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WORTBEITRAG

27. November 2004, 14:55 Uhr, Hannes

Dolce far niente

Als ich aus der Disco trat,
da war es heller Tag.
Ich wollte schon zur Arbeit gehn,
da fiel mir ein,
dass ich keine hab.

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Aus der Wortstation: http://hannes.wortbeitrag.net

25. November 2004, 22:38 Uhr, arjuna

kreise

wieder angekommen,
im danach!

sehnsucht,
hoffnung,
erwartung
und glaube:
davor,
die unschuld...

danach: - nun ja...

nach dem
ersten mal...
nach einiger zeit
vermeintlicher
nähe...
nach einer kurzen
ewigkeit...
nach dem tod,
dem erlöschen,
dem ende der zeit...

danach...

reue,
trauer,
verzweiflung
der unumkehrbarkeit...
frustration,
enttäuschung...
und leere...

danach...

und wieder davor
mit sehnsucht,
erwartung
und hoffnung,
illusion
und freude,
unschuld
und begierde...

davor...

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Aus der Wortstation: http://arjuna.wortbeitrag.net

23. November 2004, 22:22 Uhr, billa

Schee schnaufeln

Ich habe geschlafen. Noch klebt der seltsame Traum in mir. Noch verfolgt mich ein leiser Wahn, dessen Konturen verblassen und sich im Wachsein auflösen.
Draussen liegt Schnee. Ich muss ihn wegschnaufeln.

Ich ziehe mir den Mantel über. Alles ist nun zugedeckt.
Auch der Missstand, den es gar nicht gibt im zivilisierten Land. Und ebenso die Leidenschaft, die es auch nicht gibt im zivilisierten Land.

Ich muss Schee schnaufeln.
Ich geh raus. Noch ist kaum Tag. Ich muss Schee schnaufeln.
Ich greife zur Schnaufel. Es ist kalt. Meine Finger werden klamm. Doch ich muss jetzt diesen Schee schnaufeln. Noch schläft die Stadt. Nur die von der Volkspartei sind früh auf. Und ich. Aber ich muss jetzt diesen Schee schnaufeln. Schnaufel Schaufel schnaufel Schaufel schnaufel Schaufel.

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Aus der Wortstation: http://billa.wortbeitrag.net

23. November 2004, 13:15 Uhr, Hannes

...

Auf dem Klo schaue ich in den Spiegel. Ich denke, dass ich eigentlich gar nicht schlecht aussehe, und während ich das denke, überlege ich, wie lange es wohl dauern würde, auszusprechen, was ich denke, denn man denkt ja viel schneller, als man sprechen kann. Auf jeden Fall wippt mein
Oberkörper irgendwie unkontrolliert von vorne nach hinten.

Ich steige die Treppen hoch zu den anderen, die sind immer noch beim gleichen Thema, dabei muss ich doch eine Ewigkeit weg gewesen sein. Ich gebe ein Zeichen, und wir gehen zu dritt vor die Tür.

Auf dem Klo habe ich schon vorgedreht, ich mag das nämlich nicht, wenn mir einer dabei zusieht, das macht mich ganz nervös. Wir lehnen uns an zwei Autos, wo schon welche stehen und lassen sie kreisen.

Aus der Nähe ein dumpfer Schlag. Der neben mir ist am Auto entlang auf den Boden gerutscht. Er schläft, ich höre sein regelmäßiges Atmen.

Ihr seid meine wahren Freunde, sagt einer, den ich nicht kenne.

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Aus der Wortstation: http://hannes.wortbeitrag.net

20. November 2004, 09:45 Uhr, hilda


schaum

kurze momente
in gedanken an träume
die nicht erinnert werden
verloren und doch ein gefühl
den nächsten tag erwarten
ihn aufzugeben
nach dem letzten traum
der vergessen ist

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Aus der Wortstation: http://hilda.wortbeitrag.net

15. November 2004, 00:14 Uhr, Hannes

Das Schaf (JK 8)

Und alles nur wegen seiner speck-fleckigen Lederjacke. Ob ihn jemand kennte, wollte ich wissen. Ja, na klar, man kennt sich hier. Auch die Mailadresse war schnell herausgefunden.

»Hallo Schaf«, schrieb ich. »Ich beobachte dich. Ich weiß genau, wann du dein Mittagessen einnimmst und was es ist.« Zugegeben, das war nicht nur dreist, sondern auch ganz schön einschüchternd. Wenn es jemanden gibt, den du nicht kennst, der aber bis ins Detail weiß (oder so tut), was du den Tag über machst. Vielleicht beobachtet er dich auch nachts.

Normalerweise taugt ein solcher Grund recht wenig zum Vertrauensaufbau. Nicht so bei Schafen. Vielleicht sind Schafe ein bisschen so wie Goldfische. Denken, ihre Welt ist riesengroß, weil sie, wenn sie sich auf dem Rückweg von einer Wand zur anderen sind, sich nicht mehr an den Hinweg erinnern.

Eines Tages sagte ich: »Hallo, du bist schwul, und ich bin der große Unbekannte.«

Er grinste dämlich. Hatte er wohl nicht erwartet, so viel Zutreffendes auf einmal.

