel seines schwulen Latte-Macchiato auf den Tisch.
»Wie Sie wollen.«
»Wissen sie, wir werden von konservativen Kreisen – ja, auch solche gibt es in der schwulen Community - immer wieder kritisiert, wir würden ein Bild des schwulen Lebensstils propagieren, das in der Realität seinesgleichen sucht.«
Dieser Satz war wohl an einer Redaktionssitzungen gefallen, jedenfalls konnte er unmöglich von ihm sein, ja, hätte er ihn nicht so treffend platziert, hätte ich sogar bezweifeln müssen, dass er den Inhalt, wessen er eben von sich gab, verstanden hatte.
»Wie gesagt: wie sie wollen.«
»Kommen wir zu Ihrem Film», sagte er endlich und seine erste Frage dazu hörte sich vorbereitet an:
»Die Hauptrolle, der knapp 20 jähriger Star-Geiger eines grossen Symphonie-Orchesters, lebt eine schwule Beziehung, was zwar klar ersichtlich, jedoch nicht als ungewöhnlich thematisiert wird, warum nicht?«
»In der Hauptrolle des Films 'Himmelblau' spielt Marc Pelta den verwirrten, ungefähr 45 jährigen Poeten 'Erwin', der durch eine Erbschaft finanziell unabhängig wurde und aufgrund des darauf folgenden Zustands, fern jeder festen Struktur, den Boden unter den Füssen verliert. Der Geiger, von dem Sie sprechen ist eine kleine, wenn auch nicht unbedeutende Nebenrolle, und ja, lebt mit einem Mann zusammen, was nicht als ungewöhnlich thematisiert wird, weil es nichts Ungewöhnliches ist. Abgesehen davon bleibt offen, ob die beiden ein Paar sind.«
»Nichts Ungewöhnliches?«, er, erstaunt.
»Was ist daran ungewöhnlich, wenn ein Mann mit einem Mann zusammenlebt?«
»Nun ja, ich finde das spannend«, er, etwas konsterniert.
»Das glaube ich Ihnen gerne.«
»Was soll das heissen?«
»Sie sind vom 'Magazin für den homosexuellen Mann' und fragen, was ihre Leser wissen möchten.«
»Achso, ja...«

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Aus der Wortstation: http://johannes.wortbeitrag.net

11. April 2004, 16:12 Uhr, soc

Atemlos

Soll ich euch zum Weinen bringen? Soll ich euch erzählen und beschreiben was auf dieser Welt alles schief läuft, von der wir schon so lange erfolglos versuchen zu flüchten? Soll ich euch aufzählen, wie vielen Leuten jetzt in diesem Moment unrecht getan wird, die gefoltert, massakriert und hinters Licht geführt werden? Wollt ihr wissen, dass ihr eigentlich so bedeutungslos wie nichts anderes was jemals existiert hat, seid?

Nein, das wollt ihr nicht wissen. Weil ihr es euch eigentlich schon lange bewusst seid. Weil ihr jeden Tag danach strebt eurem Leben, eurem Individuum und eurem Umfeld Bedeutung beizumessen. Ihr versucht den Sinn hinter allem zu finden, resigniert und flüchtet euch schlussendlich in die Ignoranz weil ihr sonst irreparabel beschädigt werdet. Es gibt keine Probleme, wir haben sie alle selbst verursacht. Die Lösung wäre die unweigerliche Aufgabe unserer Existenz. Darauf arbeiten wir hin. Bis es soweit ist kleistern wir an unserer narzistischen Selbstverherrlichung und regen uns über den Nächsten auf, in dem wir uns immer und immer wieder finden.

Wenn er stirbt, hält der Mensch für immer und ewig die Luft an. Manchmal sollte er es in verträglichem Masse schon vorher üben.

