29. September 2004, 17:17 Uhr, nggalaiBlau.Der grüne Gnom schiebt seinen Kubus durch die mittelalterlichen Gassen und sagt: 'Etwas Furcht gefällig? Ist im Sonderangebot.' Dankend lehnen die Pilger ab, tippen sich an die Fleischhüte und ziehen auf ihren Stelzen weiter. Der grüne Gnom lächelt gütig, öffnet den Kubus und versteckt ein blaues Handy in den langen Bleiroben des letzten der Pilger. 'Ich will ja nicht so sein' flüstert er und verschwindet in einer engen Seitengasse.
Das gelbe Gras beugt sich dem zornigen Nagelwind. Der letzte der Pilger setzt sich müde auf eine durchsiebte Bank und wickelt seine Bleiroben enger an den Körper. Die Stelzen liegen vor ihm im Gras. 'Scheisswetter' denkt er und wundert sich, wo denn seine Gefährten abgeblieben sind. Er zieht den Fleischhut tief ins Gesicht und singt leise eine Weise. Das blaue Handy vibriert an seinem Oberschenkel, aber er bemerkt es erst nach einiger Zeit. Er hält in seinem Gesang inne und beantwortet den Anruf.
'Hat ja lange genug gedauert,' murmelt eine blecherne Stimme. 'Aber egal--schau mal hoch.' Klick.
Der letzte der Pilger hebt seinen Kopf und zieht sich den Fleischhut aus den Augen. Er wird von einer Nagelböe im Gesicht getroffen und fällt von der Bank. Das letzte, was der letzte der Pilger sieht, ist ein blaues Fragezeichen am weissen Himmel.
Der letzte der Pilger lächelt.
kommentieren Aus der Wortstation: http://nggalai.wortbeitrag.net 
20. September 2004, 17:00 Uhr, megIch habe, also bin ichMan ist, was man isst - sofern man etwas zum essen hat. Descartes ist mit seiner Grundlagenaussage 'cogito ergo sum' tragischerweise veraltet, bevor er recht in Mode kommen konnte. Denn vom Denken allein hat man schliesslich noch keine Miete bezahlt. Wer also sein will, muss zuallererst einmal etwas haben - und wer dann auch noch seine Zeit mit denken verschwenden will sowieso. Dass der Mensch aber auch ohne zu denken durchaus sein kann, wird spätestens seit der Erfindung des Satelitenfernsehens täglich evident bewiesen. Man muss es haben, um zu sein, das Schwein. Und wenn es zum Schwein nicht reicht, dann muss man schon mal mit dem Elend vorliebnehmen. Dann hat man wenigstens das und wer es erst einmal hat, das Elend, der braucht es dann auch nicht mehr herzugeben und kann es getrost, wenn auch nicht getröstet, behalten.
2 Kommentare Aus der Wortstation: http://meg.wortbeitrag.net 
13. September 2004, 20:10 Uhr, rolphtränkesie bleibt stehen, presst ihren kopf gegen die scheibe. öffnet und schliesst ihre augen. sie reibt ihre handfläche an der scheibe.
ihre ferse hebt sich, sie spreizt ihre zehen. hält sich an der scheibe fest und ist jetzt ein wenig grösser. die andere dusche ist leer.
sie mag sich ihre haare nicht trocknen. rennt auf die strasse, erkältet sich.
sie mag die öffentlichen duschen. sie mag sich öffentlich duschen bei geschlossenem vorhang. und reibt sich immer die haare trocken. wenn sie ihr schliessfach sucht, kann sie sich nicht an die nummer erinnern. dann rennt sie durch die gänge, verlassen und bevölkert.
heute dreht sie sich um, stoppt. sie lässt ihren gelben schlüssel fallen, ohne nummer. ihre haare sind immer noch nass. ihr ganzer körper ist nass, merkt sie. salzig da und auch nicht.
sie sieht sich das gesicht an. die strähnigen haare und die rauhen lippen. das gelbe tuch um den hals gelegt und sonst nackt. nackt und schön. sie will einen schritt vor, geht zurück. ihr rücken streift die grüne wand. sie lehnt sich an, fällt zu boden. neben ihr ein schlüssel, die 3.
sie findet das schliessfach. öffnet es und nimmt ein tuch heraus, legt es sich unter den kopf. liegt da und wartet bis das grelle licht vertraut wird. das wasser sammelt sich in ihrem bauchnabel. läuft über und lockt die tiere an.
sie mag diese frau. mag ihre sanften züge, die helle haut. weiss auf grünem grund. gelb auf weissem grund. licht auf dem wasser das sich wiegt im takt ihres herzens. kleine wellen; verebben.
kommentieren Aus der Wortstation: http://rolph.wortbeitrag.net 
05. September 2004, 23:23 Uhr, megAnzüglichIch kannte einen Menschen, der wurde von allen geliebt. Jeder wollte ihn. Und das wusste er auch. Nur er, dieser Mensch, wollte nicht jeden, sondern nur einen. Und das wusste eigentlich jeder. Und dieser eine - nun, was der wollte, das wusste wohl niemand so genau. Und er selbst am wenigsten, denke ich.
kommentieren Aus der Wortstation: http://meg.wortbeitrag.net 
05. September 2004, 00:19 Uhr, sturmtauchergrösseja klar. gross bist du. wen nicht sogar mega gross.
würd sagen so gross, wie eine mobilantenne
von swisscom.
doch was nützt es? dein empfang ist beschissen.
1 Kommentar Aus der Wortstation: http://sturmtaucher.wortbeitrag.net 
Februar | Dezember | Februar | Januar | November | Oktober | Juni | März | Februar | Dezember | September | August | Juli | Juni | Mai | April | März | Februar | Januar | Dezember | November | Oktober | September | August | Juli | Juni | Mai | April | März | Februar | Januar | Dezember | November | Oktober | September | August | Juli | Juni | Mai | April | März | Februar | Januar | Dezember | November | Oktober | September | August | Juli | Juni | Mai | April | März | Februar | Januar | Dezember | November | Oktober | September | August |
|