»Aber ich will doch eine Frau und Kinder.« sagte er schließlich.

Ich nahm ihn mit auf einen Spielplatz. Da wippten wir ein bisschen. Ich musste ziemlich weit in die Mitte rücken. Dann sprang ich jäh ab. Das war ein Zeichen. Ein Zeichen ist nämlich ein störendes Element im flüssigen Vollzug.

Man muss den Dingen Tiefe geben, das gilt nicht nur für das kreative Schaffen.

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Aus der Wortstation: http://hannes.wortbeitrag.net

04. November 2004, 09:17 Uhr, lucent72

Sie steht auf mich

Ein Sonnenstrahl sticht wie ein scharfes Messer durch die Wolken, so als würde die Klinge durch Fleisch gleiten, und eine klaffende blutige Wunde hinterlassen. Diese blutig anmutende Öffnung findet sich nun am Himmel wieder, bizarr. Ich verlasse die Wohnung um in einem nahe gelegenen Cafe meine Gedanken auf Milchkaffeeschaum zu betten. Zwei Tische vor mir sitzt ein hübsches Mädchen, sie drückt ihre Kippe aus, schon die zweite innerhalb kürzester Zeit, wieder nur bis zur hälfte geraucht, sie wirkt fahrig. Ich mag wie sie sich kleidet, ich mag ihre roten Lippen. Sie ist genau meine Kragenweite, ich kann meinen Blick nicht von ihr abwenden. Das wäre heute genau der richtige Tag um ein hübsches Mädchen in einem Cafe anzusprechen. Ich lade sie einfach zu mir zum Tee ein, und wir vergessen die Welt. Auch die Farbe ihrer Unterwäsche würde mich brennend interessieren. Ich brauche eine gute Taktik um sie zu verführen. Ich blicke sie nochmals an, und in diesem Moment schickt sie ein lächeln in meine Richtung. Na also, sie hat angebissen, es geht los. Jetzt noch schnell zur Toilette, Händewaschen, Taktik überdenken, und dann folgt der Angriff.

Heute wäre ich lieber nicht aufgestanden, ich hätte aus dem Fenster kotzen sollen und mich wieder ins Bett legen. Es ist nichts besonderes, verspüre nur eine aggressive Grundhaltung, seit der ersten Sekunde an diesem tage. Bevor ich aus dem Haus ging trug ich meinen knalligsten roten Lippenstift auf, um die gesamte Menschheit zu warnen. Achtung aggressive Wallungen! Nach der Arbeit bin ich nochmals in die Stadt zum Frustkaufen, immer wieder das einzig wahre an diesen tagen. Nach meinem Beutezug hatte ich noch Lust auf einen Kaffee, ich ging in ein nettes Cafe das auf meinem Heimweg lag. Das Wolkenspiel am Himmel war faszinierend, blutig, düster, rockig. Während ich auf den Kaffee warte, zünde ich mir meine zweite Zigarette an, ich rauche eindeutig zuviel. Sie schmeckt mir nicht besonders, ich drücke sie frühzeitig aus. Ein paar Tische weiter sitzt ein Typ, er glotzt mich sehr auffällig an. Langsam nervt es mich, wie er mich geil anstarrt, merkt er denn nicht das ich in einer anderen Liga spiele? Ich lächle dem netten Kellner zu, und gebe ihm zu verstehen das ich zahlen möchte. Während ich auf den Kellner mit dem Knackarsch warte, steht der Typ mit dem debilen Grinsen auf, und bewegt sich höchstwahrscheinlich zu den Toiletten. Der Kellner kommt, ich bezahle und mache mich schnellstens aus dem Staub bevor mich der Typ auf dem Rückweg noch dumm anmacht. Das würde mir heute den Rest geben.

Ich atme nochmals tief durch und verlasse die Toiletten, jetzt schnapp ich mir die Kleine. Als ich um die Ecke biege muss ich zu meinem entsetzen feststellen das ihr Tisch leer ist, sie ist weg, so ein Scheiß. Das gibt es doch nicht, ich war mir meiner Sache so sicher. Frustriert verlagere ich meinen Standort vom Tisch an die Bar, bestelle ein Bier und fluche. Vielleicht treffe ich sie ja bald mal wieder, wer weiß, ich war so nah dran.

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Aus der Wortstation: http://lucent72.wortbeitrag.net

01. November 2004, 23:40 Uhr, nggalai

Schwarz.

Zigarettenglut blinzelt.
Der Bass rüttelt und schüttelt meine Knochen.
Ein virtuelles Wesen tanzt wie ein Derwisch.
Dunkelheit, überall, auch in mir.

Eine Yuppie-Schnepfe stolziert auf dem roten Teppich und bittet ihre wohlriechenden Begleiter, doch die Normalen vom ersten Obergeschoss fern zu halten.

Ich bin nichts.
Alles ist Nichts.

Der Spiegel verhöhnt mich.

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Aus der Wortstation: http://nggalai.wortbeitrag.net

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