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28. April 2005, 12:14 Uhr, Zenon

Wortwechsel (30): Sein

ALTER. Versteht man unter dem Sein das Allgemeinste, so leidet alles unter ihm.

EGO. Nichts Schlechteres vielleicht kann von irgendetwas gesagt werden als dass es ist.

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Aus der Wortstation: http://zenon.wortbeitrag.net

26. April 2005, 12:37 Uhr, Zenon

Wortwechsel (25): Religion

ALTER. Die Phänomenologie hat von Haus aus so viel Respekt vor der Religion wie kaum eine andere moderne Denkströmung; denn sie versucht dem phänomenal Gegebenen sowohl in dessen Offenbarkeit als auch Verborgenheit (Hermetik) zu entsprechen.

EGO. Religion ist ja auch in der Tat ein höchst denkwürdiges Phänomen – im Guten wie im Bösen.

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Aus der Wortstation: http://zenon.wortbeitrag.net

20. April 2005, 16:01 Uhr, leeloo

schon erlebt?

Fühlt sich eigentlich nach Nichts an. Am treffendsten bezeichnet man diesen Zustand, als eine Art Punkt. Einen Punkt, dort angelangt, es einfach nicht mehr tiefer gehen kann. Alles wird leer! Nicht einmal die eigene Hülle vermag man noch wahrzunehmen. Doch gerade sie, ist das Einzige, was in solchen Momenten die schwere Last zu tragen vermag. Muss nicht zwingend negativ sein! Wenn du stehen bleibst, wirst du zur leeren Hülle verkümmern. Geh weiter! Beachte dabei jedoch, kontinuierlich zu steigen. Warum? Damit man sich oben einmal angelangt, wieder ausruhen kann. Sich dann erneut gehen lassen, in Richtung der neuen sich öffnenden Schlucht, um dabei die Fülle des Lebens erquickend zu erfahren. Spannend nicht wahr?

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Aus der Wortstation: http://leeloo.wortbeitrag.net

18. April 2005, 23:56 Uhr, marleaux

Ordnung

Dieses Land ist so ordentlich. Furchtbar ordentlich. Kaum ein Lebensbereich der sich den Regeln und Vorschriften entziehen könnte. Selbst die Anordnung der Müllsäcke vor den Häusern scheint einer bestimmten Regel zu gehorchen. Wie an einer sauberen, vorgegebenen Linie aneinandergereiht zeugen sie von einer erstaunlichen Präzision, ja einer Liebe zum Sinnlosen. Es lebe die Zwecklosigkeit, das Unwesentliche. Das ist alles so leicht verdaulich. Zuviele Vorschriften schaden bisweilen der Gesundheit. In der Musik wäre das die erfrischende Gesundheit der Improvisation. Würden die Noten so stur aneinandergereiht wie etwa die Müllsäcke vor den Häusern was bliebe da übrig? Würde es eine Melodie ergeben die irgendjemanden im tiefsten Innern berührt?

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Aus der Wortstation: http://marleaux.wortbeitrag.net

17. April 2005, 09:56 Uhr, Zenon

Wortwechsel (15): Volk

ALTER. 'Volkshochschule' klingt ausgezeichnet. Offene Fragen sind indessen, wann und wie das Volk auf seine Höhe gelangt.

EGO. Oder – kulturalistischer gesprochen – wann und wie EIN Volk es tut, etwa das deutsche.

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Aus der Wortstation: http://zenon.wortbeitrag.net

14. April 2005, 21:46 Uhr, Zenon

Lektüre (6): Ester

Das Buch Ester (3. Jh. v. Chr.)

Die biblische Erzählung sieht das Volk der Juden in einem Maß der Gefahr eines Holocaust ausgesetzt wie danach nur noch einmal ... Die damalige Geschichte, die 1998 (mit Louise Lombard in der Titelrolle) verfilmt worden ist, ging im Gegensatz zur jüngeren so gut aus, dass davon sogar ein jüdischer Freudenfesttag herrührt.

Um beim Lesen dem hebräischen Original so nahe wie möglich zu sein, habe ich die Verdeutschung von Martin Buber als Medium gewählt. - Sehr modern gefasst ist die Übersetzung aus der Bibelausgabe des 'Hoffnung für alle'-Teams.