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Aus der Wortstation: http://soc.wortbeitrag.net

10. April 2004, 23:23 Uhr, rolph

sein wie egon

egon wartet. er muss auf den zug warten. sonst kommt er nicht mehr nach hause. dort wird er erwartet. die leute im haus warten auf egon.

aber egon wartet auf den zug. er sitzt da hinter den wänden aus glas. ekelt sich ob seinen mitwartern. sie trinken bier. sie reden nicht, reden in einer fremden sprache.

egon steckt sich musik ins ohr. sie fährt an ihm vorbei. wenigstens muss ich nun nicht mehr alleine warten. ich halte mich an der vorbeifahrenden musik fest. ein strom, ich rutsche ab. da, ein griff. aufgesprungen. ich fahre jetzt mit. dann muss ich mir nicht vorstellen, die zeit gehe vorbei. das geht dann von ganz allein. warten muss ich trotzdem.

egon steht vor der tür. wie er dort hingekommen ist, weiss er nicht. aber seine mutter weiss.

heim zu muttern. was geht in ihm vor. er soll mir antworten. verdammt, warum sagt er nichts. aber, aber...ich will jetzt wissen.
die mutter erträgt solche momente nur schlecht. sie kann dann nicht verstehen, dass man so sein kann, wie egon ist.
es ist da etwas zwischen ihnen beiden. gespanntes reispapier. die mutter sieht gut durch. sie glaubt, jeder sehe durch.

egon sitzt im zimmer. die lauten geräusche stören ihn. durch deren decke, seinen boden, dringen dumpfe stimmen. so dumpf, dass sie alles durchdringen. auch egons schädel. die sind drin. ich...möchte schlafen. der boden möchte vibrieren. ich zittre mit, bebe. lasst mit doch endlich schlafen.

die mutter öffnet die tür. sieht ihr fleisch da liegen, und lässt los.

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09. April 2004, 11:37 Uhr, Hannes

Wenn ich alt bin

Wenn ich alt bin, werd ich Punk.

Dann kümmert sich nen Schäferhund
um mich, der sagt nie: „Scheiß auf dich“ und
macht mich lächerlich.

Nenn mich krank:
Wenn ich alt bin, werd ich Punk.

Fluppen schnorren von Touristen,
die den Alex sich mal ansehn,
kann ich dann und die verpissten
Bullen können hintendranstehn,

aber machen könn se nix.

Nenn mich krank:
Wenn ich alt bin, werd ich Punk.

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09. April 2004, 11:25 Uhr, Johannes

Gudrun

Und ich habe mir überlegt: Nein, zweitklassig soll's nicht sein, keinesfalls. Dann schon lieber einzigartig und keines Vergleichs möglich. Gutgut, murmelte Gudrun, ging nach hinten zum Schrank und zog aus einer Schublade auf Kniehöhe die Idee, die noch keiner kaufen wollte, wie sie mir sagte, warum sie sie mir zum Geschenk anbot. Dessen verwehrte ich mich, denn ich kam mir in dem Moment ungemein bedrängt vor und ich war mir nicht sicher, ob die Idee der Eigenwilligkeit diejenige war, die ich mir schenken lassen wollte.

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Aus der Wortstation: http://johannes.wortbeitrag.net

05. April 2004, 19:59 Uhr, Hannes

Ein Wunder (Jungenkritik #2)

Er taucht einfach so auf. Zwar immer da, wo man ihn erwartet, aber nie dann, wenn man ihn erwartet. Man hat das Gefühl, dass jeder ihn kennt und er jeden kennt, dennoch bleibt er nicht länger als ein paar Minuten bei den Leuten stehen, lieber ist er wohl alleine in der Ecke und guckt dabei ganz überflüssig. Er steht da rum und könnte jeden Moment zuschlagen. Das sieht folgendermaßen aus: Er streift dich von hinten und wartet. Dann zündet er sich eine Zigarette an, stellt sich vor dich und wartet wieder. Blickkontakt vermeidet er.

