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25. Oktober 2004, 17:48 Uhr, Johannes

Kürzlich, nachts

Ich bin Gott

begegnet.

Er sagte: 'In der Nacht werden wir uns ähnlicher.'

Ich sagte: 'Möglicherweise ist das so, weil wir betrunken sind. Oder müde. Oder weil wir, wenn's dunkel wird, uns nicht mehr beobachtet fühlen.'

Dann sagte er: 'In der Nacht werden wir uns ähnlicher.'

und ich habe geweint.

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Aus der Wortstation: http://johannes.wortbeitrag.net

19. Oktober 2004, 15:21 Uhr, lucent72

Schlagzeugschlegel

Anna steht am Fenster, sie wohnt in München. Anna steht nackt am Fenster, sie will sich noch nicht anziehen, mit dem anziehen beginnt der Tag, noch soll er nicht beginnen der Tag, sie möchte den Geschmack der Nacht behalten. Die Nacht schmeckte nach süßen, schweren, satten Weintrauben. Der Tag schmeckt wie der ausgekotzte Brei von den süßen, schweren, satten Weintrauben.

Die Obstsorte kann wahlweise variieren. Nun gut, die Wohnung liegt im dritten Stock, genau 67 Stufen trennen Anna vom Leben da draußen.

Hans wohnt im Haus gegenüber, er war die ganze Nacht unterwegs und freut sich nun auf den Tag, auf sein Bett. Er steht um diese Zeit meist am Fenster um das hübsche Mädchen von gegenüber zu beobachten, dieses Mädchen steht oft nackt am Fenster. Hans ist Arbeitslos, um sich zu beschäftigen lässt er sich ständig irgendwelche Projekte einfallen.

Sein derzeitiges Projekt besteht darin am Tage zu Schlafen und in der Nacht die Stadt mit dem Nightliner zu erkunden. Er fährt mit dem Nachtbus die ganze Strecke ab, steigt hier und da mal aus, macht Notizen, schießt Fotos und erkundet die Straßen der Endstationen. Das Mädchen steht nicht mehr am Fenster, gut so, nun kann Hans ins Bett.

Anna spielt kein Schlagzeug, sie mochte aber schon immer das Wort Schlagzeugschlegel, deshalb besitzt sie welche. Aus dem Haus gegenüber ertönt ab und an ein Schlagzeug, sie hat es schon länger nicht mehr gehört, meist sind dort die Vorhänge zugezogen. Einmal sah sie dort einen Mann am Fenster stehen, er hatte Schlagzeugschlegel in der Hand und sah zu ihr herüber, ihr fiel ein das sie ja nackt war, sie blieb stehen.

Anna bastelt einen Papierflieger, auf dem steht: Bitte spiel wieder. Irgendwann lässt sie den Papierflieger rübergleiten, bestimmt. Irgendwann wird sie ihr Leben ändern, bestimmt.

Hans schläft noch nicht, er geht seine Tour noch mal im Geiste durch. Hans würde gerne mal wieder sein Schlagzeug begehren, er wurde schon lange nicht mehr verführt. Hans mochte den musikalischen Sex gerne, bald wird er wieder Spielen, bald.


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Aus der Wortstation: http://lucent72.wortbeitrag.net

19. Oktober 2004, 14:37 Uhr, sturmtaucher

blub

zwischendurch fühle ich, ich bin wie eine kohlensäureblase in der wasserflasche.
ich steige auf, zwischendurch setze ich mich am flaschenglas fest
um dann wieder loszulassen und weiter hinauf zu gleiten
irgendwann, wen ich dann die oberfläche erreicht habe,
wird ich im nichts aufgehen und mich mit ihm vermählen

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Aus der Wortstation: http://sturmtaucher.wortbeitrag.net

18. Oktober 2004, 11:27 Uhr, nggalai

Grün.

'Kann mir bitte wer helfen, von diesen Stelzen runter zu kommen?' lacht der junge Mann. Er fröstelt ein wenig, sein schweissgetränktes Hemd lässt die frische Bergluft unangenehm kühl wirken. 'Was war ich nur für ein Idiot.'

Stundenlang kletterte er die unmöglich steile Treppe hoch. Er konnte nicht verstehen, wie seine Begleiter die Stufen so einfach und ohne Anstrengung meistern konnten, in ein lockeres Gespräch vertieft. Er beneidete sie um ihren sicheren Schritt und versuchte, mit ihnen mitzuhalten. In der Hälfte des Weges fiel er hin und wäre fast die Treppe herunter gerutscht. Auf dem Bauch musste er sich Stufe für Stufe hochziehen, mit zitternden Armen und nahe der Ohnmacht. Der Aufstieg kostete ihn seine letzte Kraft, und als er sich endlich vor dem Haus auf dem Hügel aufrichtete und feststellte, dass er Stelzen an den Füssen trug, konnte er nicht anders als laut über seine eigene Blindheit zu lachen. Wie kann man auf die Idee kommen, so einen Berg besteigen zu wollen?

Der alte Mann grinst ihn verschmitzt an und schüttelt leicht den Kopf. 'Nein, wir werden dir nicht helfen, die Stelzen abzulegen. Du hast unsere Hilfe nicht länger nötig. Du hast die Stelzen bemerkt, alles weitere liegt bei dir.'

Der junge Mann zündet sich eine Zigarette an und lehnt sich nachdenklich gegen die Steinmauern des Hauses.

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Aus der Wortstation: http://nggalai.wortbeitrag.net

06. Oktober 2004, 20:40 Uhr, Hannes

Zypressen

Den Himmel verhängen Zypressen. Darunter die Bank, auf die sich zwei Gestalten strecken. Ich gehe, murmelt der Eine. Blüten bedecken den dampfenden Boden. Ich stehe, sagt die Andere, auf der Lehne dieser Bank, wie Duftbäume in Autos baumeln. Der Eine setzt sich auf den Boden und schließt die Augen. Was meinst du, träumen wir unser Leben?
Das leise Bibbern geschorener Schafe. Vernünftig, sagt der Eine, wäre, wenn ich jetzt ginge. Die Andere summt: Es war ein König in Thule, Holzpüppchen dreh’ dich. Die Welt ist es, die sich dreht!, bricht es aus dem Einen, die Welt. Und wir können sie nicht aufhalten. Darum gehe ich.
Sehe ich jemanden, der meine Hand umfasst, fragt die Eine. Die Glocken schlagen einmal mehr. Eine kleine Hand pflückt Pusteblumen. Rollen Steine, ohne angeschubst zu werden, fragt die Eine.
Ich gehe, ich gehe schon, entgegnet der Andere, ich gehe und du bleibst. So werden wir es halten. Ich gebe nach und du behältst Recht.
Irgendwann schläft der Eine ein. Das Haar der Anderen zerzaust der warme Abendwind. Wie ein Duftbaum hängt sie in den Zypressen.

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Aus der Wortstation: http://hannes.wortbeitrag.net

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