28. August 2005, 11:39 Uhr, JOSEFLieber Jesus (2)Danke,
dass ich gut genug mit den Füßen bin, um für mein Gehen danken zu können;
dass ich gut genug mit den Händen bin, um für mein Leisten danken zu können;
dass ich gut genug mit dem Kopfe bin, um für mein Denken danken zu können!
Bitte hilf mir,
dass ich gut genug mit dem Herzen bin, um für mein Lieben danken zu können!
Danke,
dass ich in Dir jemanden gefunden habe, den ich um das eine bitten und dem ich für das andere danken kann!
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14. August 2005, 19:38 Uhr, ZenonWortwechsel (160): StandpunktALTER. Ohne Entscheidungsnöte gibt es keine Zukunft. Solange wir leben, können wir nicht stehen bleiben, ist für uns kein Standpunkt haltbar.
EGO. Es sei denn mit Gewalt.
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11. August 2005, 23:09 Uhr, schmollbriseFragen wir zum Beispiel mal:Wo ist die Zeit am besten aufgehoben? Ich werd sie wohl besser dir geben, ich verleg ja immer alles so schnell und merke es immer viel zu spät, weißt du, in einer warmen Nacht, in der mit einem Mal alles glüht, Mond, Wange, Leber, und dann ist alles vorbei mit einem Mal, weg eben, verschwunden die Zeit, du mit, vor allem.
Also heb du sie auf, leg sie ins Gefrierfach in einen blauen Frischhaltebeutel, nun nimm schon, mehr bekommst du nicht, mein Herz? Das kannst du vergessen, das erst recht nicht, das sähe ekelhaft aus, wenn du's einfrierst, du weißt, ich bin Ästhet, deswegen will ich kein Tiefkühlherz. Genügen muss: Du hebst die Zeit auf und ich komme ab und an mal vorbei und sehe sie mir an.
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11. August 2005, 22:29 Uhr, schmollbriseOder so.Ich will jetzt auf der Stelle New Yorkerin sein, ich steige in ein Flugzeug, sofort, und morgen früh bin ich in New York, abends, wegen der Zeitverschiebung, und betrinke mich mit Adam Green in Adam Greens Stammcafé, aber dann gehen wir in Adam Greens Wohnung, weil man in New York nicht mehr in der Kneipe rauchen darf, Adam Green und ich finden das nicht gut. Irgendwann frühstücken wir. Adam Green schreibt mir später ein geheimes Lied, von dessen Existenz noch nicht einmal ich weiß, aber man findet es in seinem Nachlass in sieben Jahren kurz nach seinem Drogentod. Ich werde weinen und ein Interview bei Stern TV geben und neben mir sitzt eine Frau, die hat den halben Kopf von einem Kampfhund abgebissen bekommen, die interviewt Günter Jauch aber vor mir, weil Adam Green besser ist als ein Kampfhund.
Ich will nach New York, verdammt, aber das nützt ja auch nichts. Plan- und elanlos bereite ich Nudeln mit Rahmspinat zu, esse etwas mehr als den halben Teller, kopiere stundenlang CDs in meine Laptop-Medienbibliothek, später lese ich sogar Günter Grass!, und das alles nur, um nicht darauf zu kommen, dass du mir fehlst oder so, ich darf das nicht wissen, so lebe ich, das ist die Aufgabe, die Notwendigkeit geworden ist wie für den Diabetiker das Insulin: Ich verarsche mein Limbisches System und das mit einer Inbrunst, die selbst Kinski nicht besser in seine Stimme hätte legen können. Komme trotzdem nicht drumrum, “like someone in love”, sagt Björk und hat ja auch Recht, aber ich will nichts hören davon, halt’s Maul, Björk, “I’m Not in Love”, danke, danke, danke und der nächste bitte, bitte, bitte noch so einen Kuss in den Nacken.
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06. August 2005, 08:37 Uhr, ZenonWortwechsel (148): VerfahrenALTER. Wir verstehen, indem wir konstruktiv missverstehen: indem wir fortgesetzt Missverständnisse entwickeln und durch neue ersetzen. Für die Entwicklung brauchen wir Logik im Sinne wissenschaftlicher Strategien, für die Ersetzung Demut vor dem Unverfügbaren.
EGO. Schon möglich, dass sich einige Forscher und Theoretiker durch eine solche Bescheidenheit auszeichnen; andere aber setzen auf das wissenschaftliche Verfahren von Versuch und Irrtum (trial and error) mit dem Selbstbewusstsein von Voranschreitenden, die Schicht um Schicht der Wirklichkeit aufdecken und so der Wahrheit zuverlässig immer näher kommen.
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04. August 2005, 23:07 Uhr, ZenonWortwechsel (146): WeltanschauungALTER. In den Naturwissenschaften sind es heute vor allem die physikalischen Theorien, die einen angemessenen Draht zu den großen Welträtseln gefunden haben: Fragen wie die nach der Entstehung des Universums oder nach dem Verhältnis von Materie und Geist halten sie problembewusst offen, indem sie unterschiedliche Denkbarkeiten durchspielen. Kaum einen philosophischen Kopf machen sich dagegen derzeit die biologischen Disziplinen in dem Hochgefühl, zum Werdegang und den Bausteinen des Lebens entscheidend vorgedrungen zu sein. Der passende Reim auf diese Differenz lautet: Je weniger Mathematik, desto mehr Reduktionismus.
EGO. Sobald bestimmte Wissenschaften einmal in Mode kommen, geht damit eine weltanschauliche Festlegung einher und man glaubt endgültige philosophische Einsichten gewonnen zu haben. So waren es vor wenigen Jahrzehnten noch die Gesellschaftswissenschaften, die man ideologisch ausschlachtete. Mittlerweile haben dieses Erbe die Lebenswissenschaften angetreten. Auf dieser oder jener Welle reitend, meint man alles aus einem Punkte kurieren zu können.
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02. August 2005, 17:53 Uhr, ZenonLektüre (13): Denkwege mit HusserlLeszek Kolakowski (1974)
Die Suche nach der verlorenen Gewissheit
Denk-Wege mit Edmund Husserl
Aus dem Englischen ('Husserl and the Search for Certitude') von Jürgen Söring
Kolakowskis kritische Würdigung der Husserlschen Phänomenologie ist eine anspruchsvolle Einführung in diese moderne Strömung des philosophischen Denkens. Sie mündet darin, das erkenntnistheoretische Dilemma aufzuzeigen, in welches jede vom Grund im Bewusstsein ausgehende Philosophie gerät, die 'transzendentale Phänomenologie' nicht minder als etwa Descartes' auf dem 'Cogito ergo sum' errichtetes Denkgebäude: das Dilemma, sich in der Konsequenz entweder auf die Seite eines faden Empirismus schlagen zu müssen oder auf die eines logisch unwiderlegbaren, aber nichtsdestoweniger absurden Solipsismus. Derartige Gegensätze möchte aber auch der Kritiker Kolakowski nicht missen; denn 'es ist eher der Konflikt der Werte als deren Harmonie, was unsere Kultur am Leben erhält'.
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