Wäre der Zugang zur Bar keine Treppe, würde er wohl hochschweben mit seinen hellbraunen Turnschuhen. Er hat Erfahrung mit Bars, denn er ist Barmann. Woanders, wo ich noch nie war. Es wäre sicher nicht sehr angenehm, ihn beschäftigt zu sehen.

Seine Schönheit kommt direkt aus seiner Seele, die, wenn auch nicht rein, so doch gesünder ist, als die manch eines anderen Menschen hier. Das hebt ihn ab, das macht ihn aber nicht begehrenswert. Er ist gefangen in Vollkommenheit und Unvergleichbarkeit.

Sein Irren zeigt den Abgrund dieser schummrigen Spelunken. Den DJ stört das nicht, er legt die Hits aus längst vergangenen Nächten auf.

Könnten Tanzflächen sprechen, sie würden die Tänzer warnen. Doch das hilft alles nichts, die Tanzenden umgarnen sich, er steht dabei, vom roten Spot beleuchtet. Sein Mund ist voll, die Konturen des Gesichts zerfließen.

Sitzt er auf das Couch, wird er zur Couch, und niemand will sich zu ihm setzen, auf die Couch, die ganz zerbrechlich wird durch ihn.

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Aus der Wortstation: http://hannes.wortbeitrag.net

04. April 2004, 11:23 Uhr, rolph

b-movie

es gibt solche tage, die scheinen mir unertragbar. und heute ist so ein nachmittag. es gelingt nichts, es bleibt beim wollen. nein, es kommt überhaupt nicht soweit. sich öffnen ist die nahrung für die tat. und heute will ich mich nicht öffnen. heute versinke ich in dieser fixen idee, mich nicht öffnen zu können.
es wäre mir wohl lieber, würde es heute regnen. wieder so eine fixe idee. diese fixen bilder machen mich fertig. überhaupt, diese bilder machen mich fertig. sie führen mich regelmässig in die irre. sie machen mich irre. ob mir das viele licht nicht guttut? hinlegen sollte ich mich. die augen schliessen.
wieder so ein bild. für jede tätigkeit gibt es ein bild. für jedes tun und für das dazugehörige nichttun gibt es ein bild. das migräne bild: vorhänge zu, abgedunkelter raum, hände an den schläfen. dazu passend das frischluft bild: fenster auf, nüstern blähen, sonne spüren auf der haut. darf ich mich jetzt entscheiden? also ob ich in nem b-movie mitspielen würde. alles schon mal dagewesen, alles schon gespielt. allein die andeutung reicht aus, um sich die szene gelangweilt vorzustellen. das durchspielen wird überflüssig, die idee ist ausgetragen.
dieses bild mag mich fast töten. dieses krasse gegenteil von individuum, von eigenem leben. und doch manchmal ertrage ich mich. überseh locker diese parallelen, muss mich nicht einmal anstrengen, diese gedanken zu verbannen. ein anderes bild. wieder und wieder bilder. abgetragene bilder.
ist das schaffen lediglich eine geschickte anordung von schon da gewesenem, von gekanntem? bleibt mir nichts anderes übrig? ist es wie die welt, die sich immer und immer wieder aus den gleichen kleinsten teilchen immer und immer wieder neu schafft? aus alt mach neu. gut kombiniert ist so gut wie neu. Dafür lässt sich sicher einen gescheiten, wohltönenden spruch finden. Aber ich glaub, ich lass das sein.

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Aus der Wortstation: http://rolph.wortbeitrag.net

03. April 2004, 19:23 Uhr, neverland

Glück gehabt?

Glück gehabt?

Eine neue Nacht ist hereingebrochen. Eine neue Nacht und in der Suche nach dem Glück. Wird es sich in dieser Nacht erfüllen?

So lange suchst Du schon nach diesem Glück. An manchen Tagen kannst Du es beschreiben; als wäre es ein Gefühl, welches Dir auf der Zunge liegt… förmlich über Deine kleine Zungenspitze kribbelt. An anderen Tagen kannst Du es nicht beschreiben. Du weißt, dass es sich vor Dir verbirgt, tief in Dir drinnen, und doch so nah, kannst es nicht fassen. Du suchst es schon so lange, Jahre.

