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31. August 2004, 21:14 Uhr, Hannes

Schwarzes Loch

Ich hab mich verirrt
im Dickicht der Dunkelheit,
zu einer Zeit, die keine war.

Als Zweifel und Regen sich
irgendwie vermischten.

Als Hoffnung heilbar galt:

Hinterher is immer besser.
Hinterher is immer besser.
Hinterher is immer besser.

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Aus der Wortstation: http://hannes.wortbeitrag.net

28. August 2004, 18:50 Uhr, Johannes

Liebeslied

Ich wollte den Sommer verfluchen. Nicht des Wetters wegen, es war sonnig - nicht zu heiss, und auch die Arbeit war nicht der Grund, ich hatte keine.

Ich wollte den Sommer verfluchen, seiner Bühnen wegen und der Liebeslieder, die darauf gespielt wurden. Von Vermissen war da die Rede, von Herz verlieren oder verschenken, von verzeihen oft; vom Warten und Bleiben, vom Trotzdem, vom Weswegen, von für- und miteinander und immer und immer und immer wieder von Gemeinsamem und Beisammensein.

Ich wollte den Sommer verfluchen und wäre mir das Musizieren gegeben, ich hätte einen Blues in A geschrieben. 'Wasted Lovesongs' sein Titel und ich hätte darin besungen, wie nutzlos und vergeben sie sind, all die Lieder dieser Liebe; wie unberührt und kühl sie sich in den Weiten des Sternenzelts verlieren, wenn es zu all dem Klingen und Singen kein Du gibt, dem man widmen kann.

Ich wollte den Sommer verfluchen, da betratst du meine Bühne; mit deinem Haar, hell und seiden, und diesem Stahlblau in den Augen. Dein Lächeln glühte und dein Bewegen war von Gelassenheit wie Würde. Ob ich dich und uns heute anders sehen würde, wenn ich nicht wüsste, was du für mich empfindest? Und ob das danach Fragen damals ein Fehler war? Vielleicht, und doch: Dass du mich nicht küssen wolltest, tut meiner Sehnsucht keinen Abbruch. Blues in A bliebe, deinetwegen würde er zum Liebeslied.

Ich wollte den Sommer verfluchen und ich hätte es getan, wärst nicht du mir zuvor gekommen - kurz bevor er zu Ende war.

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Aus der Wortstation: http://johannes.wortbeitrag.net

19. August 2004, 20:50 Uhr, sturmtaucher

freitraum

was ich denke das ich bin, das bin ich nicht.
meine sichtweise ist falsch.
ich weiss ja noch nicht einmal wirklich wer ich bin,
oder was ich sein soll.
also bin ich frei,
es herauszufinden in jedem moment,augenblick, atemzug.
ich bin nichts,vakuum,ein irrlicht.
eine wolke, seifenblase, fata morgana
erfindung meiner fantasie, unwissenheit.
unbeflechte leere.
offen für jedes ding.
wie werden, was ich bin?
nichts tun, nicht sein..
falls ich träume, bin ich frei.

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Aus der Wortstation: http://sturmtaucher.wortbeitrag.net

15. August 2004, 12:49 Uhr, Johannes

Sternendings

Gestern, es war schon später, stiess ein Astrologe in unsere Runde. Odeon, das mit den gelben Schirmen.
Er erklärte mir, dass ich - vorausgesetzt meine angegebene Geburtszeit sei korrekt, was ich nicht beschwören konnte, da ich zu dem Zeitpunkt, Geburt wie gestern Abend, leicht benommen war - mit meiner Sternendings ein nicht ganz einfach Los gezogen hätte, denn Fische und Aszendent Waage sei eine grauenhafte Kombination im Bezug auf Entscheidungen.
Und ja, ich stellte mir vor, wie Fisch so durch die Gewässer gleitet und bei der Frage, ob nun das eine oder andere Ufer sich eher eigne, dem einen oder anderen Wasserzeichen schöne Fischaugen zu machen, sogleich ins Sinnieren verfällt und - weil Waage - beginnt, die Schalen mit Argumenten für die beiden Ufer zu füllen.
Derweil, denn genaues Abwägen setzt Musse und ein zwei Glas Wein voraus, treibt Fisch Fluss abwärts über Schnellen an Stellen, wo die Argumente für Ufer links wie Ufer rechts ihre Gültigkeit verloren haben. Die Entscheidung also fällt Fisch, wo Argument und Ufer kein Gemeinsames mehr sind.
Dies bewusst geworden stellt sich für Fisch die Frage, ob er sich aufgrund der veränderten Umstände auf ein erneutes Abwägen einlassen soll - oder, ob Fisch mit Waage im Aszendent zurück zur Stelle fischen soll, wo die Argumente auf die Ufern passten. So treibt Fisch weiter Strom abwärts und Waage sammelt Argumente für das Umdrehen und Argumente für erneutes Abwägen und die Geschichte findet kein Ende.
Da dieser Zustand - so vom Ufer aus betrachtet - wahrhaftig kaum erträglich erscheint, habe ich mich nach dem dritten Glas entschieden, dass ich von mir aus Fische sei, mein Aszendent aber unmöglich Waage sein kann und dass ich mich folge dessen mit der Geburtszeit etwas vertan haben muss. Die Argumente dafür liegen in der linken Schale.

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Aus der Wortstation: http://johannes.wortbeitrag.net

02. August 2004, 13:22 Uhr, meg

Tatsachenbericht

Heute früh - wie überigens jeden Morgen - kam eine erbärmliche Gestalt in den Laden an der Ecke. Gelbe Fingernägel, fettige Haare, aufgesprungene Kapillargefässe, offensichtliche Demenz; gezeichnet von Alkoholsucht und dem Missbrauch von psychedelischen Substanzen also. Dieses Wrack von einem Menschen stand an der Kasse und versuchte, völlig überfordert mit den arithmetischen Grundgesetzen, seine zwei Liter Tetrapackfusel zu bezahlen. Soweit so gut, so ist die Welt nunmal. Als ihm die Dame hinter der Kasse nach dem Ausgeben des Rückgelds aber 'einen schönen Tag' wünschte, obwohl sie genau wissen musste, dass er den Rest dieses Tages mit dem Versuch verbringen wird, sein Elend in der eben erstandenen Volksdroge zu ertränken, erschien mir diese Floskel dann doch irgendwie ziemlich grotesk.

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Aus der Wortstation: http://meg.wortbeitrag.net

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