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Aus der Wortstation: http://zenon.wortbeitrag.net

12. April 2005, 21:45 Uhr, Zenon

Weltreiseziel (1): Schweiz

In Gedanken beginne ich heute, am 7. April 2005, eine Reise um die Welt. Mit der Bahn erreiche ich von meinem Wohnort Augsburg aus in rund fünf Stunden Basel (umsteigen in Karlsruhe oder Mannheim).

1. Einst (1965) war mit einem Landschulheim-Aufenthalt im Schwarzwald ein Tagesausflug zum VIERWALDSTÄTTER SEE verbunden, um auf den Spuren von Wilhelm Tell und Rütlischwur (1291; daher 'Schweizerische Eidgenossenschaft') zu wandeln. Ein Besuch dort bietet sich auch im derzeitigen 'Schiller-Jahr' an.

2. Auf einer Reise nach Rom (1990) hatte ich Zwischenaufenthalt in LUZERN, wo Wagner 1859 'Tristan und Isolde' vollendete; im nahe gelegenen Tribschen war der ruhelose Tondichter um 1870 einige Jahre sesshaft.

3. Um auf BASEL zurück zu kommen: hier erhielt im Februar 1869 der 24-jährige Nietzsche einen Lehrstuhl für klassische Philologie, den er zehn Jahre später aus Krankheitsgründen aufgab. In Dornach bei Basel befindet sich das anthroposophische 'Goetheanum'; dort werden alljährlich beide Teile von Goethes 'Faust' ungekürzt aufgeführt.

4. Ein beliebter Aufenthaltsort des kranken Nietzsche war SILS-MARIA im Inntal - hier entstanden unter anderem Teile seines Hauptwerks 'Also sprach Zarathustra'. Der gleichermaßen musikalische Sozialphilosoph Theodor W. Adorno verbrachte viele Jahre den Sommerurlaub im dortigen Hotel 'Waldhaus'; 1966 fand sich von ihm ein Artikel 'Aus Sils Maria' in der Süddeutschen Zeitung.

5. Nach seinem Tübinger Studienabschluss (1793) nahm Hegel, der angehende Hauptvertreter des Deutschen Idealismus, bei der Patrizierfamilie Steiger von Tschugg in BERN für dreieinhalb Jahre eine Hauslehrerstelle an. Seinerzeit war das an der deutsch-französischen Sprachgrenze gelegene Bern noch nicht Hauptstadt - dazu kam es erst 1848, als die Schweiz ein parlamentarischer Bundesstaat wurde. Von 1914 bis 1917 verbrachte der von Hegels dialektischem Denken beeinflusste Lenin in Bern (und Zürich) eine schriftstellerisch produktive Wartezeit, ehe er sich im versiegelten Zug auf die Fahrt zur Oktoberrevolution begab.

6. Einer der wichtigsten Inspiratoren von Hegel & Co. war der in GENF geborene unorthodoxe Aufklärer Jean-Jacques Rousseau. Von noch größerer Bedeutung ist die ehemalige burgundische Hauptstadt als Hochburg der calvinistischen Reformation (neben dem Zürich Zwinglis). Gegenwärtig ist die wohl weltberühmteste ortsansässige Einrichtung das CERN (Conseil Européen pour la Recherche Nucléaire); hier ein Auszug aus einem FAZ.NET-Artikel vom 5. April: 'Im Moment bauen die Cern-Physiker den Large Hadron Collider (LHC), die stärkste Beschleunigungsröhre der Welt, 27 Kilometer lang. Von Anfang 2008 an werden hier annähernd lichtschnelle Protonen aufeinanderkrachen. In den Trümmern will man nach neuen Teilchen suchen. Genauer gesagt: Teilchen, die es lediglich eine Billionstelsekunde nach dem Urknall gab. Der heilige Gral der Cernländer ist das Higgs-Teilchen. Das klingt nach Schluckauf, könnte aber den nächsten Physiknobelpreis bringen.'

7. Nationalsprachen der Schweiz sind außer Deutsch und Französisch noch Italienisch und Rätoromanisch. Die Deutschschweizer sind mit über 60% die bevölkerungsstärkste Volksgruppe; sie wollen aber ebenso wenig als Deutsche gelten wie die Österreicher.

