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30. April 2006, 19:20 Uhr, siebenkaes

Germanium

Beatus ille homo qui sedet in sua domo et sedet post fornacem et habet bonam pacem. Ja, Eichendorff, Du hast es erfaßt! Hinter dem Ofen sitzen. Niemand kommt herein. Ein Pfeifchen anzünden – das ist Glück. Friede. Ich will ein Taugenichts werden. Klar, das singen die Studenten und machen sich lustig. Aber die Vorstellung ist doch irgendwie verlockend. Im Morgen- oder Schlafrock. Überhaupt will ich zurück ins 19. Jahrhundert!

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Aus der Wortstation: http://siebenkaes.wortbeitrag.net

30. April 2006, 00:40 Uhr, Epiphanius

Die kahlen Bergrücken raunten ...

Epirgos

Nach 12 Kilometern Fußmarsch entlang der Küstenwüste kam ich zu dem Dörfchen Plataria, an dessen stiller mit Bäumen und Tischen besäumter Kieselstrandbucht ich mich im Schatten eines Eukalyptus niederließ. Ein hölzerner Einmannsegler lag am Steg und schien meiner Seele zu winken. Die hohen braunen, kahlen Bergrücken zu beiden Seiten raunten „hartes Leben“. Die Alten des Dorfes pedalten am Nachmittag in schwarzem Badezeug zu Wasser. Ich döste und hielt Nachlese in der Zeitung.

Gegen Abend, kurz vor Karteri, bot mir ein Mann an, mich im Auto mitzunehmen, ich lehnte dankend ab. In Karteri bekam ich von einer schon recht betagten Frau mit sehr dickglasiger Brille, die sich auf dem Balkon ihres Hauses gezeigt hatte, Wasser. Kurz darauf, bei einer weiteren Pause, bot mir ein junger Mann an, mich gegen Bezahlung ein Stück zu fahren. Auch hier lehnte ich dankend ab. Unter dem Olivenbaum neben der Kirche von Karteri legte ich mich zur Nacht. Als es zu regnen begann wechselte ich unter das Dach des Eingangs.

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Aus der Wortstation: http://epiphanius.wortbeitrag.net

24. April 2006, 00:11 Uhr, siebenkaes

Titan

Bin ich krank, nur weil ich an den Zuständen kranke?
Bin ich frigide, nur weil die Welt so kalt ist?
Bin ich irre, nur weil um mich herum der Irrsinn tobt?
Bin ich nötig, nur weil man mich nötigt?
Bin ich träge, weil mich keine Utopie mehr trägt?
Bin ich trübe, weil die Welt meine Sinne trübt?
Bin ich weise, weil mir all das den Weg hinaus weist?

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Aus der Wortstation: http://siebenkaes.wortbeitrag.net

16. April 2006, 07:16 Uhr, Zenon

Wie ich lebe (8): WC

Mein zu Hause verwendetes WC-Papier ist dreilagig und recycelt. Gewöhnlich reiße ich jeweils drei Blatt auf einmal ab, falte einmal, wische, und falte und wische noch einmal. Das Ganze drei- bis vier Mal, so dass ich pro Sitzung rund 10 Blatt verbrauche.

Auch die 'kleinen Geschäfte' erledige ich im Sitzen, aus mehreren hygienischen Gründen: erstens gibt es auf diese Weise keine Spritzer auf Klo-Ränder und Fußboden, zweitens bleibt so auch die Kleidung sicherer frei von Geruchsspuren.

Von der Klopapierrolle nehme ich oft auch ein oder zwei Blatt als 'Wisch und weg' bei kleineren frischen Verschmutzungen im übrigen Haushalt.

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Aus der Wortstation: http://zenon.wortbeitrag.net

15. April 2006, 00:22 Uhr, siebenkaes

Krypton

Consuetudo altera natura. Zwanghaft. Die Gewohnheit ist die zweite Natur des Menschen.
Verwickelungen. Als Kind habe ich gedacht, ich hätte ein Band an mir hängen, das sich um die Dinge wickelt, um die ich herumgehe. So schnitt ich es ab und knotete es wieder zusammen. Millionenfach muß ich das getan haben.
Ich weiß nicht, was dieses Band bedeutete – Verbundenheit mit was?
Das Band ist mir irgendwann abhanden gekommen. Gut?
Zugehörigkeitslosigkeit? Oder Unabhängigkeit?

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Aus der Wortstation: http://siebenkaes.wortbeitrag.net

12. April 2006, 23:26 Uhr, siebenkaes

Chlor

Diem perdidi. Ich habe einen Tag verschwendet. Ich habe das nicht getan, was ich hatte tun wollen. Ich werde es am nächsten Tag auch nicht tun. Wahrscheinlich nie. Es gibt so viele Tage, die man verschwendet.
Lebenslauf. Man läuft vor wichtigen Entscheidungen weg. Und dann die Frage: Was wäre anders, wenn ich diesen Tag nicht verschwendet hätte?

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Aus der Wortstation: http://siebenkaes.wortbeitrag.net

09. April 2006, 02:32 Uhr, Willi

Shanghai

Warum bloss träume ich immer von Shanghai wenn es mir dreckig geht?
Warum erlebe ich Shanghai's Niedergang so real in meinen Träumen?
Ich weiss es nicht, - aber dass es Shanghai ist, ist nur logisch, -
die perfekte Illusion von Machbarkeit.
Oh übrigens, die meisten glauben es gehe aufwärts: Shanghai!

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Aus der Wortstation: http://willi.wortbeitrag.net

02. April 2006, 08:52 Uhr, Zenon

Wortwechsel (346): Denkvermögen

ALTER. Wir können denken, alles sei eines, und wir können den­ken, jedes sei ein an­de­res. Nur wenn wir beide Denkwege gehen, schöp­fen wir das Denkvermögen aus.

EGO. Das 'wir' ist in diesem Zusammenhang wohl besonders zu betonen; denn durch einen Denkenden allein ist die reduktionistisch-pluralistische Zweigleisigkeit wohl kaum zu gewährleisten.

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Aus der Wortstation: http://zenon.wortbeitrag.net

01. April 2006, 19:03 Uhr, siebenkaes

Kohlenstoff

Difficile est satiram non scribere. Dies alles läßt sich nur mit der Swiftschen hochgezogenen Augenbraue ertragen. Wir stolpern von einer absurden Situation in die nächste.
Die Menschen stehen morgens auf, nur weil sie abends ins Bett gegangen sind. Sie essen und trinken, nur um später aufs Klo zu gehen. Sie lieben, um später vor Leid zu vergehen. Sie kriegen Kinder, um sie später nicht zu mögen. Sie erziehen Kinder, um sie später für dumm zu verkaufen. Sie beerdigen Angehörige, um sie später zu vergessen. Sie waschen die Wäsche, um sie später zu verschmutzen. Sie fahren weit weg, um später wieder zu Hause herumzusitzen. Und zu essen. Und ins Bett zu gehen. Und so weiter.

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Aus der Wortstation: http://siebenkaes.wortbeitrag.net

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