In manchen Momenten glaubst Du es greifen zu können, hast es gegriffen. Doch eh Du es genießen kannst, es voll begreifen, da rinnt es Dir wie feiner Sand durch die Finger. Du hörst förmlich, wie es durch Deine Finger rieselt. Kiesel für Kiesel. Und umso mehr und fester Du zugreifst um es zu halten, umso schneller verlierst Du es wieder.

In manchen Augenblicken spürst Du es wieder, hast es als Geschmack im Mund. Du atmest den Duft des Abends oder der Nacht tief in Dich ein und erinnerst Dich daran, wie das Glück schmeckt. Ein Moment, wo Du glaubst, es ist ein Augenblick den Du schon einmal erlebt hast. Und Du schmeckst das Glück. Der Geschmack des Glückes, den man im Grunde gar nicht schmecken kann und doch ist es wunderschön.

Wenn Du Dich erinnerst, dann waren es die kurzen Momente, die Dir im Gedächtnis blieben. Ein Lied, der Duft eines Körpers, eine Berührung die Dir Gänsehaut bereitet und Dich innerhalb einer Sekunde überfällt. Sie sind nicht greifbar, nicht real und doch ist die Erinnerung auf einmal so stark, als wäre es vor wenigen Augenblicken gewesen.

Der Alltag lässt es uns vergessen. Manchmal Tage, Monate, Jahre…. Und dann ist es wieder da, auf einen Schlag. Du spürst wieder die kalten Füße die Du hattest, als Du Deine erste große Liebe an einem Wintertag mit Deinen glatten Schuhen abends nach Hause brachtest und ihr viel lachtet und versuchtet auf dem zu Eis gewordenem Gehweg nicht hin zu fallen. Oder die erste Ausfahrt mit Deinem Wagen, nachdem Du erst kurz vorher den Führerschein machtest. Es war ein uraltes Auto, mit viel Rost, und doch warst Du der König der Welt und Dir konnte niemand etwas anhaben.

So viele Jahre ist es her. Und nun? Nun jagst Du diesem einmaligen Gefühl hinterher, in der Angst, dass es verblasst… wie ein Schatten, der langsam mit der untergehenden Sonne seine Konturen verliert, undeutlich wird, bis er nur noch zu erahnen ist, dann verschwindet und eine Leere in Dir hinterlässt.

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Aus der Wortstation: http://neverland.wortbeitrag.net

01. April 2004, 11:02 Uhr, sturmtaucher

Du sagst...

Du sagst, Du liebst mich.
Du sagst, Du brauchst mich.
Du sagst, ich sei Deine Welt.
Du sagst, es sei für immer.
Du sagst, Du willst mich niemehr loslassen.
Du sagst, Du bist für mich da.
Du sagst, ich errege Dich.
Du sagst, Du gehörst mir.
Du sagst, wie schön ich bin.
Du sagst, ich bin alles für Dich.
Du sagst, bis das der Tod uns scheidet.
Doch merkst Du nicht, ich höre Dir schon lange nicht mehr zu

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Aus der Wortstation: http://sturmtaucher.wortbeitrag.net

01. April 2004, 00:19 Uhr, Johannes

PUMA

Auf seinem grauen T-Shirt stand in roten Lettern PUMA geschrieben, seine Füsse aber steckten in grünen Addidas. Ansonsten konnte ich auf den ersten Blick keine Widersprüche an ihm ausmachen. Erst als er auf mich zu kam und mich in einem hochkarätigen Oxford-English fragte, ob ich mit ihm weg vom Lärm an die Bar stehen würde, kam Spannung auf. Ich hatte ihn für einen Franzosen gehalten, ja, ich war mir sogar ganz sicher gewesen, dass er Franzose war. Wie man sich irren kann.

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Aus der Wortstation: http://johannes.wortbeitrag.net

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