8. Mit der Schweizer Metropole ZÜRICH (von vergleichbarer Einwohnerzahl - ca. 343000 - sind Wuppertal und Bielefeld) verbinde ich beim ersten Nachdenken vor allem die Zuflucht Thomas Manns in den ersten Jahren seiner Emigration (1933-38 in Küsnacht; 'Joseph und seine Brüder') und die Wahlheimat in den letzten Jahren seines Lebens (1952-55 in Kilchberg; 'Die Betrogene', 'Bekenntnisse des Hochstaplers Felix Krull', 'Versuch über Schiller').

9. Schweizer Autoren, die in meiner Achtung sehr hoch stehen, sind:
* Johann Peter Hebel ('Schatzkästlein des rheinischen Hausfreundes')
* Jacob Burckhardt (Welt- und kulturhistorische Schriften)
* Gottfried Keller (Romane, Erzählungen)
* Conrad Ferdinand Meyer (Novellen, Gedichte)
* C. G. Jung (Schriften zur Tiefenpsychologie)
* Karl Barth (Schriften zur evangelischen Theologie)
* Adrienne von Speyr (Mystische Schriften)
* Hans Urs von Balthasar (Schriften zur katholischen Theologie)
* Friedrich Dürrenmatt (Dramen u.a.)
* Max Frisch (Romane u.a.)

Habe ich etwas ganz Wichtiges ausgelassen?

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Aus der Wortstation: http://zenon.wortbeitrag.net

06. April 2005, 13:34 Uhr, meg

Mein Leben als Schimmelpilz

Untertitel: Gammeln als zeitgenössische Existenzgrundlage

Die Proklamation eines Hilfeschreis möchte ich an dieser Stelle tunlichst vermeiden. Allzu leicht wird man sonst in den brodelnden Topf der ewigen Nörgler geworfen. Wenn ich also im Folgenden schreibe, dass das Leben ein stinkender Sumpf und die Menschheit ein parasitäres Flechtengewächs ist, dann meine ich das nicht zwingend in einem minder wohlmeinenden Sinn. Es ist mehr eine Art von leicht konsternierter Feststellung, frei von jeder Polemik, versteht sich. Ich selbst zähle mich ja zur weitverbreiteten Gattung des gemeinen Schimmelpilzes. Wie Schimmel bevorzuge ich ein warmes, feuchtfröhliches Klima, gedeihe in der allgemeinen Unaufmerksamkeit und mache die Leute ganz krank durch meine blosse Anwesenheit. Und wie die meisten Pilzgewächse, die einmal irgendwo Fuss gefasst haben, bewege ich mich in letzter Zeit kaum noch bis eigentlich gar nicht mehr. Keine Ambitionen, keine Ziele, kein Antrieb zu überhaupt nichts. Als hätten sich alle hohen und noblen Ziele der bewegten Jugend in Zigarettenrauch aufgelöst, vegetiere ich im Dunste meiner kreisenden Gedanken vor mich hin und warte – um den Vergleich mit dem Schimmelpilz aufrechtzuerhalten – aufs Abkratzen.
Es ist ja auch nicht so, dass mein Dasein als Schimmelpilz etwas grundsätzlich Schlechtes wäre. Schliesslich befinde ich mich in der allerbesten Gesellschaft. Künstler, Denker, Unternehmer und vor allen Dingen Politiker pilzen dieser Tage an der Peripherie des Geschehens vor sich hin, lassen hier und dort zwar ein Quäntchen warme Luft ab, geben sich sonst aber eher bedeckt und tun so, als wären sie gar nicht da. Ja, man fragt sich zuweilen wirklich, ob es irgendjemandem auffallen würde, wenn Kabinette und Konferenzräume einfach leer blieben, einzig verwaltet von einer dünnen Schicht grünen Flaums. Wahrscheinlich würde es überhaupt keinen Unterschied machen und wahrscheinlich würde es auch gar niemanden interessieren – abgesehen vielleicht von der Marginalität, die aus unerfindlichen Gründen immer noch von ihrem Wahlrecht Gebrauch macht. Die grauen Massen unterliegen unlängst der globalen Verpilzung und jeder denkt sich heimlich: Was geht’s mich an? Verübeln kann man uns diese zur Kunstform kultivierte Teilnahmslosigkeit ja wirklich nicht. Sie wird uns schliesslich von allen Seiten vorgelebt. Schimmel geht nicht in die Opposition. Schimmel stellt keine berechtigten Ansprüche. Schimmel ist einfach. Man schwimmt mit dem Strom – was in diesem Falle heisst: man modert mit dem Sumpf – oder man geht früher oder später unter.
Freilich ist das sang- und klanglose vor sich hin öden auf Dauer nicht wirklich befriedigend. Man wird depressiv und missmutig, um nicht zu sagen grantig, und man beginnt mit dem Gedanken zu spielen, sich von der nächsten Brücke zu stürzen. Das um wenigstens in den letzten beiden Sekunden seiner gräulichen Existenz das Gefühl von ausgeschüttetem Adrenalin wiederzuentdecken. Da aber der Suizid – Pardon: der Fungizid – natürlich keine Lösung ist und die meisten Makrameekurse und Bachblütenworkshops auf Monate ausgebucht sind, bleibt dem tödlich gelangweilten Jungsaprophyten meist nur die Flucht in die bibabunte Welt des Fernsehens, wo ihm dann gewissenhaft und gründlich die letzten eigenständigen Gedanken aus den Synapsen gewaschen werden. Das ist jetzt vielleicht der Punkt, an dem meine unpolemische Feststellung eine leichte Färbung von Unzufriedenheit annehmen könnte. Ich bitte Sie, dem weiter keine Beachtung zu schenken.
Aber es ist doch einfach schon so, dass wir früher – als das Denken noch frei und der Fernsehkonsum durch die elterliche Gewalt beschränkt war – noch etwas bewegen wollten. Da hatten wir noch Pläne von einer besseren, einer gerechteren Welt. Naive und unreife Pläne zwar, aber wenigstens hatten wir welche. Es ist die Planlosigkeit des gesellschaftspolitisch geförderten Schimmelns, die uns so apathisch werden lässt. Vielleicht hat Sybille Berg nicht ganz unrecht wenn sie sagt: ‚Immer erst nachdenken. Nachdenken hilft sehr. (...) Nach dem Nachdenken: Handeln!’ (Die Zeit, Nr. 6, 3.2.05, S.38) Vielleicht fängt es wirklich damit an, der Dame an der Kasse das Geld zurück zu geben, wenn sie zuviel herausgegeben hat. Vielleicht denken wir daran, wenn wir das nächste Mal einen Kaugummi unter den Stuhl kleben. Vielleicht – nur vielleicht – fängt die bessere Welt wirklich in jedem Einzelnen an. Vielleicht ist Glück eine reine Einstellungssache und vielleicht lebe ich einfach in einem Lilalauneland mit Feen und Kobolden, aber man könnte es doch wenigstens auf einen Versuch ankommen lassen. In diesem Sinne: Leben Sie. Egal wie, nur leben Sie.

MfG, Ihr Schimmelpilz

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05. April 2005, 18:04 Uhr, Zenon

Wortwechsel (8): Tätigkeit

ALTER. Zweifel am Glück der Sorge als des tätigen Lebens kann nur der allzu Ver­sorgte hegen.

EGO. Sind die allzu Tätigen vielleicht nicht zuletzt deshalb so tätig, weil sie nur mit Mühe den Gedanken an die Sinnlosigkeit des Daseins niederhalten können?

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04. April 2005, 07:49 Uhr, Zenon

Wortwechsel (6): Aufklärung

ALTER. Der Schwarzmalerei wird es bereits zu bunt, wo unterschiedliche Grautöne verwendet werden. Eine differenzierende statt polarisierende Erklärung – Abklä­rung statt Aufklärung – lässt allerdings das Patentrezept vermissen, das der Weise dem Toren liefern soll.

EGO. Aufklärung, die diesen Namen verdient, benennt zumindest Missstände so un­miss­ver­ständ­lich, dass sie dabei zum Impulsgeber wird, sie zu beseitigen. Darunter täte ich's nicht, wollte man mir Laune machen, ein Lob der Theorie zu singen.

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